Ein Spaziergang durch die Weinterrassen von Lavaux
Verlagsbeilage «50 Plus – Mitten im Leben»
Die Region Lavaux im Kanton Waadt ist nicht nur für Weinliebhaber ein inspirierendes Ziel. Das UNESCO-Weltkulturerbe lädt neben Besuchen von zahlreichen Weinkellern auch zu wunderschönen Wanderungen ein.
Dieser Beitrag wurde in der Verlagsbeilage «50Plus» veröffentlicht, die am 5. April mit dem «Zürcher Oberländer» und dem «Anzeiger von Uster» erschienen ist.

Die zahlreichen Weinterrassen des Lavaux wurden im zwölften Jahrhundert erbaut und sind bis heute bestens erhalten. Seit 2007 gehört das Gebiet zum UNESCO-Weltkulturerbe. Die Schönheit des Lavaux entstand durch den Rückgang des Rhonegletschers und die Arbeit der Zisterzienser-Mönche, die im zwölften Jahrhundert kilometerweise Steinmauern und Terrassen aufbauten, die von den Weinbauern heute noch gehegt und gepflegt werden. Letztere erzeugen hervorragende Weine, die dank den drei Wärmen reifen: der Sonne tagsüber, der Rückstrahlung des Genfersees und der Wärme, die die Mauern nachts abgeben.
Seit den Anfängen des Tourismus in der Schweiz ist das Lavaux ein besonders beliebtes Reiseziel. Die vielen Wanderwege erfreuen Spaziergänger sowie Feinschmecker. Diverse Wanderwege führen durch das terrassenförmige Weingebiet, das auch als «Schweizer Weinstrasse» bezeichnet wird und als eines der schönsten hierzulande gilt.

Eine der bekanntesten Wanderrouten führt von Saint Saphorin nach Lutry. Das hübsche Winzerdorf Saint Saphorin liegt direkt am Genfersee und am Fusse des Mont Pélerin, eingebettet in Lavaux’ Weinberge. Der ausgeschilderte Wanderweg führt ab Saint Saphorins Bahnhof im stetigen Auf und Ab durch die imponierenden Weinterrassen und viele weitere, zauberhafte Winzerdörfer.
Saint Saphorin ist vom Zürcher Hauptbahnhof aus, mit den öffentlichen Verkehrsmitteln, gut zu erreichen. Nachdem man in Lausanne umgestiegen ist, fährt man direkt nach Vevey und nimmt dann den Zug nach Saint Saphorin. Und diese letzte Fahrt, direkt in das kleine Winzerdörfchen, ist wunderbar spektakulär und eigentlich von viel zu kurzer Dauer: Nur drei Minuten nachdem man in Vevey in den Zug gestiegen ist, verlässt man diesen auch schon wieder. Doch diese drei Minuten haben es in sich. Denn der atemberaubende Blick auf die Weinterrassen lässt bereits erahnen, welch einzigartige Schönheit auf einen zukommt.
Im Dorfkern von Saint Saphorin steht ein Kirchturm, der seit vielen Jahrhunderten auf zahlreichen Weinetiketten abgedruckt wird. Wenige Schritte weiter befindet sich das Gasthaus «Auberge de l´Onde». Die Gourmet-Brasserie verwöhnt seine Gäste seit sieben Jahrhunderten mit einer Vielfalt an regionalen Weinen und kulinarischen Köstlichkeiten. Doch auf der Wanderung durch die «Schweizer Weinstrassen» kann man sich das erste Glas Wein auch erst einmal verdienen.
Die kleinste Gemeinde der Schweiz
Vom mittelalterlich geprägten Saint Saphorin beginnt der Weg durch die Weinterrassen nach Rivaz, der kleinsten Gemeinde der Schweiz. Ein schmaler Weg schlängelt sich entlang des Flusses Forestay, der rund sechseinhalb Kilometer weit durch das Lavaux fliesst, und in die Gemeinde Rivaz führt. Das Winzerdorf zeigt sich den Ankommenden von seiner charmantesten Seite. Sofort ziehen einen die hübsch dekorierten Häuser und farbenfrohen Vorgärten in ihren Bann.
Auf dem Weg durch Rivaz passiert man die Vinothek Vinorama, in der es mehr als 300 Weine aus dem Lavaux zur Verkostung gibt. Eine Degustationsstätte, die nicht zu verfehlen ist, denn das «Vinorama» wurde komplett in die Landschaft integriert. Die mit goldenen Reben verzierte Fassade weist darauf hin, dass sich hier alles um das rubinrote Genuss-Getränk - den Wein - dreht.

Zurück in den Weinterrassen erreicht man nach einem leichten Anstieg einen Aussichtspunkt mitten in den Weinreben und erblickt ein atemberaubendes Panorama. Zeigt sich das Wetter von seiner besten Seite, wirkt es fast so, als ob der Genfersee und der Himmel miteinander verschmelzen würden. Dreht man sich einmal um die eigene Achse, blickt man hoch zu den malerischen Weinreben. Manche davon befinden sich in schwindelerregender Höhe.
Unterwegs zum nächsten Winzerdorf namens Epesses durchquert man das Weingebiet auf teils asphaltierten Strassen. Der Blick auf den Genfersee und die Alpen bleibt einem permanent erhalten und verzaubert zu jeder Jahreszeit. Entlang der Strecke kommt man immer wieder an Weinkellern vorbei, die zur Verkostung von auserlesenen Weinen einladen.
Die Heimat der «Chasselas»
Im malerischen Dorf Epesses empfiehlt es sich, einen Stopp in «Le Verre Gourmand» einzulegen. Die Weinbar, die auch ausserhalb der Saison regionale Weine und lokale Produkte anbietet, ist der ideale Zwischenhalt, um mehr über die Vielfalt der Weinkultur zu erfahren.
Spätestens hier lernt man, dass die «Chasselas» die typische Rebsorte der Region Lavaux ist und beinahe drei Viertel des gesamten Weingebiets einnimmt. Aus dieser weissen Traubensorte werden trockene, für eine Apéro sehr angenehme Weissweine produziert.
Neben der «Chasselas» verfügt das UNESCO-Weltkulturerbe noch um dreissig weitere Rebsorten, darunter Weissweinspezialitäten wie der Gewürztraminer oder der Pinot Gris sowie natürlich auch einige Rotweinspezialitäten. Ein Glas des Chasselas-Weissweins namens «2020 Epesses Grand Cru Lavaux» genügt, um den restlichen hügeligen Weg zum nächsten Ort namens Cully spielend zu bewältigen.
Das Winzerdorf Cully
Leicht bergab wandernd, erreicht man nach einer kurzen Weile das Winzerdörfchen Cully. Auch diese Gemeinde ist von zahlreichen terrassenförmigen Weinbergen umgeben und versprüht durch die alten Winzerhäuser und die schmalen Gassen einen mittelalterlichen Charme. Mittendrin ragt der «Brunnen der Gerechtigkeit», der im Jahr 1643 mit seinem achteckigen Brunnenbecken und einer Statue erbaut wurde, empor.
Der Spaziergang durch den historischen Stadtkern führt zum Genfersee, vorbei an vielen kleinen Läden, und einer Kunstgalerie. Am Seeufer bietet der Parc Cully einen hinreissenden Blick auf die Weinberge und die Alpen. Ein idealer Ort für eine kleine Pause zwischendurch und um die Schönheit des Lavaux zu würdigen. Obschon die Nähe zum Wasser einen Hauch Sommergefühle verleiht und zum Verweilen einlädt, geht es nach kurzer Zeit und schon allein der Aussicht wegen wieder hoch zu den Weinterrassen.

Nach Cully sind die Steigungen der Wein-Wanderroute, im Gegensatz zum Anfang des Weges, etwas intensiver, dennoch benötigt man nur ein Minimum an Kondition, um sie zu meistern. Kurz vor dem Zielort Lutry begegnet man dem «Terrasse des Echelettes» - einem Café, das eine wunderbare Aussicht über die Weinterrassen von Lavaux, dem Genfersee und in die Alpen bietet.
Auf dieser letzten Etappe sieht man immer wieder Menschen in den Weinreben, wie sie die Rebstöcke schneiden, biegen und binden, um die Entwicklung der Knospen zu fördern. Dabei transportieren sie die abgeschnittenen Äste mit einem kleinen Wagen den steilen Hang hinab.
Mediterrane Stimmung zum Abschluss
Falls man nach der Wanderung noch Zeit hat, ist ein Stadtbummel durch die Gassen des Städtchens Lutry sehr lohnenswert. Der Stadtkern mit seinen schmalen Gassen und Steinhäusern, der zwischen dem 15. und dem 18. Jahrhundert erbaut wurde, steht heute unter Denkmalschutz.
An der Uferpromenade herrscht dank der mediterranen Atmosphäre zu jeder Jahreszeit Urlaubsstimmung. Und die unzähligen Cafés und Bars entlang der Promenade machen mit ihrer einladenden Wirkung den Abschied nicht leichter.
Bevor es von Lutry aus wieder nach Hause geht, bietet das am Genfersee gelegene Lokal Café de la Poste einen letzten traumhaften Blick auf das UNESCO-Weltkulturerbe Lavaux. Ein weiteres Glas «Chasselas» rundet den idyllischen Ausflug auf eine stimmungsvolle Weise ab.

An- und Abreise: Zürich HB – Lausanne – Vevey – Saint Saphorin / Lutry – Lausanne – Zürich HB
Route: St. Saporin --Rivaz- Epesses- Cully- - Lutry
Schwierigkeit: T1 – leicht
Dauer: 3,5 Stunden (reine Gehzeit)
Distanz: 11.3 km
Saison: Geeignet von Januar bis Dezember
Höhenmeter: 400 Meter An- und Abstieg
Tipp: Entlang der Strecke findet man in der Hochsaison einige Essensmöglichkeiten. In der Nebensaison ist es von Vorteil, wenn man sich im Voraus über die Öffnungszeiten der Restaurants und Weingüter informiert.
Lavaux-Express: Von April bis Oktober fährt ein kleiner Zug namens «Lavaux Express» durch die Weinterrassen des Lavaux’. Die Zugfahrten beinhalten verschiedene Routen und lassen sich auch mit Weinproben oder Wanderungen kombinieren.