Kurioser Anblick: Was sucht ein Flugzeug auf einer Garage in Kollbrunn?
Ufgschnappt
Ein besonderer Anblick bietet sich Passanten in Kollbrunn. Ein Flugzeug ist auf dem Dach einer Garage parkiert. Aber wieso? Geht man dem auf die Spur, zeigt sich bald: Das ist erst der Anfang.
Der Traum vom Fliegen ist so alt wie die Menschheit selbst. Während wir Normalsterblichen zu dessen Verwirklichung auf grosse, tonnenweise Kerosin schluckende Sardinenbüchsen angewiesen sind, kann man sich mit genügend Kleingeld und Karriereglück selbst ein Fluggerät anschaffen.
Doch kaum ist dieser Traum erfüllt, folgt schon das nächste Problem: Wo bloss parkieren? Eigentlich wäre die Antwort ja klar. Denn was mehr fliegt als fährt und nicht senkrecht starten kann, gehört normalerweise auf einen Flugplatz.
Nun, so klar ist das offenbar nicht, wie ein eigentümlicher Flugzeugparkplatz in Kollbrunn beweist. Seit geraumer Zeit parkiert dort ein rot-weisser Flieger auf einem Garagendach. Die Lackierung erinnert auf den ersten Blick an ein Modell aus der PC-7-Kunstflugstaffel.
Nur: Wie findet ein Flugzeug den Weg mitten ins Dorf? War hier etwa ein Bruchpilot am Werk?
Kaum, dafür sieht das Flugzeug zu intakt aus, und längst hätten Schlagzeilen die Einwohner aufgescheucht.

Die zweiteilige Registration des Flugzeugs, HB-YIQ, verrät, dass es sich um ein Eigenbauflugzeug eines österreichischen Herstellers handelt. Preis: irgendwo zwischen 35’000 und 65’000 Franken.
Der Umstand, dass das Flugzeug nicht eingelöst ist, spricht gegen einen Zwischenstopp im nahe gelegenen Imbiss. In die Höhe steigen wird es also in nächster Zeit kaum mehr.
Was wirklich dahintersteckt, erklärt der Besitzer des merkwürdig parkierten Flugzeugs. Andreas Gassmann, dem auch das Grundstück gehört, ist pensioniert, aber offenbar nicht so richtig im Ruhestand.
Er hat den Flieger per Zufall gefunden, ein Aargauer Hobbypilot hatte ihn gratis im Internet angeboten. «Der Vorbesitzer hatte damit einen Unfall und wollte ihn verschenken», erzählt er. Da der Flieger kaum beschädigt war, nahm ihn Gassmann nach kleineren Reparaturen in seine Sammlung auf. «Und dann haben wir ihn einfach mit dem Kran auf die Garage gehoben.»
Was der 69-Jährige jedoch nicht hat, ist ein Pilotenschein. Den braucht er aber auch nicht, denn das Flugzeug soll nicht mehr abheben – zumindest nicht, solange es in Gassmanns Besitz ist.
Von der Sammlung zum Museum
Der Unternehmer aus Zürich-Höngg begeistert sich für allerhand seltene und ausgefallene Objekte. So besitzt er auch ein 12-Meter-Wohnmobil – das eigentlich mehr mit einem Lkw gemein hat –, welches ihm bereits einen Auftritt im «Blick» und in der SRF-Sendung «Ding Dong» bescherte.
Das Kleinflugzeug ist indes nur der auffälligste Teil eines regelrechten Sammelsuriums, das er auf dem Grundstück in verschiedenen umliegenden Gebäuden verteilt hat. Sieht man sich um, stechen einem immer wieder Teile davon ins Auge: Bahnhofschilder, die Leuchtschrift des ehemaligen «Swissôtel» in Zürich-Oerlikon, ein Bührer-Traktor.
Auf dem Areal steht zudem ein altes Waschhaus, das der Flugzeugbesitzer gerade zu einer Art Privatmuseum umfunktionieren lässt. Mehr dazu will Gassmann aber erst verraten, wenn die Umbauarbeiten abgeschlossen sind. «Das Ganze ist noch eine einzige Baustelle.»
Eine Baubewilligung hat er für den etwas anderen Flugzeugstandplatz übrigens nicht eingeholt, dafür aber für den Umbau seines Waschhauses, der gerade auf Hochtouren läuft.
Fertig sein soll Gassmanns Privatsammlung im Lauf des Frühlings, pünktlich zu seinem 70. Geburtstag. Danach will er sie auch ausgewählten Interessierten zeigen – ein für jedermann zugängliches, richtiges Museum plant er allerdings nicht. «Dafür hat es zu viele kleine Sachen dabei, die man unbemerkt einstecken könnte.»