In Illnau-Effretikon gibt es «Tätsch»
Ufschnappt
Ein Ort, der nach Ohrfeige klingt? Nicht nur in Illnau-Effretikon, sondern auch in Wald und in Bern gibt es Flurnamen mit «Tätsch». Sind wir etwa masochistisch?
Sowohl in Illnau-Effretikon als auch im Tätschtobel bei Bern oder beim Tätschgubel in Wald klatscht es klanglich verdächtig: Tätsch! Klingt nach einem groben Handschlag aufs Hinterteil, einem dumpfen Sturz vom Apfelbaum oder einem nassen Klaps. Aber steckt da wirklich rohe Gewalt dahinter?
Kuchen oder Kuhfladen?
Wer sich auf die Fährte des «Tätsch» begibt, landet im wortwilden Gelände des «Schweizerischen Idiotikons». Dort poltert das Wort als dumpfer Schlag, als platt gedrückter Kuchen – oder gar als Spitzname für eine Kuh, die gemächlich über die Wiese zieht und dabei ihre Tätschli hinterlässt. Denn auch der Kuhfladen heisst im Volksmund so. Wer schon mal barfuss über die Alp getanzt ist, kennt das Gefühl, wenn so ein Tätschli zwischen den Zehen zerrinnt.
Der Flurname in Illnau-Effretikon am Tätschweg taucht erstmals 1957 auf der Landkarte auf. Zuvor blieb das Stück Land unbeschriftet – das benachbarte Schömlet existierte bereits. Ob das Wort bis dahin fehlte oder einfach zu ungehörig schien, wird wohl ein Mysterium bleiben müssen.
Tätsch als Fleckchen Erde
Jedenfalls stammt das Wort Tätsch tatsächlich vom Verb tätsche oder tätschen ab – von schlagen oder klopfen. So bedeutet es auch «leichter Klaps» oder «Tätschli». Übertragen auf die Landschaft kann das ein Ort sein, der sich abhebt: eine Wölbung, ein kleiner Hügel, ein «Kopf» im Gelände. In Flurnamen meint es oft genau das: eine markante Erhebung.
Tatsächlich liegt der Tätsch bei Illnau etwas erhöht im Wald. Eine volkstümliche, bildhafte Benennung also – eine Beule im Gelände. Ein schmaler Weg führt sogar zum Tätschfelsen, wo es einen Mini-Wasserfall zu besichtigen gibt.
In manchen Regionen kann «Tätsch» auch auf einen abgegrenzten Teil eines Felds oder Ackers hinweisen – also auf eine Art «Parzelle» oder «Teilstück», die oder das sich vielleicht auch durch die Form oder Lage abhebt.



Der Name dürfte durch die Befragung der lokalen Bevölkerung 1957 in die Karte gewandert sein – typisch für die Nachkriegszeit, als viele Flurnamen erstmals offiziell erfasst wurden.
Ein «Tätsch» auf die Ohren
Bis hierher also alles logisch, oder? Das Wichtigste kommt aber erst: Im Tätsch bei Illnau gibt es nämlich wirklich auch eine Versuchs- und Schulungsanlage für pyrotechnische Zündungen. Hier werden sprengtechnische Tagungen für Polizeifunktionäre organisiert. Hier tätscht es also wortwörtlich.
Und der Tätschgubel in Wald? Das ist kein klangvolles Phantasiedessert à la Gugelhopf oder «Tätschgubel mit Rahm», sondern eine kleine Erhebung – ein Gubel, der sich laut «Idiotikon» herleiten lässt aus Giebel oder Gipfel.
Ob pyrotechnisch oder poetisch: Wer beim «Tätsch» wohnt, lebt auf sprachlich lebendigem Grund. Zwischen Hügel und Fladen, Klang und Klatsch entfaltet sich ein Stück Schweizer Mundartmagie – zwischen Augenzwinkern und vollem Körpereinsatz.