Coca-Cola, du miese Verräterin – oder wie man eine Sucht mit Fake News bekämpft
Tösswegs
Schockierte Blicke, Stirnrunzeln oder Besorgnis musste ich stets von mir abwehren, wenn ich erzählte, dass ich «scho biz Coci-süchtig» bin. Meine Sucht gilt natürlich nicht dem weissen Discopulver Kokain, sondern dem flüssigen Gift Coca-Cola. Eine Kokainsucht hätte ich nie öffentlich zugegeben.
Aber mein intrinsisches Verlangen nach einer eiskalten Cola in der Dose gab ich gerne und oft kund. Dass es sich um eines der wohl schädlichsten Süssgetränke der Welt handelt, war mir stets bewusst. Deshalb versuchte ich meine tägliche Ration von einer Dose nicht zu überschreiten – je nach Tag sehr erfolglos.
Abgesehen davon, dass Coca-Cola Gift produziert und es so vermarktet, als gäbe es weder Freundschaften noch eine heile Familie ohne ein koffeinhaltiges Süssgetränk auf dem Tisch, machte ich mir über die ethischen Werte der Firma wenig Gedanken. Dass es sich wahrscheinlich um einen imperialistischen Teufel handelt, der sicherlich viel zur Umweltverschmutzung beiträgt, war mir schon bewusst. «Aber es isch ezd nöd so bös wie Nestlé», dachte ich mir.
Bis der Tag kam, der alles veränderte. Da sass ich also gelangweilt auf dem Sofa, scrollte durch Instagram, als ein Boykottaufruf aufpoppte: #BoycottCocaCola! Ein Teil der lateinamerikanischen Gemeinschaft in den USA wollte der Firma den Garaus machen. In unzähligen Videos sah ich Menschen, die sich mit ernster Miene für Pepsi entschieden – so, als wäre es das moralische Äquivalent zu einem Organspendeausweis.

