Nach Pfäffikon wollen sie Wetzikon erobern – mit «heiliger» Pizza
Ganz wie die Römer
Die Pizzeria Santa Pizza! aus Pfäffikon ist das Gastronomieangebot im Neubau der ZO Medien AG. Bei der Finanzierung beschreiten die Inhaber einen ungewöhnlichen Weg – und Wetzikon soll erst der Anfang sein.
Wer sich mit Giacomo «Jack» Caruso (48) und Enzo Canelli (49) zum Interview trifft, braucht vor allem eines: viel Geduld. Die beiden sprudeln regelrecht über vor Leidenschaft, wenn sie von ihren Ideen und Vorhaben erzählen. Und sie haben Grosses vor.
Erst vor drei Jahren haben sie zusammen mit Jacks Frau Sybille und zwei weiteren Jugendfreunden ihre erste Pizzeria im Pfäffiker Industriegebiet aufgebaut. Jetzt wollen sie mit ihrer «Santa Pizza!» (zu Deutsch: heilige Pizza) expandieren. «Wir wollen unser Konzept zu einer Kette ausbauen», erklärt CEO Jack Caruso.
Die langfristige Strategie: «Santa Pizza!» soll in jeder grösseren Agglomerationsgemeinde der Deutschschweiz vertreten sein. Zuerst soll es aber nach Wetzikon gehen, in den Neubau der Zürcher Oberland Medien AG an der Rapperswilerstrasse 1.
Näher am ursprünglichen Traum
«Der Standort in Wetzikon soll unser Flagship-Store werden.» Die beiden Endvierziger schwärmen vom neuen Ort. Gleich beim Bahnhof neben der einzigen Unterführung. Die Hoffnung auf viel Laufkundschaft ist gross. Diese fehlt an ihrem Standort in Pfäffikon mitten im Industriegebiet.
Auch von der ursprünglichen Idee, eine Pizzeria in einer Altstadt zu eröffnen, mussten sie in Pfäffikon abweichen. In Wetzikon kommen sie dieser schon näher. Zumindest werden sie am Puls des Lebens sein.

Wie in Pfäffikon in einem Raum schon der Fall, wollen sie die Wetziker Pizzafreunde ebenfalls in der Kulisse einer italienischen Altstadtgasse empfangen. Herzstück des Lokals soll eine gut acht Meter lange Bar werden. Caruso rechnet mit rund 80 Sitzplätzen. Einen zweiten Raum wollen sie für Events nutzen.
Von Tavolata bis Apéro
Mit der Expansion nach Wetzikon sind auch neue Angebote geplant. Im Eventraum können sie sich italienische Tafelrunden vorstellen – bei der Tavolata wird gemeinsam gekocht, gegessen und gequatscht. Und jeweils von 17 bis 18 Uhr soll es die «Häppli Hour» geben.
«In Italien ist das typisch», erklärt Canelli. «Bevor man nach Hause zur Familie geht, kehrt man noch ein. Gönnt sich etwas zu trinken und ein paar Häppchen.»

Für einen Fixpreis, der noch nicht bestimmt ist, gibt es das erste Getränk und Häppchen vom Buffet. Darunter Oliven, Frittata (eine italienische Eierspeise) oder Pizzastücke. Nicht einfach nur italienische Produkte – sondern ein Stück Italien auf dem Teller. Das ist dem Gespann wichtig – vielleicht sogar heilig.
«Unsere Produkte kommen direkt aus Italien. Tomaten aus Kampanien, Fleisch und Wurst aus Kalabrien und Oliven aus Sizilien», so Caruso. Und Bier von kleinen Produzenten – ebenfalls aus Italien. Dabei räumt Canelli gleich einen geläufigen Irrtum aus dem Weg. «In Italien trifft man sich zu ‹pizza e birra›», erklärt der 49-Jährige. Die Pizza wird nicht mit Wein, sondern mit Bier genossen.
Eines aber soll es auch in Wetzikon nicht geben: einen Lieferdienst. Das hat einerseits personelle Gründe, vor allem aber passt es nicht zum Gesamtkonzept der «Santa Pizza!». Hier wird Pizza mit Ambiente verkauft – und für Perfektionist Jack Caruso gehört da auch die richtige Musik zur richtigen Zeit dazu. Natürlich italienisch, aber ohne Ramazzotti-Schnulzen.
Finanzierung über Crowdlending
Eine halbe Million Franken wollen die Macher der «Santa Pizza!» in ihren Ausbau investieren. 300’000 Franken schiessen sie als Eigenkapital ein. Die restlichen 200’000 Franken finanzieren sie über ein sogenanntes Crowdlending, das über die Onlineplattform von Swisspeers mit Sitz in Winterthur organisiert wird.
Beim Crowdlending finanziert, vereinfacht gesagt, eine Vielzahl von Menschen den Kredit. Registrierte Swisspeers-Nutzer sind ab 1000 Franken dabei. Santa Pizza verspricht bei einer Kreditlaufzeit von fünf Jahren einen Zins von bis zu 7 Prozent, wobei die Swisspeers 2,1 Prozent als Gebühr zurückbehält.
Eine ungewöhnliche Finanzierungsform. Caruso und Canelli finden, sie passt zu ihnen. «Unsere Gäste können so direkt in das Lokal investieren, in dem sie auch essen und trinken gehen.» Eine Art der Kundenbindung also, und für Caruso auch Guerilla-Marketing – dabei werden kreative Ideen aufmerksamkeitsstark präsentiert.

Einen PR-Effekt sieht auch Swisspeers-CEO Alwin Meyer für seine Firma. «Wir bringen auf unserer Plattform KMU und Investoren zusammen», erklärt Meyer. In der Regel. Unternehmen wie die «Santa Pizza!» sind aber gleichfalls darauf angewiesen, auf ihr Crowdlending aufmerksam zu machen.
Die Swisspeers ist eine sogenannte Crowdlending-Plattform und richtet sich vor allem an KMU. Die Plattform ermöglicht es den Unternehmen, direkt bei Investoren Fremdkapital zu beschaffen – ohne dass ein Finanzinstitut dazwischen ist.
In der Schweiz gebe es knapp 600'000 KMU, zitiert Swisspeers-CEO Alwin Meyer eine Studie. Jedes Jahr benötigen 90'000 davon eine Finanzierung. 30'000 würden ihr Fremdkapital bei einer Bank beziehen, weitere 60'000 würden zu den sogenannten Entmutigten gehören. «Die trauen sich nicht mal nach Geld zu fragen», so Meyer. Und das, obwohl rund zwei Drittel dieser Entmutigten kreditfähig seien. Diese möchte die Plattform abholen.
Seit der Gründung 2016 habe Swisspeers schon 160 Millionen Franken an rund 700 KMU vermitteln können. In der Regel kämen 70 Prozent der Gelder von Privaten, weitere 30 Prozent von institutionellen Investoren wie Pensionskassen, Stiftungen, Anlagefonds. Die Rückzahlung der Kredite läuft über die Swisspeers. Je nach Grösse des Portfolios belaufen sich die Gebühren für Investoren auf 15 bis 30 Prozent des Zinses.
Eigentlich erstellt Swisspeers ein Rating für Firmen, die Kapital brauchen, und bestimmt so den Zins mit, der auf die Gelder bezahlt wird. Nicht so bei der Pizzeria aus Pfäffikon. Ein Ausnahmefall, sagt Meyer. Nicht der einzige.
Typischerweise seien die kreditnehmenden Firmen fünf Jahre alt oder älter. Die Pizzeria gibt es erst drei Jahre. Das Team habe aber schon bewiesen, dass es ein Geschäft zum Laufen bringen und halten kann.
Vom Stammgast zum Investor
Das fehlende Rating führt dazu, dass die «Santa Pizza!»-Inhaber die Werbetrommel etwas stärker rühren müssen als andere Firmen. Nicht ohne Erfolg. 40 Einzelinvestoren haben innerhalb eines Monats schon über drei Viertel des benötigten Kapitals vorgeschossen. Jetzt fehlen noch die letzten 44’000 Franken.
Unter den Investoren seien einige Stammgäste der Pizzeria, sagt Caruso nicht ohne Stolz. Aber auch Familie und Freunde. Der 48-Jährige glaubt fest daran, dass sie den Gesamtbetrag in den verbleibenden Tagen noch schaffen. «Es wird reichen. Wir wissen noch von offenen Angeboten, die in den nächsten Tagen reinkommen werden.»
Vier der fünf Inhaber sind keine Vollzeit-Gastronomen, aber Geschäftsleute. Jeder arbeitet in der Pizzeria in dem Bereich, der ihm liegt. Pianist Canelli ist beispielsweise für die Unterhaltung zuständig, Jacks Frau und Mitgründerin Sybille macht das Marketing.


Bevor sie den Pizzaofen in Wetzikon pünktlich auf den 1. Februar 2024 einheizen können, braucht es noch den Innenausbau, der im Dezember starten soll. Schreiner und Theatermaler sollen für die perfekte Kulisse sorgen. Dass die Expansion gelingt, sind sie ihren Vorfahren ein bisschen schuldig. Schliesslich haben ihre Eltern die mausarmen Dörfer Süditaliens verlassen, damit es ihre Kinder mal besser haben.