Von Kempten in Wetzikon nach Kempten im Allgäu
Tösswegs
Eigentlich wollte ich nur nach Hause. Und wie so oft zückte ich mein Handy und gab auf Google Maps meinen neuen Wohnort ein – Kempten. Das war vor etwas mehr als zweieinhalb Jahren, als ich in den Wetziker Ortsteil gezogen bin.
Dass etwas an der vorgeschlagenen Route nicht stimmen konnte, merkte ich sofort. Anstatt knapp 30 Minuten zeigte mir meine Kartenapp eine Route von über zwei Stunden an, via St. Gallen und Memmingen. Ich realisierte: Es gibt noch ein anderes Kempten, und zwar im Allgäu – und dort wollte ich an diesem Abend sicher nicht hin.
Eigentlich ist es ja nichts Besonderes, dass Ortsnamen mehrmals vorkommen. Ich kenne zwei Gossaus, zwei Ottikons, zwei Pfäffikons und sogar zwei Wetzikons, ein solches gibt es nämlich auch im Thurgau. Doch dieses «zweite» Kempten liess mich nicht los.
Meine Neugier war geweckt. So machte ich mich schlau und fand heraus: Kempten ist eine der ältesten Städte Deutschlands, schon zu Römerzeiten bewohnt und einstige Hauptstadt der Provinz Rätien. Der römische Name Cambodunum ist auch der Ursprung des Ortsnamens meines Wetziker Stadtteils.
Als ehemalige Lateinschülerin war für mich sofort klar: Dieses Kempten muss ich unbedingt besuchen! Und da meine Mutter, eine pensionierte Lateinlehrerin, ebenso fasziniert von Geschichte ist, war auch schnell eine perfekte Reisebegleitung gefunden.
Und so reiste ich kürzlich von Kempten nach Kempten. Ein Fixpunkt auf dem Programm war natürlich ein Besuch im Archäologischen Park. Während ich im Wetziker Ortsmuseum einige Relikte einer ehemaligen römischen Raststätte in Kempten bewundern kann, wird in Kempten im Allgäu mit der grossen Kelle angerichtet.
Im Römerpark kann man einen Tempelbezirk, Thermen und ein Forum mit Basilika bestaunen – einige sogar originalgetreu rekonstruiert. Ich bin immer noch beeindruckt.


Auch sonst enttäuschte das kulturelle Angebot nicht. Kempten hat ein schönes Ortsmuseum, zwei grosse Kirchen (eine reformiert, die andere katholisch) und sogar eine monumentale barocke Klosteranlage – die sogenannte Residenz Kempten.

So viele Prunkräume sucht man in Wetzikon vergebens. Und auch die Innenstadt ist voller Leben – auch wenn dies den Geldbeutel nicht gerade schont. Das Einkaufsangebot in Kempten von Wetzikon kann da nicht ganz mithalten.
Die drei Tage im Allgäu vergingen wie im Flug. Das zeigte mir einmal mehr: Auch etwas abseits der Touristen-Hotspots gibt es einiges zu erleben. Wer weiss, vielleicht fahre ich demnächst nach Wetzikon im Thurgau. Dort gibt es immerhin eine Burgruine, die darauf wartet, erkundet zu werden.
