Künstliche Intelligenz aus Sicht des Laien
Was kommt auf uns zu, wenn die wertvollste Firma der Welt mit KI-Gigant OpenAI zusammenspannt? «Standpunkt»-Autor Heinz M. Schwyter hält es mit einem Ethikprofessor und sagt: «Die Antwort liegt im Menschen selbst.»
Mit diesen Gedanken zur künstlichen Intelligenz (KI) verabschiede ich mich bei den Leserinnen und Lesern der «Standpunkte». Das Schreiben macht mir immer noch viel Freude. Aber ab nächstem Jahr gibt es ja den «Tössthaler» in der heutigen Form nicht mehr. Und so verschwinden auch die «Standpunkte». Eigentlich schade.
Diese Frage ist berechtigt, wenn wir die Entwicklung rund um künstliche Intelligenz beobachten. Kürzlich wurde über einen Megadeal zwischen Nvidia und OpenAI berichtet. Es soll um Investitionen von bis zu 100 Milliarden US-Dollar gehen.
Mit diesem Geld sollen ab Ende 2026 Rechenzentren mit einer Leistung von 10 Gigawatt auf Basis von Nvidia-Chips der nächsten Generation gebaut werden. Gemäss Medienberichten wird damit die Rechenleistung zur neuen industriellen Basis und die Stromversorgung zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil oder eben zum Engpass. Doch woher soll dieser «Pfuus» kommen? Wie viel Leistung sind 10 Gigawatt?
Auf der Website des Elektrizitätswerks der Stadt Zürich (EWZ) gibt es einen anschaulichen Vergleich. Spricht man über den Energieverbrauch eines kleinen Orts, muss man in die Millionen gehen, oder man verwendet das nächstgrössere Präfix: 1000 kWh entsprechen einer Megawattstunde (MWh).
Für den Verbrauch einer Grossstadt sprechen wir von Gigawattstunden (GWh). Mit 10 Gigawatt liessen sich Millionen von Haushalten versorgen. Beim Deal zwischen Nvidia und OpenAI geht es aber um Millionen von Graphics Processing Unit (GPU), um die Modelle der nächsten Generation von OpenAI auf ihrem Weg zur sogenannten Superintelligenz zu trainieren.
Dabei geht es nicht nur um grössere Modelle: Es geht um die Infrastruktur für das, was beide Unternehmen als die Wirtschaft der Zukunft sehen. Wie Sam Altman es ausdrückte: «Recheninfrastruktur wird die Grundlage für die Wirtschaft der Zukunft sein.»
Es versteht sich von selbst, dass KI viel Energie benötigt. Sie wird im Grunde alle Energie benötigen, die sie bekommen kann. Daher wird sie diese von praktisch überall her aufnehmen, sobald sie sie bekommen kann. Deshalb meine Frage: Wann geht uns der «Pfuus» aus?
Kürzlich las ich ein Interview mit Peter G. Kirchschläger. Er ist Professor für theologische Ethik an der Universität Luzern. Er meinte, dass der aktuelle technologische Wandel, sprich KI, sich grundlegend von früheren Umbrüchen unterscheide.
Vor allem sieht er ein Problem darin, dass datenbasierte Systeme (DS) und Roboter unsere Tätigkeiten zwar nicht unbedingt besser, aber günstiger erledigen würden. Der technologische Wandel werde sowohl Kassierer als auch Ärztinnen oder Anwälte betreffen. Es wären also viel mehr Personen betroffen als allgemein angenommen.
Kirchschläger sieht eine grosse Belastung auf den Sozialstaat zukommen, wenn querbeet Jobs wegfallen sollten. Laut ihm hilft den Menschen auch keine Weiterbildung, weil es wegen KI oder DS schlicht keine Aufgaben mehr gäbe für die Menschen.
Solche Gedanken können Angst machen. Ich denke da an die jungen Berufseinsteiger, die über die Jahre den Rucksack mit Erfahrung und Wissen füllen sollten. Wenn die KI deren Routinearbeiten erledigt, braucht es diese Jungen nicht mehr. Wie wollen sie sich aber beruflich weiterentwickeln?
Kirchschläger empfiehlt deshalb bei der Berufswahl, sich auf Fähigkeiten zu konzentrieren, welche die Menschen von Maschinen unterscheiden würden. Emotionale und soziale Intelligenz, kritisches Denken, Ethik, Philosophie, Sinnstiftung, Kreativität und zwischenmenschliche Interaktion wären die Faktoren, wo der Mensch weiterhin gegenüber DS punkten könnte. Diese Eigenschaften wären auch in einer Welt ohne KI unerlässlich. Dann ginge es uns wohl allen besser.
In diesem Sinne wünsche ich uns allen mehr «natürliche» Intelligenz, um die gigantischen Herausforderungen gemeinsam anzugehen.
Heinz M. Schwyter ist Unternehmer, Blogger, Start-up-Scout, Lego-Serious-Play-Facilitator und wohnt seit 30 Jahren real in Turbenthal.
