Ustermer Kanal 8610 ist neu auf Züriost zu hören
«Es war im April 2015 – in jenem Jahr wurde ich 64 – auf dem Heimweg von Winterthur. Da schoss es mir plötzlich durch den Kopf: Stärneföifi, Uster ist die drittgrösste Stadt im Kanton Zürich und hat kein Radio – das braucht jetzt eins.» So beschreibt Erich Ed. Müller die Geburtsstunde von Kanal 8610 – jenem Sender, der die Postleitzahl der drittgrössten Zürcher Stadt in seinem Namen trägt.
Noch aus dem Zug rief er seine Frau Elisabeth an, um ihr mitzuteilen, dass er nun ein Radio gründen werde. «Ich dachte, sie würde denken, der hat eine Meise – doch das Gegenteil war der Fall. Sie war begeistert.» Mit einer Vorlaufzeit von nur drei Monaten ging das Webradio am 1. August 2015 auf Sendung.
Und das von einem Mann, der keine Ahnung vom Radiomachen hatte. «Dazu kam noch ein zweites Handicap. Ich hatte bisher nur klassische Musik gehört. Bei Popmusik kenne ich mich nicht aus. Das ist noch heute so.» Daher übernimmt auch der Computer die Musikauswahl.
Alles selbst beigebracht
«Learning by doing» umschreibt Müller seine Vorgehensweise. Immerhin konnte er gleich zum Start ein erstes Erfolgserlebnis verzeichnen. Damals wurde die 1.-August-Rede wegen starken Regens in die Landihalle verlegt. Um 14 Uhr konnte Müller die aufgezeichnete Rede «von diesem Trybol-Männchen, dem Minder», über den Sender. Zwei Stunden, bevor auf dem Onlineportal der Zürcher Oberland Medien AG der Bericht aufgeschaltet wurde.
Das wird jetzt nicht mehr geschehen können. Zum einen findet dieses Jahr in Uster wie in den meisten anderen Orten keine Bundesfeier statt, zum anderen wird Kanal 8610 just zum fünfjährigen Bestehen neu auch auf Züriost, dem Onlineportal der ZO Medien AG, zu hören sein (siehe Box).
Im Netz und auf Kabel
Dieser Schritt bedeutet für Müller einen weiteren Reichweitenausbau. Ursprünglich war sein Radio nur über Computer, Tablet oder Handy zu empfangen. Rund dreieinhalb Jahre nach dem Start als Internetradio wurde Kanal 8610 auch auf Swisscom-TV aufgeschaltet. Damit war es auf einen Schlag in rund 1,5 Millionen Haushalten in der ganzen Schweiz empfangbar.
Müller schätzte damals, dass sich seine rund 5000 täglichen Hörer verdreifachen könnten. Überprüfen lässt sich das nicht, da die Erhebung der Hörerzahlen sehr teuer ist. Und das wollte und konnte Müller nicht aus dem eigenen Sack zahlen. Heute kann Müllers Kanal nach eigenen Angaben in rund 70 Prozent der Schweizer Haushalte empfangen werden. Er rechnet mit mehr als einer Million Hörern pro Jahr.
Der Text von ihm, das Bild von ihr
Zwar war das Radiomachen für Müller damals Neuland. Aber journalistische Erfahrung hatte er durchaus. Zuerst wirkte er als Korrespondent des Jugendhauses Schlieren. Dann schrieb er in jungen Jahren für verschiedene Zürcher Quartierblätter als freier Mitarbeiter. «Meine Frau, mit der ich seit 48 Jahren verheiratet bin, fotografierte, während ich schrieb.»
Auch heute arbeiten die beiden gemeinsam an ihrem Produkt. Während Müller die Moderation übernimmt – dank seinem tiefen, sonoren Bass die ideale Besetzung -, widmet sich Elisabeth Müller der Administration und dem Marketing, ist aber auch mit einer eigenen Sendung am Radio zu hören. «Begegnungen» heisst die, hat ein Gespräch mit interessanten Leuten zum Inhalt und ist die Lieblingssendung ihres Mannes.
«Fürs Radio hat mich mein Mann nicht gleich infiziert. Ich fand es eine gute Idee. Aber ich betreute die Ustermer Galerie Gleis 2. Dort hörte ich allerdings dann auf, um meinen Mann zu unterstützen. Schliesslich konnte ich ihn nicht alleine schwimmen lassen», erklärt Elisabeth Müller.
Bei den Wurzeln geblieben
Kanal 8610 ist trotz mehreren Ausbauschritten in den letzten fünf Jahren aber stets seinen Wurzeln treu geblieben: einem selbst gemachten Radio, das ungeschminkt, handglismet daher kommt und vor allem von Müller lebt – auch aus dem Portemonnaie des pensionierten Paares. Denn Werbung gibt es praktisch keine. Eine nichtkommerzielle Radiostation eben.
Gegen den Begriff «Hobby» verwahrt sich Müller, denn schliesslich bedeutet sein Job Arbeit. Jeden Wochentag sitzt er sieben Stunden am Mikrofon oder am Computer. Nur an den Wochenenden hat er sich frei gegeben, und vielleicht mal 14 Tage pro Jahr, wenn die Müllers in die Ferien gehen. Doch auch dann ist immer das Mikrofon dabei. Man weiss ja nie…
Aus dem Enkelzimmer
«S’Radio vo dihei» lautet der Slogan. Und das stimmt im Fall der Müllers auch. Zunächst war er eine Weile lang mit dem Studio auswärts im Media Center Uster einquartiert. Doch seit bald vier Jahren wird aus der Müllerschen Wohnung in Niederuster gesendet.
Das Enkelzimmer wurde zum Studio umfunktioniert. Von dort wächst es sich aus bis in die Stube und sogar in Elisabeth Müllers Arbeitszimmer. Diese Nähe hat auch grosse Vorteile. So kann Erich Müller gleich nach dem Aufstehen um 5.45 Uhr schon mit der Vorbereitung der Sendung beginnen.
Player « Kanal 8610 » auf Züriost
Fünf Jahre nach seinem Start ist das Ustermer Radio «Kanal 8610» auch auf Züriost zu empfangen. Mit der Zusammenarbeit mit der Zürcher Oberland Medien AG soll der Bekanntheitsgrad des Senders in der Region noch gesteigert werden.
Der Sender kann neu in der Menüleiste gefunden werden. Neben dem «E-Paper» ist der Knopf «Radio» platziert. Wird er angeklickt, geht in einem Popup-Fenster der Player auf – und Kanal 8610 läuft.
Unter der Woche beinhaltet das Tagesprogramm drei Sendungen, die von Erich Ed. Müller moderiert werden. Von 9 bis 12 Uhr heisst es «Munter in den Tag». Nach einer Mittagspause folgt von 14 bis 16 Uhr «Frisch unterwegs». Und von 17 bis 19 Uhr schliesslich läuft die Abendsendung «Feierabend».
Zum aktuellen Programm gehört die Sendung «Lesefieber». Mit «For The Love Of Music» ist Gino Barille – auf englisch – zu hören. In «Begegnungen» spricht Elisabeth Müller mit Leuten aus der Region. Und auf «Radioreise» nimmt Alexander Tauscher jeweils die Hörer mit. Ausserhalb des Tagesprogramms und an den Wochenenden gibt es auf Kanal 8610 nonstop Musik.
Am 1. August gibt es aus Anlass des fünfjährigen Bestehens eine Sondersendung. Unter anderem werden frühere Sendungen mit Sandro Pianzola wiederholt. Um 20 Uhr folgt dann Gino Barille mit seiner aktuellen Musiksendung.
