Meinung

No öppis...

Maschen, Mütter und mein Ego

Unsere jüngstes Redaktionsmitglied hat ein neues Hobby. Eines, das gleich mehrere Generationen miteinander verwebt.

Dieses Geschenk begeistert die Redaktorin auch Jahre später noch.

Foto: Noemi Frischkopf

Maschen, Mütter und mein Ego

No öppis …

Unser jüngstes Redaktionsmitglied hat ein neues Hobby. Eines, das gleich mehrere Generationen miteinander verwebt.

Als Achtjährige war mein liebstes Kleidungsstück eine pink-orange Kappe. Handgemacht von meiner Mutter. Das Beste daran: der gehäkelte Hello-Kitty-Aufnäher. Die Kappe gefiel mir so sehr, dass ich mich damals in der Schule an einem passenden Schal versuchte. Die Betonung liegt hier klar auf «versuchte».

Stolz präsentierte ich meiner Mutter schliesslich den semiregelmässigen knallpinken Schal. Auf die Frage, ob ich diesen in der «Nähschi» gemacht habe, starrte ich sie entsetzt an. So ein Schulfach hatte ich gar nicht. «Nei, i de Handsgi denk.» Hätte mein achtjähriges Ich bloss gewusst, dass man dasselbe Fach gut zehn Jahre später TTG nennen würde. «Nähschi» hätte mir da doch deutlich mehr gefallen.

Wie dem auch sei, viel Freude am Basteln habe ich aus dem Unterricht nicht mitgenommen. Auch nicht, als Jahre später in meinem Umfeld ein regelrechter «Bastelboom» ausgebrochen ist.

Selbst genähte Taschen, upgecycelte Jeansjacken oder handgefilzte Finken wurden zu den Lieblingsgeschenken in meinem Freundeskreis. Ein «Bastelbrunch» ersetzte gar abendliche Geburtstagspartys. Zu mehr als einem kleinen Schlüsselanhänger konnte ich mich dabei aber nie motivieren.

Dass sich dieser Schalter an einem gewöhnlichen Montagabend umlegen würde, hätte ich nicht gedacht. Der Grund dafür war, ganz Gen Z typisch, ein Instagram-Video: Häkel-Tutorial für eine einfache, gestreifte Mütze. Beginner friendly.

Da ich ja eigentlich weiss, wie man häkelt – mein knallpinker Schal aus der «Handsgi» reicht schliesslich als Übung –, hielt ich eine detaillierte Anleitung für überflüssig. Und ob ich nun Stäbchen oder halbe Stäbchen häkle, immerhin kenne ich den Unterschied, spielt doch kaum eine Rolle.

Zugegebenen, meine Arroganz als blutige Anfängerin ist mir bei der vermeintlich einfachen, gestreiften Mütze zum Verhängnis geworden. Maschen genau abzählen ist wohl doch nicht überflüssig, und die Wollknäuel aus einer vergessen geratenen Schublade hätten von der Dicke her schon zu meinem goldig-glitzernden Häklein passen müssen. Hoppala!

Gepackt hat es mich trotzdem. Auch wenn das «Beginner friendly»-Tutorial mich etwas demütigte, weckte es vor allem meinen Ehrgeiz. Deshalb verbringe ich fortan meine Freizeit bewaffnet mit Garn und Häklein (vielleicht noch mit einer guten Serie – die heutige Jugend, heieiei!). Bis ich schliesslich Kappen für meine Mutter häkeln kann. Selbstverständlich mit Hello-Kitty-Aufnäher.

In unserer Kolumne «No öppis …» machen wir uns Gedanken über die grossen und kleinen Dinge des Lebens – und teilen diese mit Ihnen.

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Ihr Michael Kaspar, Chefredaktor

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