Sonnencreme für Nacktkatzen
Tösswegs
Unnützes Wissen preisgeben zu können, ist im besten Fall nicht nur informativ, sondern auch lustig. Beim Arztbesuch auf jeden Fall. Und was hat das jetzt mit Nacktkatzen zu tun?
«A whole new world», sang Jasmin, als sie mit Aladdin auf dem fliegenden Teppich herumkurvte. Ab und zu möchte ich auch in solche Töne ausbrechen – nicht, weil ich grad mit einem Fremden ein krass gutes erstes Date habe, sondern, weil mir völlig unerwartet kleine Einblicke in unbekannte Welten serviert werden.
So hat kürzlich vor mir eine Nacktkatze die Strasse überquert. Erstens verwunderte mich, dass die Nacktkatze über den Fussgängerstreifen ging. Zweitens musste ich grübeln, ob ich jemals eine Nacktkatze in freier Wildbahn gesehen habe. Müssen die nicht irgendwie im Haus bleiben? Weil sie so Ultrazuchttiere sind? Drittens und fast am wichtigsten: Muss man eine Nacktkatze im Sommer mit Sonnencreme einschmieren?
Antwort: ja. Genauso wie man sie im Winter vor Kälte schützen muss, braucht sie gemäss zahlreichen Websites im Sommer einen Sonnenschutz. Manche empfehlen, sich eine spezielle Creme vom Tierarzt aushändigen zu lassen, andere verweisen auf günstigere Sonnencremes für Babys, die in der Regel frei von Farb-, Duft- und Konservierungsstoffen und daher auch gut für Büsis sind. Hauptsache, mindestens Lichtschutzfaktor 30.
Und wenn wir schon beim Thema Haut sind: Seit ein paar Jahren habe ich am Fussrücken so einen komischen Knubbel. Einen flachen Hornhauthügel irgendwie. Während ich mir höchstens ästhetische Sorgen machte, schlug mein Mann Alarm und schickte mich zum Hautarzt.
Der Herr Doktor warf aber nur einen kurzen Blick darauf und diagnostizierte mir einen «Gebetshöcker», den man oft bei streng gläubigen Muslimen sieht, die täglich fünfmal beten und dafür auf dem Boden knien.
Während diese Information Jasmin und Aladdin aus dem Nahen Osten wohl weniger überrascht hätte, war ich etwas vor den Kopf gestossen. Es wäre mir neu, dass ich schlafwandle und des Nachts mich im Traum mehrmals gen Mekka richte.
Doch der Arzt löste das Rätsel im nächsten Atemzug. Ebenfalls sei dieser Hornhauthügel, denn das sei es wirklich, oft bei Kindergärtnerinnen oder jungen Müttern zu finden, die mit den Kleinen regelmässig am Boden sitzen würden.
Das macht schon eher Sinn. Mein dreijähriger Sohn und meine einjährige Tochter sind also – einmal mehr – schuld am Zerfall der Mutter.
Nach dem Untersuchungstermin wurde Mr. Google für mehr Einzelheiten zu diesem neuen Themenbereich befragt. Noch bekannter als der umgangssprachliche Gebetshöcker ist offenbar der Gebetsfleck auf der Stirn, der durch die wiederholte Berührung des Kopfs mit dem Boden beim islamischen Gebet entsteht.
Dieser ist in manchen Teilen der muslimischen Welt ein derart wichtiges Statussymbol, dass die bräunliche Verfärbung mitunter durch kosmetische Produkte wie etwa Bräunungscremes verstärkt wird.
A whole new world indeed. Oder einfach eine Bildungslücke? Anyway, der Knubbel auf dem Fuss bleibt, bis meine Kinder grösser sind und er sich von allein wieder verzieht. Mir über dessen mühsame Entfernung jetzt auch noch Gedanken zu machen, ist mir zu blöd. Da creme ich vorher noch das Näsli der Nachbarskatze ein.