Mercee zeigt bei SRF-Projekt, wieso Frauen in der Hip-Hop-Szene Fuss fassen
Lange dominierten Männer die Hip-Hop-Welt. Doch auch in der Schweiz wendet sich langsam das Blatt. Und mit dabei ist Mercee, die mit bürgerlichem Namen Alessia Buttolo heisst. Die Sängerin, die in Wila und Wetzikon aufgewachsen ist, war kürzlich Teil der Dokuserie «Enter the Circle» von SRF-Virus.
In acht Teilen setzt sich Moderatorin Sirah Nying mit der aktuellen «Female Wave», der weiblichen Welle, in der deutschsprachigen Rap-Landschaft auseinander. Der Höhepunkt des Projekts: ein «Female Cypher», bei dem auch Mercee mitmacht.
Cypher ist ein Begriff aus dem Hip-Hop-Jargon: «Ein Cypher ist eine Plattform, bei der verschiedene Stile und Persönlichkeiten aufeinandertreffen», erklärt die Sängerin. «Man rappt oder singt meistens Freestyle auf einen Beat und versucht, sich mit Punchlines (schlagkräftige, humorvolle Textzeilen, Anm. der Redaktion) und Wortspielen auszudrücken.»
Ab ins Studio
Mercee ist mit Moderatorin Sirah Nying befreundet. «Ich habe deshalb schon früh von diesem Projekt erfahren», sagt sie. Deshalb habe sie habe sie sich sehr gefreut, als die Anfrage kam, bei diesem Projekt selber mitzuwirken. «Ich habe direkt zugesagt.»
Mercee über ihre Aufnahme für den «All Female Cypher». Quelle: Youtube/SRF Virus
Und so durfte sie zusammen mit den Schweizer Rapperinnen Cachita, ZZ Amparo, Gigi, Badnaiy, Hecca und KT Gorique ins Studio. Produziert wurde der «All Female Cypher Schweiz» von der Deutschen Produzentin und Rapperin Mariybu.
Zu einer Gruppe
Bei der Auswahl der Künstlerinnen achteten die Verantwortlichen darauf, dass Rapperinnen mit unterschiedlichen Hintergründen, Stilen und Sprachen vertreten sind. «Es ist ein Zeichen an die Musikbranche, dass es sehr viele talentierte Musikerinnen gibt, die darauf warten, eine Plattform zu bekommen», meint Mercee.
Die Stimmung sei einzigartig gewesen: «Mit Frauen hast du das Gefühl, du gehörst zu einer Gruppe.»
Mit dem Groove gehen
Mercee rappt im Cypher auf Englisch und Spanisch. «Ich habe es bewusst zweisprachig gemacht, um meine Persönlichkeit und meine eigene Note einzubringen», betont die Tochter einer Kubanerin. «In meinem Teil geht es darum, unabhängig zu sein und nicht auf sein Aussehen reduziert zu werden.»
«Ich liebe es, mit den Produzenten vor Ort Dinge hinzuzufügen. »
Mercee, Musikerin
Viel vorbereitet hat sie nicht für den Auftritt bei SRF. «Mein Part ist spontan entstanden. Das Meiste habe ich am Tag der Aufnahme geschrieben», sagt sie. Die Stimmung im Studio habe dabei grossen Einfluss.
«Ich liebe es, mit den Produzenten vor Ort Dinge hinzuzufügen und mit dem Groove zu gehen, der entsteht.» Nach den Aufnahmen im Studio wurde auch noch ein Musik-Video für das SRF-Projekt gedreht.
Mercees Teil im Musikvideo. Quelle: Youtube/SRF Virus
Mercee ist überzeugt, dass Frauen in der Schweizer Hip-Hop-Szene immer wichtiger würden. «Die Female Wave ist zu hundert Prozent am Kommen», meint sie. Es gebe so viele neue, aufstrebende Künstlerinnen. «Und das ist auch gut so. Es ist Zeit, dass sich das Blatt wendet.»
«Best Talent» als Sprungbrett
Es sei wichtig, dass mehr Frauen eine Plattform bekämen, an Festivals spielen könnten oder in grosse Playlists aufgenommen würden. «Und für das müssen wir ein Zeichen setzen.»
Mercee ist schon länger Teil dieser Bewegung. 2019 gab die Künstlerin ihr erstes kurzes Album – eine sogenannte Extended Play (EP) – heraus. Damals mit nur englischen Liedern.
«Dieses Jahr möchte ich weitere Lieder veröffentlichen. »
Mercee
Im August 2020, nachdem sie bereits ihre zweite EP mit spanischen Stücken veröffentlicht hatte, erhielt sie als «SRF 3 Best Talent» die Möglichkeit, sich der breiten Öffentlichkeit zu präsentieren.
Inspiration, Studio, Konzerte
Durch diese Auszeichnung konnte die Sängerin weitere Kontakte knüpfen. Pläne für die nahe Zukunft hat sich noch einige.
«Dieses Jahr möchte ich weitere Lieder veröffentlichen, an denen ich seit einiger Zeit mit meinem Produzenten Vasco Bachmann arbeite.» Ebenfalls werde eine EP, fokussiert auf weitere spanische Lieder, erscheinen.
«Am meisten freue ich mich auf neue Inspiration, die Zeit im Studio und Konzerte», betont Mercee. Und das wichtigste bleibe dabei: «Einfach Spass zu haben.»
