21 Zonen auf einmal sind zu viel des Guten
Kommentar zu Tempo 30 in Wetzikon
Der Stadtrat wollte bei Tempo 30 zu viel auf einen Schlag. Jetzt soll er nach seinem Scheitern aber nicht unüberlegt handeln.
Wetzikon bleibt sich treu. 2022 gab es zwar ein Links-Rütschli bei den Wahlen des Stadtparlaments, aber die Stadt ist und bleibt bürgerlich dominiert.
Das zeigt sich auch wieder an der Abstimmung zu Tempo 30. Das Nein ist deutlich, die Wetzikerinnen und Wetziker verwerfen die flächendeckende Einführung der Temporeduktion.
Der Stadtrat wollte mit seiner Vorlage viel erreichen: 21 neue Tempo-30-Zonen waren vorgesehen. Das war zu viel des Guten, und zu viel auf einmal.
Denn wer sich nur schon eine Karte der Zonen anschaute, sah vor allem eines: viel rote Flächen, viele neue Zonen, viele neue Rechtsvortritte, viele entfernte Fussgängerstreifen. Wohl auch dort, wo bei der Bevölkerung gar kein Bedürfnis nach einer Verkehrsberuhigung besteht.
Hinzu kommt, dass die Stadt in der Vergangenheit nicht immer ein gutes Händchen hatte, wenn es um die Einführung von Tempo 30 ging.
Das zeigt sich beispielsweise in Robenhausen. Dort musste die Stadt beim Schulhaus nochmals nachbessern und einen entfernten Fussgängerstreifen wieder aufmalen, damit die Kinder einen sicheren Schulweg haben. Und der Rechtsvortritt auf der Usterstrasse sorgte ebenfalls, vor allem in der Anfangszeit, immer wieder für brenzlige Situationen und Ärger.
Von flächendeckenden Tempo-30-Zonen in Quartieren wollen die Wetzikerinnen und Wetziker nichts wissen. Diesen Entscheid muss auch der Stadtrat akzeptieren – so geht Demokratie.
Trotzdem ist es falsch, jetzt alle neuen Ideen für Tempo 30, wie Stadtrat Heinrich Vettiger (SVP) angekündigt hat, in der Schublade verschwinden zu lassen.
Die Wetzikerinnen und Wetziker wollen nicht 21 neue Tempo-30-Zonen auf einen Schlag. Das heisst aber nicht, dass sie Bewohnern aus anderen Quartieren, die wegen persönlicher Betroffenheit eine Verkehrsberuhigung wünschen, Tempo 30 ebenfalls verwehren wollen. Das sollte aus dem Verdikt nicht abgeleitet werden.
