Jagdausbildungen sind wieder populär
Es interessieren sich wieder mehr junge Menschen für die Jagdausbildung. Die sogenannten «Jungjäger» werden immer mehr, obwohl auch sie den Abgang der zurücktretenden Jäger noch nicht zu kompensieren vermögen. Dies bestätigt auch der Jagdobmann des Zürcher Oberlands Simon Meier: «Es ist definitiv ein Trend zu erkennen, besonders bei jüngeren Menschen wie auch bei Frauen, die sich vermehrt für das Handwerk der Jagd interessieren.»
Die Jagd bezeichne man explizit als ein Handwerk und nicht nur als theoretischen Wissensbereich. Kein einfaches Handwerk, wie Meier betont: «Für die Jägerprüfung wird ein sehr hohes Fachwissen und eine Affinität zur Praxis verlangt.» Allein der Umgang mit der Waffe sei eine Hürde, die es erst zu meistern gelte. Meier ergänzt: «Mir bestätigen Jungjäger immer wieder, dass die Jagdausbildung nach der Lehrabschlussprüfung oder dem Studium etwas vom zeitintensivsten sei, was sie je zu meistern gehabt hätten.»
Auch spiele dabei der persönliche Hintergrund oftmals eine Rolle und entscheide darüber, ob einem die Ausbildung leichter oder schwerer falle. «Wer sich im Leben noch nie mit den Bereichen Biologie, Naturkunde, Waffenkunde oder mit Gesetzen beschäftigt hat, der wird zu Beginn schon einmal vor Tatsachen gestellt.» Der Weg zur Jägerprüfung oder wie in anderen Kantonen zum sogenannten Jagdpatent sei ein langer und anspruchsvoller Weg.
«Wer sich im Leben noch nie mit den Bereichen Biologie, Naturkunde, Waffenkunde oder mit Gesetzen beschäftigt hat, der wird zu Beginn schon einmal vor Tatsachen gestellt.»
Simon Meier, Jagdobmann Bezirk Oberland
Drei Jahre Ausbildung
Jeder Kanton hat seine eigenen Jagdgesetze und somit eine eigene Jagdprüfung. Im Kanton Zürich dauert diese zirka drei Jahre. Eine solche beinhaltet zuerst einen theoretischen Teil. Hinzu kommen die Waffenhandhabung und das Schiesswesen. «Für jeden Teil gibt es Kurse und Prüfungen», sagt Meier. Danach müsse man als Jungjäger zwei Jahre lang als Lehrling unterwegs sein und lerne das Jagdhandwerk in Begleitung erfahrener Jäger.
«Wie auch sonst bei vielen Dingen im Leben ist die Jagd deutlich umfangreicher als die Theorie», so Meier. Nach den zwei Jahren als Lehrling kann man sich dann zur schlussendlichen, praktischen Jägerprüfung anmelden. Erst wenn diese bestanden ist, kann man Pächter in einem Jagdrevier werden.
Gymnasium und Jagd
Mit dem «Jagdvirus» wie er es selbst nennt, wurde auch der 18-jährige Schüler Patrick Kemke angesteckt, wobei er kein wirklicher Quereinsteiger ist und schon durch seine Familie einen Hang zur Leidenschaft für die Jagd mit auf den Weg bekam. Somit hat er was die Ausbildung zum Jäger betrifft auch einen kleinen Vorteil: «Durch meine Verbundenheit zur Jagd und den schon vorhandenen Kontakten habe ich gegenüber anderen Anwärtern einen kleinen Vorsprung.
Dennoch handelt es ich um sehr viel Stoff», sagt Kemke. Zudem betont er: «Man hat nach den schwierigen Prüfungen in den verschiedensten Fächern erst die Grundlagen für die Jagd erlangt. Eigentlich beginnt dann das Lernen erst und auch ein passionierter Jäger hat nie ausgelernt.»
Patrick Kemke befindet sich zurzeit im letzten Schuljahr vor der Matura und findet trotzdem Zeit, den umfangreichen Lernstoff für die Jägerprüfung zu bewältigen: «Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Ich glaube, dass sich der mit der Jagd verbundene Zeitaufwand definitiv lohnt und mir den nötigen Ausgleich verschafft.»
Der tatsächliche Auslöser dafür Jäger zu werden, sei aber nicht seine Familie, sondern seine Naturverbundenheit gewesen. «Die Naturverbundenheit war bei mir der Auslöser zur Begeisterung für die Jagd. Seien es die Jungfuchsbeobachtungen am Fuchsbau in frühester Jugend mit meinem Grossvater oder die Mithilfe bei den vielerlei Arbeiten im Revier gewesen.»
Kemke hat mittlerweile auch schon sein eigenes Jagdrevier in Pfäffikon «Pfaffberg», wo er in der Praxis von Pächtern und dem Obmann des Reviers unterstützt wird.
Erlegte Tiere sind selten
Für Kemke ist die Jagd nicht nur dann erfolgreich, wenn er ein Tier erlegt hat. «Die Jagd endet in den seltensten Fällen mit einem erlegten Tier und dessen korrekten Verarbeitung. Das bedeutet für uns Jäger jedoch nicht, dass es ein Misserfolg war, denn es gibt für uns nichts Schöneres als in der Dämmerung die Natur, still wie sie ist, auf sich wirken zu lassen.»
«Man nutzt eine natürliche Ressource und weiss, woher das Fleisch in der Pfanne kommt.»
Patrick Kemke, Jungjäger
Selbsterlegt schmeckt besser
Was die erlegten Tiere betrifft, so spricht Patrick Kemke auch von seinem Umfang mit Fleisch: «Man nutzt eine natürliche Ressource und weiss, woher das Fleisch in der Pfanne kommt.» Es sei stets etwas Besonderes, selbsterlegtes Wild zu essen.
«Man weiss, dass das Tier ein gutes Leben gehabt hat – keine Hormone, keine Medikamente und keine grässlichen Tiertransporte, die einem auf irgendeine Weise belasten könnten.» Wild sei ein durch und durch gesundes Lebensmittel. Einen Grossteil der erlegten Tiere gibt Kemke jedoch an lokale Metzger weiter. «Die Nachfrage für Bio-Fleisch ist nach wie vor riesig.»
«Jagen heisst nicht nur Verantwortung gegenüber der Gesellschaft und der Kreatur zu tragen, sondern unsere Natur im Verbund von Landschaft, Jahreszeit, Witterung und wildlebenden Tieren besonders intensiv zu erleben», schreibt die Fischerei- und Jagdverwaltung des Kantons Zürich auf ihrer Homepage. Im Kanton Zürich darf exklusiv nur in einem zugeteilten Jagdgebiet gejagt werden. In anderen Kantonen, wie zum Beispiel im Kanton Schwyz, darf man nach einem erlangten Jagdpatent während des Herbstes überall jagen. Im Kanton Zürich hatten sich für den Jagd Kurs 20/21 68 Teilnehmende angemeldet. Nicht alle haben in der Folge auch die Prüfung absolviert und auch bestanden. Für den Kurs 21/22 haben sich im Kanton Zürich 46 Teilnehmende angemeldet, wie Samuel Ramseyer, Leiter Kommunikation von Jagd Zürich, mitteilt.
