Begeisterte Fans feiern Headliner-Ersatz am H2U
Schweizer statt schwedischer Rock, Gotthard statt Mando Diao. Am Freitag kommt es beim H2U Openair in Uster zu einem Headliner-Wechsel, der der Stimmung jedoch keinen Abbruch tut. Ganz im Gegenteil.
Sie singen, tanzen, wippen im Takt der Drums und schweren Gitarrenriffs, feiern den Headliner am Eröffnungsfreitag des diesjährigen H2U Openairs auf dem Zeughausareal in Uster. Hunderte Fans stehen vor der Hauptbühne. Und lassen sich von den Hardrock-Klängen einer Band mitreissen, die eigentlich gar nicht hätte auftreten sollen: Gotthard.
Denn nur weniger als 24 Stunden bevor die Jubiläumsausgabe des beliebten Stadt-Open-Airs startet, muss Organisator Rolf Heckendorn eine Hiobsbotschaft verkünden. Die Schweden von Mando Diao können nicht auftreten, ihr Leadsänger Björn Dixgard muss unerwartet ins Spital.
Und so ist es Nic Maeder, der an diesem Freitagabend seine Stimme erhebt.





Nicht unbedingt das, auf das sich Moreno eingestellt hatte. «Zuerst hat mich das schon ziemlich gewurmt. Ich hatte mich eigentlich sehr auf Mando Diao gefreut», sagt der 31-Jährige, während gerade «Lift U Up» läuft. Allerdings kann er Gotthard doch noch etwas Positives abgewinnen, «schliesslich war das meine Jugendband, die ich gefeiert habe» – damals allerdings noch mit dem 2010 bei einem Motorradunfall verstorbenen Steve Lee als Frontman. Er habe nicht erwartet, die Band in Uster zu sehen, «aber es ist megacool und für mich gerade eine emotionale Achterbahnfahrt».
Nur wenige Meter neben Moreno steht der 65-jährige Thies. Er spricht von einem «wunderbaren Ersatz». Und erwähnt noch eine Tatsache: «Es ist unglaublich, dass Gotthard so kurzfristig einspringen konnten.»
Mundart aus Bern
Doch längst nicht alle sind an diesem lauschigen Sommerabend, der von Gewittern und Regenfällen verschont bleibt, wegen der Rockklänge hier. So füllt sich bereits kurz nach 20 Uhr der Platz vor der Hauptbühne ziemlich gut, als eine der wohl nach wie vor meist unterschätzten Schweizer Bands sich ihre Instrumente schnappen und mit Posaune, Trompete, Tuba oder Akkordeon das Publikum mitgehen lässt.

Seit 2015 fasziniert die Berner Mundartband Troubas Kater mit ihren Songs, die alles, aber nur nicht langweilig oder eintönig sind. Da werden Rock, Pop oder Hip-Hop-Elemente mit Brass, Folk oder Chanson kombiniert, die Sehnsucht nach der grossen weiten Welt in «Latvia» oder das Gefühl, mit dem richtigen Menschen an der Seite wie eine «Flügendi Insle» abzuheben, besungen.
Bringen das Publikum bei einem ihrer ältesten Songs zum Mitsingen: Troubas Kater. Video: Erik Hasselberg
«Die Stimmung, die diese Band kreiert, und ihre musikalische Vielfalt ist einfach einzigartig», sagen Kai und Vera, die extra für Troubas Kater nach Uster gekommen sind.
Wie vielfältig die Band ist, stellt ihr Frontsänger QC, der eigentlich Markus Sollberger heisst, auch immer dann während ihrer Konzerte unter Beweis, wenn der 40-Jährige zum Freestyle Rap ansetzt. Mit aus dem Publikum zugeschrienen Worten wie Uster und Wirbelwind setzt der Berner zur Höchstform an.
Die leisten auch allerdings Rolf Heckendorn und sein Team an der zehnjährigen Ausgabe des H2U. Da wird viel Liebe in jedes noch so kleine Detail gesteckt. Sei es der Timetable aus Holz, die sorgfältig kuratierte Auswahl von Schweizer Bieren am Craft-Bier-Stand oder die zahlreich gespannten Lichterketten, die dem Festival abends seinen ganz eigenen Charme verleihen.





Und wie sehr die Ustermer ihr Stadtfestival lieben, zeigt auch einmal mehr der Umstand, dass sich an diesem Freitagabend auch der eine oder andere Politiker auf das Zeughausareal verirrt hat.