Wenn der Appell nichts nützt...
Lösen und wenn es sein muss wieder anziehen: Dieses Prinzip hat seit den ersten Lockerungsschritten im Kampf gegen das Coronavirus seine Gültigkeit. Nun ist es einige Wochen gut gelaufen punkto Fallzahlen, bis hin zur fast vollständigen Lockerung der Schutzmassnahmen vor zehn Tagen.
Jener Schritt war richtig. Nicht nur unsere Wirtschaft hat ihn dringendst gebraucht, sondern auch unser soziales Leben. Es war eine Rückkehr zum lange ersehnten «normalen Leben», verbunden mit dem Appell, eigenverantwortlich zu handeln und die noch wenigen Schutzmassnahmen diszipliniert zu befolgen. Wie die jüngste Entwicklung bei den Fallzahlen aber zeigt, ist offenbar die damals mitgelieferte Warnung, dass das Virus noch nicht besiegt ist, zu wenig gehört worden. Und die neue Lebenslust zu unbändig.
Prompt rollt die befürchtete zweite Welle an. Jetzt gilt es, die aus der ersten Runde gezogenen Lehren umzusetzen. Mit gezielten Eingriffen, die die wiedergewonnene Bewegungsfreiheit möglichst wenig einschränken, soll ein möglichst grosser Effekt erzielt werden. Die hierzulande geschmähten Masken bringen mehr als zunächst gedacht – nicht nur Schutz für die anderen, sondern auch für einem selbst. Wer auf engem Raum für längere Zeit mit Fremden zusammenkommt – wie in den voller werdenden Zügen und Bussen -, muss nun eine Maske tragen. Diese Einschränkung ist erträglich.
Unerträglich ist jedoch die Fahrlässigkeit, die in vielen Clubs an den Tag gelegt wird. Es hat sich bestätigt, dass sie wahre Virenschleudern sind. Wir dürfen nicht für das Vergnügen von einigen das Wohl von allen erneut aufs Spiel setzen. Für die Partygänger und Clubbetreiber ist eine längere Denkpause angezeigt.
