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Ein Hoch auf die Audio-Kassette

Einmal wöchentlich äussern sich züriost-Redaktoren zu einem Thema von politischer oder gesellschaftlicher Relevanz. Heute: Manuel Reimann, Chef vom Dienst, über die audiophilen Qualitäten eines oft verpönten Datenträgers von gestern.

(Bild: Manuel Reimann)

Ein Hoch auf die Audio-Kassette

Ich höre viel Musik. Am liebsten ab analogen Quellen. Häufig Platten. Wenn ich davon erzähle, findet man das trendig. Vinyl ist hip. Manchmal höre ich auch Tonbänder mit meiner musealen Revox-Bandmaschine. Wenn ich das erzähle, findet man das cool. Denn diese grossen Alu-Spulen sind wunderbar vintage. Und immer öfters höre ich wieder Kassetten. 

Kassette? Wenn ich davon erzähle, findet man das seltsam. Die Kassette! Das war doch dieses Ding, das während dem «Fünf Freunde»-Hörspiel plötzlich Bandsalat produzierte und bei dem das mühsam aufgenommene Konzert schon nach zwei Mal abspielen wie ein russisches Mittelwellenprogramm tönte. Warum hört einer noch Kassette? Weil ich sie als beständiges und hochwertiges Speichermedium erkannt habe. Die CDs aus meiner Jugend segnen eine nach der anderen das zeitliche. Die Audio-Kassetten aus der Zeit davor  sind alle noch hörbar. 

Ich besitze ein Tapedeck des Regensdorfer Hifi-Genies Willi Studer. Ein Highend-Gerät, das heute niemand mehr braucht. Darauf aufgenommen klingt Kassettensound überragend – klar wie digital, aber wärmer im Klang. 

Wie vor 30 Jahren produziere ich wieder Mixtapes. Es erfordert Überlegungen, in welcher Abfolge die Songs gruppiert werden sollen, rasch per Klick tauschen geht nicht. Und ab und zu erlaube ich einen überraschenden Stilwechsel. 

Haben Sie schon einmal Neneh Cherrys «Woman» und gleich anschliessend «Lovemachine» von Supermax gehört? Kein Radio und kein Streamingdienst wird stilistisch so unterschiedliche Songs in genau dieser Reihenfolge programmieren. Ich schon – auf meinen alten Kassetten. Und es tönt super.

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