Sie erfüllt mit gebrauchten Kleidern neue Hochzeitsträume
Tüll und Tränen in Wetzikon
Bei Corinne Consenti in Wetzikon bekommen gebrauchte Hochzeitskleider eine zweite Chance. Das führt immer wieder zu emotionalen Momenten.
Der grosse Fleischdiscounter, eine Veranstaltungshalle und kleinere Unternehmen – das Areal an der Zürcherstrasse 47 in Wetzikon würde man nicht unbedingt als elegant bezeichnen. Umso stärker wirkt dadurch der Kontrast im Königinnenreich von Corinne Consenti im vierten Stock des alten Gebäudes: saubere Holzböden, eine helle Galerie über den Köpfen und mittendrin Dutzende fein säuberlich aufgehängte Brautkleider.
Es sind Kleider, die schon einmal jemandem gehört haben. Und die nun den Traum einer neuen Braut erfüllen dürfen. Consenti weiss selbst, was das heisst – schliesslich entstand ihr Business Belle’s Secondhand Brautmode daraus, dass sie ihr eigenes Brautkleid vor eineinhalb Jahren über einen Secondhandshop verkaufte.
Darüber fand Consenti den Einstieg in die Welt der gebrauchten Brautmode. «Ausserhalb der Stadt Zürich sind solche Geschäfte eine Seltenheit.» Ein Umstand, den die 37-Jährige ändern wollte. So kam es, dass sie im März 2025 ihren Laden in Küsnacht eröffnete und nun, aufgrund von räumlichen Veränderungen, nach Wetzikon umgezogen ist. Das Wort Belle im Namen des Ladens wird von Corinne Consentis zweitem Vornamen Isabelle abgeleitet. «Und es erinnert an Prinzessin Belle aus dem Film ‹Die Schöne und das Biest›.»
Neuwertig oder gar ungetragen
Die Küsnachterin ist Quereinsteigerin in dem Business. Sie absolvierte einst eine kaufmännische Lehre und studierte Betriebsökonomie. Ihrer Arbeit als Angestellte bei einer Versicherung geht sie trotz Brautkleidergeschäft noch nach, wenn auch in einem tiefen Pensum. «Ich will mir Zeit geben, alles aufzubauen. Die Kleider können nur auf Terminbasis besichtigt und anprobiert werden – das lässt sich also gut mit meinem anderen Job und meinem Familienalltag vereinbaren», sagt die Mutter eines zweijährigen Sohns.
Das Wissen rund um Brautmode habe sie sich im Selbststudium und praktisch angeeignet. «Mit jeder Kundin lerne ich etwas Neues.»
Viele angehende Bräute sind auf der Suche nach dem perfekten Kleid für ihren Hochzeitstag. Secondhand-Brautmode gewinne dabei zunehmend an Bedeutung. «Viele Frauen überlegen heute zweimal, ob sie sich tatsächlich ein neues Kleid kaufen sollen», sagt Consenti. «Zumal auch die Kleider, die ich verkaufe, praktisch neuwertig sind – sie wurden einen Tag getragen, wenn überhaupt.»
Auch Kleider, die noch ungetragen sind, finden manchmal den Weg in ihr Geschäft – etwa, wenn sich die Braut kurz vor der Hochzeit doch noch für ein anderes entschieden hat.
Trends verändern sich
Doch nur weil ein Kleid nicht mehr gebraucht wird, hält es nicht automatisch Einzug bei Corinne Consenti. Die Auswahl ist – mittlerweile – strengen Kriterien unterworfen. «Am Anfang habe ich alles angenommen. Heute kenne ich die Kundschaft und den Markt besser und weiss, worauf ich achten muss», erzählt sie und schmunzelt.

Ein Kleid darf nicht älter als drei Jahre sein; Trends ändern sich stetig. Der Zustand muss einwandfrei sein – zumindest beim sichtbaren Teil. «Kleinere Abnutzungen am Unterrock sind weniger schlimm», führt Consenti aus. Zudem achtet sie auf die Grösse, um eine gewisse Auswahl anbieten zu können.
Fluch und Segen
Denn im Gegensatz zu herkömmlichen Brautmodegeschäften gibt es die Kleider bei Corinne Consenti nur ein einziges Mal – was manchmal Fluch und Segen zugleich ist. Findet eine Braut ihre Grösse nicht, kann das herausfordernd sein.
Umso schöner sei es jedoch, wenn ein Verkauf zustande komme. «Eine Hochzeit ist für viele Frauen nach wie vor ein Kindheitstraum. Viele zeigen sich bei der Suche nach dem passenden Kleid dafür sehr offen.» Tränen, Umarmungen und Fotos vom Kleid in Action – all das gehört zu Consentis Alltag. Momente, die ihr immer wieder bestätigen, dass sie auf dem richtigen Weg ist. «Ein Kleid an einer glücklichen Braut zu sehen, ist etwas ganz Spezielles.»