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Wie achtsam bin ich unterwegs?

Ablenkung ist die Unfallursache Nr. 1 im Strassenverkehr. Trotzdem bleibt das Handy am Steuer für viele Alltag. Heinz M. Schwyter fordert Massnahmen – und ein Umdenken.

Fotos: PD/Unsplash

Wie achtsam bin ich unterwegs?

Standpunkt

Ablenkung ist die Unfallursache Nummer eins im Strassenverkehr. Trotzdem bleibt das Handy am Steuer für viele Alltag. Heinz M. Schwyter fordert Massnahmen – und ein Umdenken.

Heinz M. Schwyter

Ich bin ja viel zu Fuss unterwegs und habe so die Möglichkeit, den Autofahrerinnen und -fahrern zuzuschauen. Was ich da alles bemerke! Nehmen wir beispielsweise das Telefon. Die Nutzung des Smartphones am Steuer ist verboten.

Doch das kümmert niemanden. Telefonieren während der Fahrt ist für viele bereits eine lieb gewonnene Gewohnheit. Einhändig unterwegs mit dem Auto, kein Problem. Sicher hat dieses Verhalten auch mit den raren Kontrollen und den moderaten Bussen zu tun. Der routinierte Fahrer denkt sich, es wird schon nichts passieren (wenn er überhaupt denkt).

Die Unfallstatistiken zeigen allerdings ein anderes Bild. Wussten Sie, dass Ablenkung und Unachtsamkeit auf der Strasse Unfallursache Nummer eins sind? Ja, sie kommen noch vor den Rasern und dem Alkohol. Leider kommt es wegen Ablenkung zu vielen Unfällen mit Toten und schwer verletzten Personen. Ein Viertel der Unfälle könnte vermieden werden, wenn die Gedanken beim Fahren und nicht anderswo wären.

Ehrlicherweise muss ich eingestehen, dass ich selber auch unaufmerksam unterwegs bin. Telefonieren am Steuer kommt für mich nicht infrage. Aber die Gedanken schweifen halt ab. Glücklicherweise ist bis heute nie etwas passiert.

Wie könnte das Problem angegangen werden? Sicher bräuchte es mehr Kontrollen. So wie elektronische Geräte bei Geschwindigkeitsmessungen zum Einsatz kommen, könnten auch Situationen mit dem Handy in der Hand digital erfasst werden.

Ergänzend zu den vermehrten Kontrollen müssten die Bussen drastisch angehoben werden. Italien macht es vor. Wer mit dem Smartphone am Steuer erwischt wird, zahlt bis zu 1000 Euro. Im Wiederholungsfall kostet es 1400 Euro, und es droht während dreier Monate der Entzug des Führerausweises.

Dann braucht es halt mehr Aufklärung und Kampagnen. Fachleute sind skeptisch. Sie halten Kampagnen nicht für wirksam, weil die meisten Menschen sich nicht angesprochen fühlen. Wir sehen das Plakat und denken, diese Botschaft gilt nicht für mich. Wir glauben ja, wir seien sichere Fahrerinnen und Fahrer und hätten alles im Griff. In der Psychologie spricht man von Kontrollillusion.

Noch gefährlicher wird es, wenn ich Nachrichten tippe. Egal, ob Whatsapp, SMS oder E-Mail. Der Blick ist während längerer Zeit auf den Bildschirm gerichtet und eben nicht auf die Strasse. Beobachtungen zeigen seit 2020 eine stetige Zunahme von Ablenkungen im Strassenverkehr. Fast jeder dritte Schweizer (auch Frauen sind gemeint) ist im Auto mit etwas anderem beschäftigt.

Die moderne Technologie im Auto verleitet geradezu, sich beim Fahren mit anderen Dingen zu beschäftigen. Immer mehr Aufgaben übernimmt das Auto. So sei der Anreiz für viele Fahrerinnen und Fahrer gross, sich nebenbei anderen Tätigkeiten zu widmen.

Die Ablenkung nehme mit der Automatisierung zu, meint der Direktor der Beratungsstelle für Unfallverhütung. Und die Entwicklung geht ungebremst weiter. Seit diesem März dürfen wir in bestimmten Autos die Hände vom Lenkrad nehmen. Ja, was mache ich dann bloss auf der Autobahn mit meinen Händen? Im Moment ist in der Schweiz noch kein Auto zugelassen, welches den technischen Anforderungen entspricht. Allerdings sei dies nur eine Frage der Zeit, sagen Experten.

In kritischen Situationen müssten Fahrerinnen und Fahrer blitzartig handeln können. Dies ist bei einer Unachtsamkeit, beispielsweise mit dem Handy am Ohr, nicht möglich. Kommt noch ein weiterer Punkt hinzu: Im Strassenverkehr gefährde ich nicht nur mich selber, sondern immer auch Dritte. Da ist mehr Aufmerksamkeit wohl nicht zu viel verlangt.

Heinz M. Schwyter wohnt in Turbenthal. Er ist Unternehmer, unterstützt Start-ups und betreibt den Blog proptechnews.ch. Zudem schreibt er für den «Spitex-Report» und gibt Workshops mit Lego Serious Play.

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