Dieser Autor aus Uster hat zwei Seelen in seiner Brust
Fussball, Migration und Erinnerungen an den Balkan: Darüber schreibt Boban Lapcevic. Nun hält er am Donnerstag, 26. März, in der Garage Wetzikon eine Lesung zu seinem neuen Buch. Im April ist er in Uster zu hören.
Der erste Satz: «Junge, komm mal her, hab ’nen Spezialauftrag für dich», rief Petrovs Chef, während er auf einen Stuhl hinter dem massiven Schreibtisch wies. Der Schlusssatz: «Vielleicht ist es an der Zeit, mein eigenes Experiment zu starten.» Dazwischen, auf 152 Seiten, unternimmt die Leserschaft eine Reise nach Schweden, wo ein Serbe aus der Schweiz einen alten Kumpel aus Belgrad besucht.
Politik, Rassismus, Leben als Migrant in der Schweiz – und auch einen kritischen Blick auf Serbien. Das sind alles Themen im dritten Werk «Zwei Esel in Europa» des gebürtigen Serben Boban Lapcevic, der als Vierjähriger 1993 zusammen mit den Eltern in die Schweiz kam. Der Vater arbeitete schon vorher als Saisonier im Gartenbau in der Schweiz.
«Es gibt im Buch autobiografische Aspekte. Ich habe wirklich einen Kumpel in Schweden», sagt der Autor, «aber man kann nicht alles eins zu eins auf mein Leben beziehen.» Und wie ist seine Haltung als Boban Lapcevic zur aktuellen Politik in Serbien? «Präsident Vucic tritt zu autoritär auf. Er inszeniert sich viel zu stark», kritisiert er. «Mein neues Buch ist nicht nur schwer, sondern humoristisch. Die beiden Hauptfiguren führen zahlreiche Streitgespräche. Der Besucher aus der Schweiz provoziert gerne», erklärt der Autor. Zudem seien mit den zwei Eseln im Titel die zwei Protagonisten gemeint – was zu viel Ernsthaftigkeit gar nicht erst zulässt.
Fühlt er sich heute eher als Schweizer oder Serbe? «Ich habe zwei Seelen in meiner Brust. Aber ich bin auch schon zum Bünzlischweizer geworden. Wenn ab 22 Uhr noch Lärm in der Umgebung herrscht, möchte ich am liebsten reklamieren», erzählt er mit einem Lächeln.
Zu Beginn16 Kurzgeschichten geschrieben
Die Kinder- und Jugendjahre verbrachte er in Berg TG, wo er auch eine Lehre zum Produktionsmechaniker absolvierte. «Durch mein Umfeld hatte ich eigentlich keinen Bezug zu Literatur oder Schreiben.» Er habe aber bis heute immer viel gelesen, auch zahlreiche Klassiker der deutschen, russischen und serbischen Literatur. «Irgendwann habe ich gedacht – ich schreibe jetzt mal selber.»
16 Kurzgeschichten umfasste sein erstes Werk «Die Malerin. Erzählungen». In einer Rezession über dieses Buch, das er damals im Selbstverlag veröffentlichte, sei geschrieben worden, er verarbeite existenzielle Themen. Ein Beispiel: In einer Geschichte geht es um die Annäherung eines Wolfs mit einem Jungen. Es scheint sich eine Freundschaft anzubahnen – doch als andere Kinder den Wolf mit Steinen bewerfen, wirft auch der Junge solche gegen den Wolf.
Erfolgreich mit Fussballbuch
Auch eine Fussballgeschichte war darin zu lesen. Aus der entwickelte sich dann sein erstes Buch, das 2020 im deutschen Verlag Culturcon erschien als Teil der Bibliothek des deutschen Fussballs. «Partizan Belgrad. Fussballfibel» hiess das 130 Seiten starke Buch. Boban Lapcevic stand jahrelang in einer Ultragruppierung des serbischen Fussballvereins Partizan Belgrad in der Fankurve. Die Anhänger sind berüchtigt für ihre hitzige Unterstützung mit Pyros, Gesängen und auch Krawallen.
«Mit dem Buch war ich auf Autorenlesung in Deutschland unterwegs. Vor allem bei Fanklubs aus dem Osten. So war ich bei Hansa Rostock, Carl Zeiss Jena oder dem 1. FC Magdeburg. Nach der Lesung habe ich mit den Fans noch ein Bierchen getrunken und über Fussball gesprochen. Ich war erstaunt, wie viele Fussballfans aus dem Osten schon von Partizan gehört haben oder sogar an einem Spiel vor Ort waren.»
Bald zwei Lesungen im Oberland
Nun hält er mit «Zwei Esel in Europa» am Donnerstag, 26. März, um 20 Uhr eine Lesung in der Garage Wetzikon und am Donnerstag, 16. April, um 19.30 Uhr in der Villa Grunholzer in Uster. «Bei den Lesungen interagiere ich gerne mit dem Publikum. Ich sitze nicht einfach still am Tisch mit einem Wasserglas.»
Wann schreibt er am liebsten? «Ich arbeite beruflich im IT-Support in Rapperswil bei der Firma Hostpoint, wo ich auch Lernende ausbilde. Wenn ich nach einem Arbeitstag nicht zu müde bin, schreibe ich meist am Abend.» Um sein neustes Werk, im November 2025 erschienen, zu vollenden, sei er zwei Tage in ein Hotel eingecheckt.
Beim Hausbesuch humpelt Boban Lapcevic auf Krücken. «Ich habe mir im Karatetraining die Achillessehne gerissen.» Karate ist eine weitere grosse Leidenschaft von ihm – im Kimura-Shukokai-Stil ist er Mitglied im Schweizer Nationalkader. Der Unfall habe ihn gerade zu einer neuen Geschichte animiert – über einen Mann auf Krücken.