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Kultur

Konzertreihe an Vollmond

Die kleine Kirche in Seegräben ist das weltweite Zentrum der Farbmusik

Vom harmonischen Grün über das warme Gelb bis zum feurigen Rot: Der Egger Hanspeter Krüsi lässt Farben zu Musik werden. Wie er das macht, lässt sich an Vollmondkonzerten miterleben.

Harmonische Klänge zum Lebensfreude versprühenden Orange: Hanspeter Krüsi setzt Farben in Musik um.

Foto: Christian Brändli

Die kleine Kirche in Seegräben ist das weltweite Zentrum der Farbmusik

Konzertreihe an Vollmond

Der Egger Hanspeter Krüsi setzt Farben auf der Gitarre und am Piano in Musik um – vorzugsweise in der Kirche über dem Pfäffikersee. Sein Farbmusikkonzept ist einmalig.

Aus der kleinen Kirche von Seegräben strahlt an diesem Vollmondabend Anfang Februar ein kräftiges Rot. Und in der Kirche greift Hanspeter Krüsi in die Saiten seiner E-Gitarre und lässt das aus sich hinaus, was diese Farbe in ihm weckt: «pure Leidenschaft und unbändige Power».

Über der Kirche Seegräben steht der Vollmond.
Die Kirche Seegräben ist das Zentrum der Farbmusik, wie hier am 1. Februar bei Vollmond.

Der Egger Musiker hat sich an diesem Abend ganz der Farbmusik verschrieben. Jeder Spektralfarbe kommen dabei besondere Eigenschaften zu. Und diese werden musikalisch umgesetzt. Orange, das an diesem Abend die Hauptfarbe ist, steht für Lebensfreude und Harmonie. Farbmusik hätten schon andere gespielt, etwa der berühmte Gitarrist Jimi Hendrix. Was Krüsi aber erarbeitet habe, sei ein originäres Konzept, das weltweit einmalig sei.

Beim Üben zur Farbmusik gefunden

«Ich habe Jahre in die Erforschung des Ausdrucks von Emotionen und Farben in den musikalischen Ausdruck investiert», hält Krüsi fest. Entscheidend sei aber seine natürliche Begabung für Farbmusik. «Wenn ich die Augen schliesse, sehe ich Farben.» Und deren Wirkung fliesse dann in die Musik über.

Seit 2008 veranstaltet der Profi-Gitarrist und Pianist spezifische Farbmusikkonzerte. Diese finden seit mehreren Jahren vorzugsweise in der Seegräbner Kirche statt. Nicht nur, weil die hiesige Kirchenpflege kulturelle Veranstaltungen fördert, sondern weil Krüsi zu diesem Ort eine besondere Beziehung hat. So wohnte er einige Jahre in der Gemeinde. Vor allem aber hat er am Klavier in der Kirche sein Spiel geübt – und dabei seine Farbmusik entwickelt.

Das Piano am Gitarrenhals

Wobei das Piano gar nicht sein Lieblingsinstrument ist. «Das kann ich einfach.» Beim Publikum sei die Akustikgitarre besonders beliebt. Er selbst bevorzugt die elektrische Gitarre. Und auf ihr fokussiert er sich manchmal ganz auf deren Hals. «Wegen einer Verletzung konnte ich eine Weile lang nicht mehr Piano spielen. Dann habe ich das halt auf die Gitarre verlegt», erklärt Krüsi.

In der in Blau getauchten Kirche Seegräben sitzt Hanspeter Krüsi vor dem Piano und spielt Gitarre.
Warum nicht Pianospiel auf dem Gitarrenhals? Hanspeter Krüsi demonstriert seine Virtuosität.

Auch an diesem Konzertabend zeigt er diese spezielle Spieltechnik mehrfach. Das Publikum vor Ort ist überschaubar. Doch Krüsis Töne erreichen einen weiten Kreis, werden sie doch auch online live übertragen. Was die Zuhörer am Computer oder Handy aber nicht erleben, ist die Zusammenwirkung von Musik, Farben und Umgebung. Und vor allem haben die Besucher der Kirche den Vorteil, dass sie sich von Stück zu Stück Farbe und Instrument wünschen können.

Fast alles Improvisation

Krüsi interpretiert und improvisiert. Nur wenige Stücke sind vorbereitet. Und wenn, dann handelt es sich um Eigenkompositionen. Er wechselt per Regler die Farbe der beiden Leuchtröhren und greift dann neben Kanzel und Altar wahlweise in die Saiten oder in die Tasten. Ist der Chorraum in Gelb eingetaucht, geht von Krüsi Wärme, Freude und Optimismus aus. Grün soll beruhigen und erfrischen zugleich. Und die blauen Klänge öffnen für ihn die Tore zur inneren Tiefe, ehe Violett den Himmel aufmacht und ins Spirituelle übergeht.

Ein Mann sitzt bei grünem Licht in einer Kirche am Klavier.
Wie Grün musikalisch beruhigt und belebt, zeigt Hanspeter Krüsi am Klavier in der Kirche Seegräben.

Offen ist Krüsi für alle Musikstile. «Emotionale Aussagen sind in allen möglich.» Persönlich liebt er elektronische Musik und seit Neuem auch orchestrale Stücke mit Streichmusik. Das aber eignet sich weniger für seine Konzerte, tritt er dort doch jeweils alleine auf. Aber wer weiss, vielleicht kommt dereinst ein Element daraus dennoch zum Einsatz: So hat er seine Liebe zum Kontrabass entdeckt, dem tiefsten und grössten der gebräuchlichen Streichinstrumente. Und die Saiten des Kontrabasses lassen sich ja auch noch zupfen. Warum nicht auch dieses Instrument spielen lernen? «Ich finde es auf alle Fälle cool.»

Emotionaler bei Vollmond

Seit einer ganzen Weile setzt Krüsi seine Farbmusikauftritte auf die Tage respektive Nächte mit Vollmond. «Ich mag den Vollmond. In dieser Phase träume ich mehr und bin emotionaler», findet der Egger. Das beobachtet er auch bei Publikum: «Viele Leute sind zu dieser Zeit emotional empfänglicher.» Vollmond und Farbmusik seien also die perfekte Kombination.

Hanspeter Krüsi steht mit einer E-Gitarre unter dem Vollmond.
Seine Farbmusikkonzerte veranstaltet Hanspeter Krüsi bei Vollmond: «Viele Leute sind zu dieser Zeit emotional empfänglicher.»

Was die Farbmusik auch noch bewirken kann, hat er vor Kurzem bei seiner schwerkranken Schwester erlebt. Die Klänge hätten ihr während ihrer Sterbezeit emotionale Stabilität verliehen. So bietet Krüsi seine Farbmusik neu unter dem Namen «432 Hz» auch für Therapiezwecke an. Abgestimmt auf das individuelle Bedürfnis komponiert er dabei ein persönliches Stück.

Wer dagegen Krüsis Farbmusik lieber in einer grösseren Runde geniessen möchte, der hat dieses Jahr genau noch elfmal Gelegenheit dazu. Natürlich immer zu Vollmond und immer in der Kirche Seegräben. Das nächste Mal am Dienstag, 3. März, ab 20 Uhr.

Organist in Egg

In der Kirche wird Krüsi, der lange Jahre als Bar- und Jazzpianist aufgetreten ist, Online-Gitarrenunterricht gibt und für Film und Fernsehen komponiert, künftig vermehrt zu hören sein. Und zwar in der katholischen sowie der reformierten Kirche in Egg. Dort wird er neu als Organist wirken.

Ihn freut besonders, dass er neben der Begleitung von Kirchenliedern in den Instrumentalteilen seine eigenen Kompositionen und Improvisationen spielen darf.

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