KZO-Theaterschüler rücken Selbstzweifel ins Rampenlicht
Jugendliche machen Theater
Was passiert, wenn man sich konstant mit anderen vergleicht? Dieser Frage geht das neue Stück des Theaterfreifachs der KZO auf die Spur.
In der Mitte der Bühne steht ein Spiegel. Die leeren Stühle der Aula reflektieren sich in ihm. Eine Schülerin tritt unsicher davor, begutachtet sich und ihren Körper. Still und vorsichtig. Dabei werden die Worte «ich habe tausend Fehler» von einer Sängerin durch den Raum getragen.
Ich, mein Körper und der Perfektionismus – das Theaterfreifach der Kantonsschule Zürcher Oberland (KZO) in Wetzikon bringt ein Thema auf die Bühne, das viele Jugendliche beschäftigt. Im Stück mit dem Titel «LevelUp!®» geht es darum, wie sich unser Leben verändert, wenn wir es konstant mit anderen teilen und uns vergleichen.
Im Freifach über sich hinauswachsen
Bei den Jugendlichen ist die Vorfreude auf die Aufführungen gross. Seit vergangenem August wurde geprobt, diskutiert, umgestellt und improvisiert. Die Arbeit im Theaterfreifach nimmt viel Zeit in Anspruch, da die Proben ausserhalb der regulären Unterrichtszeit und an ausgewählten Wochenenden stattfinden. Und trotzdem sei genau dieser Aufwand der eigentliche Gewinn, finden die jungen Schauspieltalente.
«Ich habe das Gefühl, durch das Theaterfreifach traue ich mir mehr zu. Ich werde mutiger», sagt eine Schülerin. Sie habe begonnen, das Rampenlicht zu geniessen. «Die Leute hier sind mega toll. Deshalb gefällt es mir sehr auf der Bühne», sagt eine andere Schülerin. Man kenne sich sehr gut, obwohl man sich nur einmal in der Woche treffe.
Vom Satzskelett zum fertigen Theatertext
Grundgerüst war ein Plot der ehemaligen KZO-Schülerin Yara Isaak, der dann von der Theatergruppe weiterentwickelt wurde. Jede und jeder der 15 Jugendlichen, die bei dem Stück auf der Bühne stehen, haben eine eigene Figur entwickelt und verkörpert.
«Wie machen wir es, dass 15 Leute für den Zuschauer fassbar werden?», fragt Esther Fröhlich, Co-Regisseurin des Stücks. Sie und Roman Spörri begleiten die junge Schauspielergruppe begeistert. Die Antwort auf Fröhlichs Frage ist kein klares Konzept, sondern ein Prozess – denn auf der Bühne geht es nicht um Perfektion, sondern um Unsicherheit und Entwicklung. «Es geht nicht um nur eine Hauptfigur, denn alle sind ihre eigenen Protagonisten», erzählt sie.
Grundlegendes Element für die Entwicklung der Figuren war das Improvisationstheater. Spielen, ausprobieren, entdecken. So konnten die Schülerinnen und Schüler sich den Figuren annähern und sie mit den eigenen Ideen und Charakterstärken bestücken. Das Endergebnis ist ein Sammelsurium an Geschichten und Gedanken, ausgedrückt durch körperliche Gestik und Musik.
Agieren, reagieren, kooperieren
Theater wird in diesem Sammelsurium zur Schnittstelle zwischen Sprache und Körper, zwischen Innen- und Aussenwelt – gerade in einem Alter, in dem der eigene Körper oft zum Problem wird. «Es ist das Allerbeste, wenn die Jugendlichen etwas spielen können, das sie selbst angeht», meint Fröhlich.
Eine Herausforderung sieht Spörri besonders im sozialen Zusammenspiel: «Festes Kooperieren ist für viele neu. Es braucht eine enorme Hingabe, damit sie dranbleiben können.» Das falle den Jugendlichen manchmal schwer, meint er. Trotzdem freuen sich die beiden Regisseure, dass sich die Schülerinnen und Schüler so gut auf das Projekt eingelassen haben.
Denn am Ende zählt das Miteinander. Im Spiegel verzerrt sich die Wirklichkeit nur.
Die Aufführungen des Stücks «LevelUp!®» finden zu den nachfolgenden Zeiten in der Aula der Kantonsschule Zürcher Oberland (KZO) in Wetzikon statt:
Freitag, 10. April, 19.30 Uhr
Samstag, 11. April, 19.30 Uhr
Sonntag, 12. April, 17.00 Uhr
Billette sind an der Abendkasse erhältlich. (rem)