Pippo Pollinas musikalischer Gruss eines tragisch verunfallten Wetzikers
Im Mai letzten Jahrs verunglückten fünf Skitourenfahrer im Wallis tödlich. Ein Verstorbener war der Wetziker Arzt Chasper Vigolais Bardill, dem der Musiker Pippo Pollina nun ein Lied gewidmet hat.
Der Zürcher Liedermacher Pippo Pollina macht auf seiner aktuellen Europatournee mit einem kammermusikalischen Quartett auch Halt in Dürnten. Im Gepäck hat er neben musikalischen Gedanken zu Krieg und Frieden auch ein Lied über den Wetziker Chasper Vigolais Bardill.
Der ehemalige Arzt starb im Mai letzten Jahrs auf einer Skitour im Wallis mit vier Begleitern und Begleiterinnen nach einem vermuteten Schneebrettniedergang am Rimpfischhorn zwischen Saas-Fee und Zermatt auf rund 4000 Metern.
Pollina war ein Freund der Familie. «Euch grüsse ich noch einmal. Ja, jetzt ja. Heimlich schaue ich euch zu. Und gehe still, ja. Wie Schnee …» In Zeilen wie diesen des Lieds «Vigolais» steckt die ganze Tragik des jähen Tods von Chasper Bardill.
Langjährige Freundschaft
Vor vierzig Jahren kreuzten sich die Lebenswege von Pollina und Bardill. Der aus Sizilien stammende Musiker spielte als 23-Jähriger auf Schweizer Strassen, lernte den Bündner Liedermacher Linard Bardill kennen, sie wurden Freunde. «1986 wurde Chasper geboren, als ich mit Linard auf Tour war», erinnert sich Pollina heute. «Ich weiss noch genau, wie die Mutter Shefali und Linard mir in Chur ihr Neugeborenes zeigten.»
Seitdem verfolgte Pollina Chasper Bardills Lebensweg aus der Ferne. «Ich habe Chasper von Anfang an sehr liebgehabt», so Pollina. «Vielleicht, weil er mich an meine Anfangszeit in der Schweiz erinnert hat, in der mir so viel Wundersames und Gutes widerfahren ist.»
Plötzliches Bedürfnis
Pippo Pollina hat Chasper Bardill das letzte Mal im November 2024 an einem seiner Konzerte in Winterthur gesehen. Von dessen Tod hat er von Vater Bardill am Telefon erfahren. «Ich war sehr traurig», so Pollina, «und hatte kurz danach in Palermo, als ich am Piano sass, plötzlich das Bedürfnis, dieses Lied zu schreiben.»
Die Noten und die Verse seien wie natürlich aus ihm herausgeflossen, so der Musiker weiter. «Beim Komponieren bin ich einem inneren Bedürfnis und ganz meinen Gefühlen gefolgt.» Wenn das Lied für Bekannte des Verstorbenen Trost spende, sei das gut. Das sei aber nicht sein primärer Beweggrund gewesen, es zu komponieren, so Pollina. Seine drei Mitmusiker und Mitmusikerinnen seien jedenfalls sehr berührt gewesen, als sie den Hintergrund von «Vigolais» erfahren hätten.
Respekt vor den Bergen
Der Tod von Chasper Bardill habe ihn aber auch wütend gemacht. «Ich kann als Sizilianer die fatale Faszination, welche die Berge auf gewisse Menschen ausüben, nicht wirklich nachvollziehen.» Er denke, dass die Gefahren im Hochgebirge durch den Klimawandel zugenommen haben und dass Bergsteiger noch vorsichtiger sein sollten. «Man muss respektieren, dass die Berge – und übrigens auch das Meer – sehr unerwartet reagieren können. Entsprechend sollte man sich darauf vorbereiten.»
Chasper habe sich diesen Gefahren ausgesetzt, obwohl er eine junge Familie hatte. «Das respektiere ich natürlich, obwohl er heute sein reiches Leben geniessen könnte.» Andererseits würden jeden Tag Menschen bei Autounfällen sterben, gibt Pollina zu bedenken.
«Ich verabschiede mich von euch. Mit einem Lächeln, das ja, jetzt ja. Das in Frieden.» So grüsst Chasper Bardill in Pollinas Lied mit imaginärer Stimme die auf der Erde Verbliebenen.
Chasper Bardill arbeitete im Spital Wetzikon als Palliativ- und Oberarzt und wohnte in der Region. Er wurde nur 38 Jahre alt und hinterlässt eine Frau und zwei kleine Kinder.
Pippo Pollina tritt am Sonntag, 1. März, mit Cécile Grüebler (Cello), Elisa Sandrini (Flügel), Roberto Petroli (Klarinette) und Gionata Colaprisca (Perkussion) im Kulturzentrum Dürnten um 17 Uhr auf. Weitere Informationen unter www.kmm-duernten.ch/veranstaltungen