Dieser Musiker aus Hittnau eifert seit 40 Jahren Jerry Lee Lewis nach
Hamp Goes Wild
Hans-Peter Ruosch alias Hamp Goes Wild steht seit 40 Jahren auf der Bühne und unterhält das Publikum mit Rock ’n’ Roll und Boogie-Woogie. Warum er trotzdem nie Profimusiker werden wollte.
Autoren: Noah Salvetti, Bettina Schnider
Hans-Peter Ruosch war zehn Jahre alt, als er zum ersten Mal eine Elvis-Schallplatte in den Händen hielt. «Es war die Platte der Freundin meines Bruders, also nein, die Platte gehörte ihrem Vater.»
Wem der Tonträger genau gehörte, ist heute sowieso nicht mehr relevant. Er ist nämlich immer noch bei Ruosch. Und die Schallplatte hat ihm damals eine neue Welt eröffnet: in die Musik der Fünfzigerjahre.
Diese begleitet den 58-jährigen Hittnauer bis heute. In seiner Küche, die einem amerikanischen Diner nachempfunden ist, steht gut sichtbar das «Original Elvis-Kochbuch». Doch nicht nur da: Das Gesicht des King of Rock ’n’ Roll ziert auch die Wände und die Jukebox, die prominent in Ruoschs Stube steht.
Vom «Talentschuppen» ins Fernsehen
Doch die Faszination für Rock ’n’ Roll, Boogie-Woogie und die Musik von den Fünfziger- bis in die Siebzigerjahre beschränkt sich bei Ruosch nicht nur aufs Hören. Seit vier Jahrzehnten steht er auf der Bühne des Landes, als Sänger und Pianist Hamp Goes Wild.

Wie viele Gigs er in diesen vier Jahrzehnten gespielt hat, weiss er nicht mehr. «2000, 3000, ich habe keinen Plan mehr.»
Gut erinnern kann er sich aber noch an seinen ersten Auftritt. In den Achtzigerjahren gab es zahlreiche Möglichkeiten für junge Musiker, ihr Talent zu zeigen. Eine davon war der «Talentschuppen» von Victor Eugster, damals Teil des Trios Eugster.
«Im ersten Jahr wurde ich nur Zweiter», erzählt Ruosch. Als Perfektionist war er damit aber nicht zufrieden und meldete sich im darauffolgenden Jahr nochmals an. Und tatsächlich, 1985 konnte der Oberländer den ersten Platz belegen. Dadurch kam er zu ersten Engagements als Künstler – auch im Fernsehen, wie 1986 im «Sonntagsmagazin» des Schweizer Fernsehens, damals noch unter dem Namen Rampin’ Hamp.
Ein wichtiges Vorbild war für ihn dabei stets der amerikanische Rock-’n’-Roll- und Country-Musiker Jerry Lee Lewis. Ihm eiferte Ruosch nach – nicht nur musikalisch. 1988 nahm er bei einem Doppelgängerwettbewerb der Zeitung «Blick» teil und belegte den zweiten Platz.
«Äusserlich sah ich nicht ganz so aus wie Jerry Lee», gibt er zu. «Aber ich habe im Gegensatz zu anderen Teilnehmern alles live gespielt.» Bis heute ist er stolz auf seine Performance.
Für das Idol auf der Bühne
Dass er einmal sogar für sein grosses Idol auf der Bühne stehen würde, konnte er damals noch nicht ahnen. 1992 wollte Ruosch ein Konzert von Lewis besuchen. «Ich habe draussen gewartet, weil ich unbedingt sehen wollte, wie er in die Backstage geht», erzählt er.
Lange sei nichts passiert, dann sei ein Auto vorgefahren, Lewis sei ausgestiegen und einfach weggelaufen. «Ich weiss noch, wie einer der Security rief: ‹Haltet ihn fest.›» Sie seien hinter dem Star hergerannt und hätten ihn dann in das Gebäude getragen. «Ich stand nur mit offenem Mund da.»
Schnell war klar, dass Lewis nicht in der Lage war, aufzutreten. Die angereisten Musikfans sollten aber nicht ohne ein Konzert nach Hause gehen – das war für alle Beteiligten und die Bandmitglieder von Lewis klar.
Da Ruoschs Bruder bei einer Vorgruppe als Pianist engagiert war, fragte er ihn kurzerhand, ob er nicht auch ein paar Samples spielen könnte. Auf einmal stand er dann auch auf der Bühne und konnte an der Seite von James Burton, dem ehemaligen Gitarristen von Elvis, einige von Lewis’ Klassikern spielen.
Ganz in die Fussstapfen seiner Idole konnte Ruosch aber nie treten. Nur von der Musik zu leben, war für ihn aber auch nie eine Option. «Das hat sicher auch damit zu tun, dass ich bereits sehr jung Vater wurde.» Er wollte zum einen Zeit mit seiner Familie verbringen und zum anderen auch finanziell für Stabilität sorgen.
Und so arbeitete er stets Teilzeit in einem Bürojob, bis heute. «Das wilde Rock-’n’-Roll-Leben hat mich ausserhalb der Bühne nie interessiert.»
Ein Konzert mit grauen Häuptern
Doch die regelmässigen Auftritte – oft mehrere pro Monat – gehören für ihn weiterhin dazu. Seit 40 Jahren konnte sich Hamp Goes Wild ein grosses Netzwerk aufbauen, wird immer wieder von verschiedenen Veranstaltern gebucht – von Open Airs über Jazzclubs bis zu kleineren Privatkonzerten. «Ich sage nie etwas ab», betont er. «Auf einen kleinen Auftritt kann wieder etwas Grösseres folgen.»
Seinem Musikstil ist er in den vergangenen vier Jahrzehnten ebenfalls treu geblieben. Er hat viele eigene Songs geschrieben und sieben CDs produziert. Heute findet man die Lieder auch auf den gängigen Streaming-Plattformen. Das Publikum wünscht aber auch, dass Covers gespielt werden. Besonders beliebt ist bei ihm, wenig überraschend, «Great Balls of Fire» von Jerry Lee Lewis.
So wie Hamp Goes Wild seiner Musik treu geblieben ist, so ist es ihm auch das Publikum. Das zeigte sich im März bei seinem Jubiläumskonzert in Wetzikon. «Dort waren viele Leute, die ich seit 40 Jahren kenne – es hatte also auch viele graue Häupter dort.»
Sich selber zählt er dabei auch langsam dazu. Ans Aufhören denkt er trotzdem nicht. Sein grosses Vorbild in dieser Hinsicht ist der österreichische Musiker und Schauspieler Peter Kraus, der heute 86 Jahre alt ist. 2022 hatte dieser zuletzt ein Album veröffentlicht.
Konzert in Wila
Am 7. Juni um 20 Uhr tritt Hamp Goes Wild zusammen mit dem österreichischen Pianisten Lukas Koeninger in der Villa Wellentanz in Wila auf. Der Abend steht ganz im Zeichen der Musik von Jerry Lee Lewis.
Der Eintritt ist gratis, es gibt eine Kollekte. Da die Plätze beschränkt sind, muss jedoch ein Ticket über die Website villa-wellentanz.ch gebucht werden.
