Kultur

Traditionelle Spiele in Hinwil

Über das Wochenende wurde der Hasenstrick zum schottischen Highland

Nicht nur in Schottland können Highland Games ausgeführt werden. Auch in der Schweiz geht das - zeigen die Hinwiler.

Mit Kilt und viel Spass an der Tradition wurden 2025 wieder die Highland Games in Hinwil durchgeführt.

Foto: Moritz Hegglin

Über das Wochenende wurde der Hasenstrick zum schottischen Highland

Bei den traditionellen Highland Games traten früher in Schottland diverse Clans in verschiedenen Wettkämpfen gegeneinander an. Auch heute gibt es die Spiele noch – auch in der Schweiz.

«Hohes Land» findet sich nicht nur in Grossbritannien, sondern auch in der Schweiz. Und so lockt der Hasenstrick zum zweiten Mal nach 2023 Fans der schottischen Spiele zu sich – mit traumhafter Sicht über den Zürichsee.

Dass die Highland Games eine schottische Tradition sind, muss man den Zuschauern in Hinwil nicht erklären. An jeder Ecke des Festivalgeländes finden sich Hinweise auf den Ursprungsort der Spiele: Es wehen schottische Fahnen, die Zuschauenden tragen Kiltröcke, und die Stände verkaufen Spezialitäten wie Schafsmagen, Haggis oder Met, ein sogenannter Honigwein. Nur das Wetter ist an diesem Samstagnachmittag, ganz unschottisch, wunderschön.

Es hallt ein dreifaches Slàinte über das Festgelände

«Liebe Zuschauer, in wenigen Minuten beginnt der Einmarsch der Clans», erklärt ein Sprecher durch grosse Boxen. Eine Ankündigung braucht es jedoch nicht wirklich, denn nur kurze Zeit später durchdringt laute Dudelsackmusik die Luft und lockt das Publikum an den Rand der Arena.

Ein Mann spielt auf dem Dudelsack.
Das schottische Nationalinstrument ist an den Highland Games omnipräsent.

Angeführt von einer Dudelsackgruppe marschieren nun die 22 teilnehmenden Clans in die Arena ein, wo sie vom Publikum und dem Präsidenten der Veranstaltung, Dominik Mäder, begrüsst werden. Doch bevor die Highland Games beginnen können, führt Mäder mit den Mitstreitenden ein Begrüssungsritual durch.

Dazu füllt der Präsident einen Kelch mit Whiskey und spricht einen gälischen Trinkspruch aus. Daraufhin skandieren Mäder, die Teilnehmenden und das Publikum dreimal Slàinte (gälisch für Prost). Anschliessend trinken alle Athleten einen Schluck aus dem Kelch, ehe Dominik Mäder verkündet: «Die Spiele mögen beginnen.»

Auch neue Gesichter nehmen an den Spielen teil

Für Dario Irminger sind dies die ersten Spiele, an denen er teilnimmt. Gemeinsam mit seinen Clankameraden steht Irminger beim Baumstamm-Werfen. «Mein Arbeitskollege hat mich überredet, hier mitzumachen», sagt er. Mit Schottland und seinen Traditionen habe er zuvor wenig am Hut gehabt.

Doch Irminger ist nicht das einzige neuere Gesicht an den Spielen. Denn auch Jan Buck und Juanjo Romero, der «spanische Highlander», wie er sich nennt, nehmen erst zum zweiten Mal teil.

Fünf Männer posieren in ihren Kilts.
Jan Buck (hinten links) und Juanjo Romero (hinten rechts) sind schon zum zweiten Mal mit dabei.

Wie alle anderen Athleten tragen auch sie einen Kilt. «Es gibt zwar keine explizite Regel, aber wenn man hier mitmacht, dann trägt man einen Kilt», sagen die beiden. Für sie steht an diesem Nachmittag vor allem der Spass im Vordergrund: «Es geht um das Miteinander und um das Zusammensein.» Das sie und ihr Clan zusammenarbeiten können, beweisen sie kurz darauf auch beim Baumstamm-Slalom.

Auch Haggis braucht es an den Highland Games

Neben den Neulingen stehen in Hinwil aber auch einige alte Hasen auf dem Platz. Einer von ihnen ist François Baeriswyl. Seit 24 Jahren nimmt er schon an diversen Highland Games teil. Nur dieses Jahr hat er den Kilt gegen die Kochschürze getauscht. Und statt einem Baumstamm hält er ein Wurstzange in den Händen – und serviert den Besuchenden damit Haggis.

«Es ist toll, das Fest einmal von der anderen Seite zu sehen», bemerkt der geborene Zürcher. «Und auch dass ich nicht rennen muss, ist heute angenehmer bei diesen Temperaturen», sagt er und deutet auf den strahlenden Himmel. Erfahrung hätte Baeriswyl jedoch genug: «Dieses Jahr ist meine 24. Saison.»

Ein Mann steht bei seinem Stand.
Ein alter Hase: François Baeriswyl ist schon lange dabei. Dieses Jahr verkauft er zum ersten Mal Lebensmittel, anstatt zu spielen.

Auch in Schottland hat er schon an den Highland Games teilgenommen. «Anfangs wurden wir dort nur belächelt – viele der Touristen trinken eben zu viel.» Doch mit ihren Leistungen hätten sie sich damals den Respekt der Einheimischen verdient. «‘That’s nice’, meinten sie dann jeweils zu uns.»

Das allgemeine Niveau in Schottland sei zwar höher, aber «verstecken müssen wir Schweizer uns sicher nicht». Immerhin seien bei den letzten Weltmeisterschaften fünf Eidgenossen mit Gold ausgezeichnet worden.

Auch zwei Teams aus Deutschland sind dabei

Mitten im Trubel der verschiedenen Disziplinen steht auch der Präsident der Veranstaltung, Dominik Mäder. Mit beiden Händen packt er sich einen Baumstamm und befördert ihn hoch in die Luft.

Dominik Mäder wirft einen Baumstamm.
Dominik Mäder ist nicht nur Präsident, er wirft auch Baumstämme.

«Genau acht Meter», erklärt die Schiedsrichterin. Mäder verzieht enttäuscht das Gesicht. Kurze Zeit später lächelt er jedoch wieder. «Es ist auch dieses Jahr wieder super», sagt er. Schön sei es, dass sowohl alte als auch neue Gesichter hier seien. «An den Highland Games zählt das Zusammensein – wir sind eine grosse Familie.»

Eine Familie, die aus der ganzen Schweiz kommt. Denn neben den Oberländer Clans sind auch Clans aus Biel und Basel dabei. «Sogar aus Deutschland sind zwei Gruppen angereist.»

Nach dem Baumstamm-Werfen geht es für Mäder und seinen Clan weiter. Elf Disziplinen stehen heute auf dem Programm. Dazu gehören auch Bogenschiessen, Axtwerfen oder ein Hindernisparcours, welcher mit einem Autoreifen auszuführen ist.

Die Hitze fordert ihren Tribut

Mit der zunehmenden Hitze zieht es die anwesenden Zuschauerinnen und Zuschauer im Verlauf des Nachmittags vermehrt ins Festzelt. Oder sie decken sich an den diversen Ständen mit Essen ein. Für die Schottland-Gourmets gibt es Fischgerichte; wem der Sinn nicht danach steht, deckt sich mit Magenbrot ein.

Immer wieder ertönt Dudelsackmusik über das Festgelände. Doch nur etwa hundert Meter nebenan geht es ruhiger zu und her. Nur leise kann man hier die Musik vernehmen, und auch die Schreie der Athleten hört man nicht.

Hier spielt sich, unbemerkt von den meisten Zuschauerinnen und Zuschauer, eine weitere typisch schottische Szene ab: Auf einer kleinen Weide grasen gemütlich Dutzende Schafe – wohl froh, dass François Baeriswyl seine Haggis entgegen der Tradition nicht mit Schafsmagen macht.

Ein grasendes Schaf.
Schafe grasen friedlich und lassen sich nicht vom Trubel nebenan stören.
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