Meinung

Wo Eigennutz fehlt, verblasst die Lust auf Engagement

Gesunder Egoismus ist völlig o.k., findet der Russiker FDP-Kantonsrat Andreas Juchli. Bis er zu dieser Einsicht kam, hat es aber ein paar Jahre gebraucht.

Für den Autor ist Egoismus nicht nur zulässig, sondern sogar eine zwingende Voraussetzung für den nachhaltigen Erfolg der Gesellschaft.

Foto: Pixabay/PD

Wo Eigennutz fehlt, verblasst die Lust auf Engagement

«Tribüne»

Egoismus gilt bei vielen Menschen als negative Eigenschaft. Doch er muss nicht grundsätzlich schlecht sein, findet der Russiker FDP-Kantonsrat und «Tribüne»-Autor Andreas Juchli.

Andreas Juchli.

FDP-Kantonsrat aus Russikon

Ich bin Vater, Arbeitgeber und gesellschaftlich engagiert. Dies füllt mich aus – im wahrsten Sinne des Wortes. Und während ich früher meine persönliche Leistung wohl weniger zielorientiert erbrachte, stelle ich mir mit meinen nun bald 48 Jahren die Frage sehr wohl, was für mich, was für uns alle Grundlage ist für die eigene Leistung. Diese Frage führt mich zum Egoismus, der Frage nämlich, ob und wieviel Eigennützigkeit Basis unseres Handelns sein darf, ja, sogar sein muss.

Google antwortet mir auf die Frage, ob Egoismus böse sei, dass Egoismus meistens abwertend als Synonym für rücksichtsloses Verhalten verwendet und als unanständig beurteilt werde. Egoistisches Verhalten also ist etwas Negatives und damit für die Gesellschaft Schädliches.

Tatsächlich? Ich bin zum Schluss gekommen, dass Egoismus nicht nur zulässig (neudeutsch «okay»), sondern sogar eine zwingende Voraussetzung dafür ist, dass wir als Gesellschaft nachhaltig Erfolg haben.

Mein Unternehmen JDMT besteht seit über 22 Jahren. Und Medizinstudierende können ihr Studium bei JDMT verdienen. Viele hundert Ärztinnen und Ärzte waren während ihres Studiums bei JDMT aktiv. Sie hatten davon einen persönlichen Nutzen. Nach ihrem Studium indes endete der Kontakt. Warum?

Es gelang uns bisher nicht, ihnen einen Nutzen dafür zu vermitteln, weiterhin mit JDMT in Kontakt zu bleiben. Mich enttäuschte das immer wieder, hatte ich mich doch für meine jüngeren Berufskolleginnen und -kollegen sehr eingesetzt. Es schien, sie vergassen schnell, welche prägende Zeit wir ihnen bei JDMT boten.

Eigennutz beeinflusst nun mal das persönliche Engagement. Was einem nützt, dem wendet man sich zu. Wer in seinem Tun einen persönlichen Nutzen findet, ist willens, langfristig Zeit und Kraft für dieses Engagement aufzuwenden. Wo indes der Eigennutz fehlt, verblasst die Lust auf Engagement.

Egoismus ist nicht schlecht. Er verleiht Individuen Ehrgeiz und Antrieb, mittels Leistung herausfordernde Ziele zu erreichen. Und das wiederum nützt allen.

Ich bin davon überzeugt, dass wir wieder viel stärker über Leistung und persönlichen Erfolg sprechen müssen. Und über den persönlichen Nutzen, den Eigennutzen, eben diesen gesunden Egoismus, der uns dazu versetzt, durch persönlichen Effort Ziele zu erreichen.

Bleibt natürlich die Frage, wann von gesundem Egoismus gesprochen werden kann? Wenn er zu Zielen führt, die uns allen nützen.

In der «Tribüne» äussern sich Oberländer Politikerinnen und Politiker, die auf lokaler, kantonaler und nationaler Ebene tätig sind, wöchentlich zu Themen aus Politik und Gesellschaft. Die darin wiedergegebene Meinung muss nicht mit derjenigen der Redaktion übereinstimmen.

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Ihr Michael Kaspar, Chefredaktor

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