Die Aufgabe ist schwierig, sehr schwierig sogar. In der Corona-Krise muss der Bundesrat jene Pakete aus der Massnahmenkiste holen, die eine Balance zwischen dem kleinstmöglichen wirtschaftlichen Schaden und dem grösstmöglichen gesundheitlichen Schutz bringen – das alles bei bestmöglichem Erhalt des gesellschaftlichen Lebens. Wohin zu rigorose Einschränkungen führen können, wenn der soziale und der finanzielle Aspekt zu wenig berücksichtigt werden, ist aktuell in Italien zu sehen. Der Protest auf der Strasse artet zu Tumulten aus.
Kritik und Unterlassungen
Der Bundesrat muss sich mit dem Anbranden der zweiten Welle viel Kritik anhören: mangelnde Führungsstärke oder zögerliches Handeln. Als er die Führung im Frühling übernommen hatte, war es dann allerdings auch nicht recht. Er hat viele Kompetenzen und auch die Verantwortung wieder an die Kantone abgegeben. Wie sich nun gezeigt hat, wussten verschiedene Kantonsregierungen aber nichts damit anzufangen. Jedenfalls haben sie es wie im Kanton Zürich verpasst, die Detektoren für diese zweite Welle adäquat auszubauen. Das Contact Tracing ist schon schnell am Anschlag gewesen und die Testzentren kommen kaum mehr nach. Auch die Labors sind überfordert, so dass die Resultate der Proben nicht einmal innerhalb von 48 Stunden erhältlich sind.
Darüber zu diskutieren, ob die Schweiz im Sommer zu locker mit dem Virus umgegangen ist, bleibt müssig. Tatsache ist, dass es da ist und es noch lange bleiben wird. Müssig darum, weil in Westeuropa alle Länder – mit unterschiedlichem Schweregrad, je nachdem wie stark sie aktuell die Bewegungsschraube grad wieder angezogen haben – mit der Pandemie zu kämpfen haben. Nur in autoritären oder totalitären Staaten lässt sich das Virus mit radikalen Massnahmen einigermassen in den Griff kriegen. Aber das kann nicht die Messlatte sein, fehlt doch dort der Ausgleich zwischen Gesundheit, Gesellschaft und Wirtschaft.
Es muss weiter gearbeitet werden

