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Nicole Bernegger: «Unser Bassist hatte fast Tränen in den Augen»

Sie klingt wie eine Mischung aus Amy Winehouse und Dusty Springfield und war die erste Gewinnerin von «The Voice of Switzerland». Nun feiert die Basler Sängerin Nicole Bernegger in Wetzikon eine spezielle Premiere.

Nicole Bernegger feiert zwar keine Plattentaufe, aber doch den Tourstart in Wetzikon.

PD

Nicole Bernegger: «Unser Bassist hatte fast Tränen in den Augen»

Googelt man den Begriff Alien Pearl, findet man Fotos einer speziellen Autolackierung. Ist das Absicht?
Nicole Bernegger: Was? Im Ernst? Das war überhaupt keine Absicht. Ist es wenigstens ein schöner Lack? Ich muss grad schauen. (sie schaut kurz auf ihrem Handy nach) Ja, doch. So violett-blau, schimmrig. Das ist eigentlich noch passend, vielleicht lässt sich der Bezug sogar nutzen.

Was war denn die wahre Absicht hinter dem Albumtitel?
Es geht mir darum, innezuhalten und die eigenen Perlen zu suchen, wenn man sich selbst irgendwie verloren hat. Der Song entstand aus einer Phase, in der ich mich mir selbst fremd fühlte – deshalb auch Alien. Ich entschied mich, alte Brücken abzureissen, wieder ganz auf eigenen Beinen zu stehen.

«Ich flog. Ich fühlte mich unglaublich wohl.»

Weshalb hatten Sie sich denn von sich selbst entfremdet?
Nach dem Sieg bei «The Voice of Switzerland» nahm ich ein Album auf, in dem ich lediglich als Sängerin fungierte. Ich hatte keinerlei Einfluss auf die Produktion und praktisch keine aufs Songwriting. Ich war nicht Künstlerin, sondern eben nur Sängerin, wenn man das so differenzieren will. Ins zweite Album floss zwar deutlich mehr von mir, doch danach entstand in mir das Bedürfnis, wieder alle Fäden selber in die Hand zu nehmen, so wie früher. Ich wollte alles von der Pike auf selber machen. Deshalb kam letztlich auch der Schnitt mit Management, Plattenfirma und dergleichen. Ich musste wieder Dreck in die Hände nehmen. Dazu kam, dass ich praktisch spontan auf meine Band stiess.

Was heisst das?
Ich trommelte ein paar Musikerkollegen für eine Jazz-Soirée zusammen. Die Sache war recht spontan, erwies sich aber als derart gut, dass für mich der Fall sofort klar war. Ich wollte so weiterarbeiten. Das Konzert war der Hammer. Ich flog, ich fühlte mich unglaublich wohl.

Was war der Effekt all dieser Neuerungen?
Ich habe jetzt ein Team, das die gleiche Ästhetik mag wie ich und deshalb das gleiche Herzblut in meine Musik steckt. Es gibt keine Reibungsverluste mehr, keine endlosen Diskussionen, wohin die musikalische Reise gehen soll. Alle Energie fliesst direkt ins Projekt. Das Resultat ist mein bislang liebstes und meines Erachtens bestes Album.

Weshalb ist «Alien Pearl» dessen Titelsong geworden?
Da kommen diverse Faktoren zusammen. Zum einen klingt meines Erachtens der Name ästhetisch. Er enthält eine Metapher, die sich nicht sofort erschliesst und der man auf dem Album nachspüren kann. Dann dreht sich das Lied halt um meinen Weg hin zum neuen Album. Schliesslich ist «Alien Pearl» ein Song, der in der ersten Version schon praktisch so klang, wie er jetzt tönt. Das passte alles zusammen.

Auf «Yes I gotta say No» spielt Star-Saxofonistin Candy Dulfer mit. Wie kommts?
Wir haben uns schon mehrfach bei verschiedenen Projekten getroffen und jetzt kam mal eine direkte Zusammenarbeit zustande. Das ist natürlich toll. Sie bringt eine zusätzliche Farbe ins Album.

Sonst gibt’s eigentlich kaum Bläser darauf.
Das ist so. Wir haben auch keine Bläser auf der Bühne und wollten mit den Studioaufnahmen möglichst nahe ans Live-Erlebnis kommen. Das Setting passte auch dazu. Wir nahmen es in einer umgebauten alten Mühle auf, wo wir uns eine Woche lang mehr oder weniger verbarrikadierten. Wir begannen morgens um 10 Uhr und arbeiteten teils bis am nächsten Morgen um 5 oder 6 Uhr. Das war ein zusätzlicher kreativer Prozess, eine tolle Woche.

«Ich kann problemlos sagen: Das ist jetzt fertig.»

Irgendwo habe ich gelesen, ihr hättet das Album mit «Vintage-Instrumenten» aufgenommen. Was heisst das?
Unser Produzent hatte diverse alte Instrumente im Studio. Etwa einen Hoehner-Bass aus den 1950er Jahren. Unser Bassist hatte fast Tränen in den Augen, als er darauf spielen durfte. Das Instrument kommt etwa auf dem Titelsong zum Einsatz – und es definierte ganz stark, wie die Drums eingespielt wurden. Dazu kam ein Schlagzeug aus den 1960er Jahren, ein alter Wurlitzer, eine Hammond. Dergleichen halt.

Wenn man so lange und ohne Unterbrüche im Studio sitzt, neigt man dazu, die Songs überzuproduzieren. Weshalb ist euch das nicht passiert?
Für mich ist ein Song dann auch mal gut. Ich kann problemlos sagen: Das ist jetzt fertig. Wir wussten zudem, was wir wollten. Unsere Absichten begannen wir nicht zu verbiegen, bloss weil wir dafür Zeit hatten.

Im Wetziker Scala beginnt die Tournee zum neuen Album. Plattentaufe ist aber erst eine Woche später in der Kaserne in Basel.
Das stimmt. Basel ist halt mein Zuhause. Die ganze Band kommt aus Basel. Mir ist bewusst, dass dieser Umstand nicht die Lokalität der Plattentaufe definieren muss. Aber mir war das wichtig. Hier können meine Freunde kommen, meine Familie. Für mich ist die Kaserne in Basel auch schlicht geschichtsträchtig. In meiner Jugend ging ich hier in den Ausgang, zu unzähligen Konzerten. Ich hatte dort Auftritte mit meiner früheren Band The Kitchenettes. Dem will ich Rechnung tragen.

Dann ist die Show im Scala eine Art Vorpremiere?
Ja, so kann man das bezeichnen. Sie ist aber auch eine Art Heimkommen. Wir waren auch früher schon im Scala und lieben es. Der Club ist sauschön. Ich habe reihenweise Bilder von einem anderen Auftritt dort. Die muss ich jetzt grad hervorsuchen.

Habt ihr etwas Spezielles zum Tourstart geplant?
Klar doch. Aber das sage ich jetzt natürlich nicht.

Nicole Bernegger spielt am Samstag, 2. November, um 21 Uhr im Scala Wetzikon

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