Bei Taylor Swift spielt der Preis (fast) keine Rolle
Tösswegs
Es gibt Dinge, die gehören sich nicht. So fragt man zum Beispiel eine Frau nie nach ihrem Alter oder gar ihrem Gewicht – und schon gar nicht nach dem Betrag, den sie für Taylor-Swift-Tickets ausgegeben hat.
Im nächsten Juli gibt die amerikanische Sängerin auf ihrer Europa-Tournee zwei Konzerte im Zürcher Letzigrund. Und für mich war klar: Ich will unbedingt an eines davon.
Aber viele andere wollten das auch. Taylor Swift ist wohl, wie man so schön sagt, auf dem Höhepunkt ihrer Karriere. Ihre Alben brechen Rekorde, beim Streamingdienst Spotify ist sie Tag um Tag die Künstlerin mit den meisten Streams.
Für den Vorverkauf musste man sich anmelden. Nur mit einem Code bekam man überhaupt die Möglichkeit, um ein Ticket zu kämpfen. Kämpfen? Ja genau, so fühlte es sich an.
Immerhin hatte ich überhaupt das Glück, einen Zugangscode zu erhalten. Damit konnte ich mich vor gut zwei Wochen in die Schlacht am kalten Buffet stürzen.
Am 13. Juli um 10 Uhr öffnete der Vorverkauf. Damit das System nicht überlastete, gab es eine Warteschlange – mit willkürlicher Einteilung.
Auf Instagram sah ich, wie Leute mit gefühlt zwölf verschiedenen Geräten eingeloggt waren. Ihr Ziel, möglichst rasch zum eigentlichen Ticketverkauf zu kommen.
Ich war nur mit zwei Geräten am Start, mit dem Handy und dem Laptop. Und auch ich war natürlich überpünktlich bereit. Doch es half nichts. Ich sass gefühlt am Ende der Schlange fest.
From sprinkler splashes to fireplace ashes, I gave my blood, sweat, and tears for this.
Taylor Swift
«You’re on Your Own, Kid»
Ich versuchte mich abzulenken, weiter meiner Arbeit nachzugehen. Mein Arbeitskollege versuchte mir in dieser Zeit gut zuzureden.
Und ich konnte ja nichts tun – ausser nervös zu werden. Und das war ich. Innerlich kämpfte ich mit dem Gedanken, dass es vielleicht nicht klappt.
Dann endlich! Nach aufreibenden 25 Minuten war es für mich so weit. Ich durfte mein Ticket aussuchen. Doch schon kam der grosse Schreck. Es waren nur noch sogenannte VIP-Tickets verfügbar.
Diese bieten neben dem normalen Ticket noch zu einem happigen Aufpreis einige Fanartikel wie Stofftaschen oder Postkarten.
Ich würde jetzt gerne von mir behaupten, dass ich zu diesem Angebot kaltblütig Nein gesagt habe. Diese Saumode mit diesen VIP-Tickets gilt es nicht zu unterstützen. Sie ist eine Masche, um Fans das Geld aus der Tasche zu ziehen. Wer will schon so überteuerte Tickets kaufen?
Ach ja genau, ich will das. Denn ich will unbedingt an dieses Konzert. Den genauen Preis will ich hier nicht nennen, aber ich habe viel Geld ausgegeben. Doch eine Moralpredigt ist fehl am Platz, ich würde es wieder tun.
Der Betrag tut schon ein bisschen weh. Aber wenn Taylor Swift am 9. Juli 2024 die Bühne im Letzigrund betritt – oder eher auf diese hochfährt –, wird der Schmerz sowieso verflogen sein.
That July ninth, the beat of your heart, It jumps through your shirt, I can still feel your arms.
Taylor Swift
«Last Kiss»
