Rot-grüne Welle überspült die SVP
Vor sechs Wochen war noch völlig offen, ob diese Welle, die vor allem die SVP-Sitze in Exekutive und Parlamenten kostete, nicht zeitlich und lokal begrenzt ist. Der Auslöser, so wurde spekuliert, könnte die «No-Billag»-Initiative gewesen sein, die besonders viele linke Wähler an die Urne gelockt hätte – und in der Stadt Uster auch zu einer Annahme der grünen Waldinitiave führte.
Welle ebbt nicht ab
Jetzt aber zeigt sich, dass sie nachhaltiger ist. Die diesjährigen Gemeindewahlen im Kanton Zürich bringen vor allem Gewinne auf rot-grüner Seite und herbe Verluste für die SVP. An diesem Trend wird auch die dritte Wahlrunde am kommenden Wochenende nichts mehr ändern.
Wie bei jeder grossen Welle können sich lokal Strudel bilden, die Opfer mit sich hinabziehen. Förmlich untergegangen ist die SVP im starken Sog in Illnau-Effretikon: Sie hat auf einen Schlag alle drei Stadtratssitze verloren und büsst auch im Parlament einen Sitz ein. Auch in Uster erwischte es die Volkspartei böse. Während nun in Illnau-Effretikon die neue GLP-Stimme im Stadtrat das Zünglein an der Waage zwischen links und bürgerlich spielen wird, haben in Uster die Mehrheitsverhältnisse gekehrt: Statt SVP und FDP haben nun SP und Grüne die Oberhand.
SP-Regierungsrat Mario Fehr über den Erfolg der Linken:
Dübendorf als grosse Ausnahme
Einziger SVP-Fels in der Brandung bildet die Stadt Dübendorf: Hier errang die Volkspartei nicht nur das Stadtpräsidium, sondern konnte auch ihre Sitze in der Exekutive und im Parlament halten. Und die SP scheiterte ein weiteres Mal mit ihrem Sturm in den Stadtrat.
Während der Schwall von Rot-Grün in den Oberländer Städten noch mit der zunehmenden Urbanisierung erklärt werden kann – in einem solchen Umfeld finden linke Ideen eher einen fruchtbareren Boden –, ist es erstaunlich, dass die SVP auch in kleineren Gemeinden schwächelt. Hier zeigt sich, dass die aktuellen Veränderungen in der Politlandschaft eben nicht nur auf eine wiedererstarkte Linke zurückzuführen ist, sondern nun auch auf kommunaler Ebene eine Kurskorrektur einsetzt.
Die zuvor kometenhaft aufgestiegene SVP hat ihre Popularität bei vielen Wechselwählern eingebüsst. War es für Politiker vor kurzem noch von Vorteil, ein SVP-Etikett tragen zu dürfen, ist dies nun zu einem Handicap geworden. SVP-Kandidaten finden sich nach dem Wahltag vermehrt auf den hinteren Rängen wieder.
FDP im Oberwasser
In diesem Wechselspiel zwischen den beiden grossen Polparteien wird leicht übersehen, dass es auch im bürgerlichen Lager sehr wohl Gewinner hat: Die FDP kann nicht nur in verschiedenen Oberländer Exekutiven zulegen, sondern schlägt sich auch in Parlamentsgemeinden respektabel und holt zusätzliche Sitze. Eine zukunftsgerichtete Politik mit leiseren Tönen und weniger Wirbel ist in diesem Zeiten offenbar das bessere Mittel, um das eigene Schiff zu steuern und so nicht in neue Strudel zu geraten.
