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Aus dem Schutt empor zu Spitz und Kreuz

In Coronazeiten ist es in der gewohnten Umgebung doch am schönsten. In einer Serie werden sieben Routen in der Region mit ihren Höhepunkten vorgestellt. Den Auftakt macht die Goldinger Rundwanderung über den Tweralpspitz und zum Limonadenhüttli auf der Chrüzegg.

Im Berggasthaus Chrüzegg bietet sich die nächste Gelegenheit für eine Erfrischung., Kühe, Berge: Was will man mehr. Hier eine Weide beim Tweralpspitz., Ausgangspunkt der Wanderung ist der Parkplatz bei der Talstation Atzmännig., Der Hinweis auf einen Felssturz vor über 200 Jahren erklärt den Namen Schutt., Statt auf Skiern hinunter geht es in Wanderschuhen über die Brustenegg hinauf zum Oberatzmännig., Kratzbürsten mitten im Wald: Hier für einmal für Mensch statt Tier., Im Aufstieg zum Oberatzmännig bietet sich eine tolle Aussicht auf den Zürichsee., Nichts für Ängstliche: In der Schlotterschlucht wartet eine Spinne auf ihre Opfer., Nach dem einstündigen Aufstieg ist es Zeit für eine kurze Pause im Restaurant Harz., Beim Hinteren Rotstein die Entscheidung: rauf auf den Höhepunkt Tweralpspitz oder 20 Minuten Abkürzung., Auf dem Weg zum Gipfel gab es auch schon Tote., Das Drehkreuz ist die beliebteste Schliessvorrichtung zu den Weiden., Vom 1332 Meter hohen Tweralpspitz bietet sich eine tolle Rundsicht., Kinder erklimmen den Spitz., Den Wanderern präsentiert sich eine Blumenpracht., Hinunter zur Obertweralp., Auf der Chrüzegg weist ein Tafelbaum auf unzählige Routen., Auf dem rund einstündigen Abstieg von der Chrützegg kann ein schöner Blick auf den Atzmännig genossen werden., Wer nach der Wanderung noch mag, kann sich im Freizeitpark vergnügen.

Christian Brändli

Aus dem Schutt empor zu Spitz und Kreuz

Tag 1 der Zürcher Sommerferien: Das Wetter stimmt und die gewählte Route verspricht einige Ausblicke zum Glarnerland und ins Appenzellische. Der Parkplatz im Atzmännig ist an diesem Montag kurz vor 10 Uhr erst zu einem kleinen Teil belegt. Dreineinhalb Stunden Wanderzeit und je gut 600 Höhenmeter rauf und runter sind für die Strecke veranschlagt.

Die Rundtour Atzmännig-Tweralpspitz-Chrüzegg-Atzmännig ist 9,3 Kilometer lang und geht 603 Höhenmeter hinauf sowie 614 hinunter. Die reine Wanderzeit beträgt dreieinhalb Stunden. Der Ausgangspunkt Atzmännig Talstation ist gut mit dem Auto und Postauto zu erreichen.  

Beim Einstieg in den Aufstieg wird klar, warum die Talstation der Sesselbahn eigentlich Schutt heisst. An einer Scheunenwand klärt eine Tafel auf, dass hier 1816 ein grosser Bergsturz niederging, der auch mehrere Todesopfer forderte. Doch statt Gerölldonner  liegt jetzt Vogelgezwitscher in der Luft, und ein steiler Anstieg durch den Wald vor uns.

Der erste Teil der Wanderung bis hinauf zum Bergrestaurant Harz folgt dem Erlebnisweg des Lokalmatadors Frechspatz Männi. Er ist zusammen mit dem Kinderliedmacher Andrew Bond entstanden. Schon nach kurzem Weg leuchten gelbe Riesenbürsten zwischen den Bäumen. Und bald darauf folgt ein heidnisch anmutender Platz. Mehrere Sitze sind halbkreisförmig angeordnet und in der Mitte findet sich die Stelle für den künftigen König. Der Pfad für Königsmacher führt an weiteren Aufgaben vorbei, die auch für Erwachsene unterhaltend sind – nicht zuletzt der Eintritt in die Schlotterschlucht, wo einst der halbe Berg erbebte. 

Vorerst aber kommen andere Gefühle auf. Wo es im Winter mit wenigen Schwüngen jeweils talwärts geht, heisst es jetzt, in vielen Schritten bergan zu schreiten. Definitiv deutlich anstrengender. Wer sich die Mühe des Aufstiegs auf den Oberatzmännig ersparen will, lässt sich von der Sesselbahn bequem auf den Berg tragen. Das bedeutet weniger Schweiss und eine Zeitersparnis von rund einer Stunde.

Noch sind wenige Wanderer unterwegs. Und wir stehen oben angekommen vor der Entscheidung, ob wir am Bergrestaurant Harz vorbeiziehen oder uns doch eine kurze Pause gönnen. Die Richtung ist aber schnell bestimmt: Auf der Terrasse gibt es nicht nur viel Platz, sondern von dort bietet sich eine tolle Aussicht auf die Linthebene und den Obersee hinunter.

Ansturm zum Ferienauftakt

«Das habe ich noch nie erlebt», begrüsst uns die Harz-Wirtin. Am Tag zuvor, dem schönen Sonntag, habe es einen gewaltigen Ansturm gegeben. Alles war besetzt bis auf den letzten Platz. «Ein derartiger Auflauf ist aussergewöhnlich, selbst in Ferienzeiten.» Dabei sei es schon die ganze vergangene Woche immer voll gewesen. Was ihr aufgefallen ist, sind die vielen fremden Sprachen dort oben. Türkisch, Serbisch oder auch Italienisch. Auch unten im Tal haben sie festgestellt, dass coronabedingt viele in der Region wohnende Ausländer dieses Jahr auf ihre Ferien im Heimatland verzichten und sich stattdessen hier vergnügen.

Während eben eine Gruppe Iraner am Nebentisch Platz nimmt, ziehen wir weiter hinauf stets auf dem Grat über die Schwammegg zum Hinteren Rotstein. Wer will, kann sich hier laufend weiterbilden: Nicht mehr Männis Königspfad, aber der Geoweg bietet an diversen Tafeln Gelegenheit dazu.

Höhepunkt oder Abkürzung

Beim Hinteren Rotstein haben es jene, die es sich leichter machen wollen, eine gute Ausrede. Aus Sicherheitsgründen – immerhin prangt da gut sichtbar eine Schiesstafel – können sie statt auf um den Tweralpspitz gehen und sich damit 20 Minuten Wanderzeit sparen. Das geht für uns aber nicht. Zum einen besteht keine Schiessgefahr, denn auch das Militär, das hin und wieder unten im Cholloch übt, scheint in den Ferien zu sein. Zum anderen  wollen wir uns die in Aussicht gestellte Fernsicht  von dort oben nicht entgehen lassen.   

Bis nach einer weiteren Stunde der Höhepunkt der Tour auf 1332 Metern über Meer erreicht ist, gilt es allerdings noch einen stutzigen Aufstieg und Kühe, die einem das Salz vom Leib lecken wollen, hinter sich zu bringen. Oben angekommen gibt es trotz aufgezogener Wolken ein gewaltiges Panorama bis an den Bodensee und einen farbenprächtigen Bergfrühling mit einer grossen Blumenpracht. Schwalben gleiten über die Köpfe und Weiden – und eine grosse Gruppe von Pfadfindern scheint ihren Weg zu finden.

Eigener Alpkäse und Mineralwasser 

Eine knappe halbe Stunde später ist das Bergrestaurant Chrüzegg erreicht. Vor einigen Jahren hat Wirt Robert Manser hier ein komplett neues Haus errichten lassen. Das alte Gebäude vermochte den Ansprüchen nicht mehr zu genügen. Zudem senkte es sich talwärts ab. Auf diesen Sommer hin hat Manser auch das vormalige Massenlager umgebaut. Dafür gibt es nun für Familien und kleine Gruppen mehrere Zimmer.

Der Chrüzegg-Wirt spürt den Drang ins Freie in Coronazeiten: «Wir haben mehr Tagestouristen als sonst. Für gewöhnlich sind die ersten Ferienwochen eher flau.» Unter der Woche verzeichnet er mehr Übernachtungen. Nur mit Familienfeiern hapert es noch. «Die Leute, gerade die Älteren, haben Respekt vor Corona.»

Das eigene Sprudelwasser aus dem Ufo

16.07.2020

Alles von Hand auf der Chrüzegg ob Atzmännig

Auf der Chrüzegg wird nicht nur der Käse, sondern auch Sprudelwasser und Limonade selbst hergeste Beitrag in Merkliste speichern Auf der Chrüzegg gibt es nicht nur selbst hergestellten Alpkäse – rund 1800 Kilo sind es pro Jahr –  und im Limonadenhüttli Mineralwasser aus der eigenen Quelle, sondern auch eine atemberaubende Rundsicht: vorne bis weit über das Goldingertal zum Zürichsee, rechts auf die Gipfel des Tössberglandes, nach hinten bis hinauf zum Bodensee und links auf den Säntis und die Churfirsten.  

Steiler Abstieg über originelle Gebiete

Nach einer ausgiebigen Pause steht der rund einstündige Abstieg an –  und nochmals einige originelle Geländenamen: Chabis etwa und Oberchamm, von wo es ziemlich steil nach Enkrinnen hinunter geht. Beim Bach hören die Knie zu schlottern auf, nur der Hund, der frei über die Wiese rennt, will seinem in Latschen wandernden Frauchen noch immer nicht gehorchen.

Vorbei am Campingplatz und den Bahnen, Trampolins und Klettertürmen bei der Talstation der Sportbahnen Atzmännig geht es schliesslich zum Parkplatz zurück. Dieser ist kurz nach 16 Uhr an diesem gewöhnlichen Montag mittlerweile zur Hälfte gefüllt. ZH-, SG- und TG-Schilder beherrschen das Bild. Aber auch SH oder AG mischt sich drunter – und ja, selbst richtige Touristen, Deutsche, Polen und Dänen, scheinen den Weg zum Schutt gefunden zu haben. 

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