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Weshalb die Theatergruppe Pirg in der Schmidrüti immer vor vollen Rängen spielt

Das Theater aus der Aussenwacht Schmidrüti ist eine Tösstaler Erfolgsgeschichte. Entstanden aus einer Not, ist es heute Teil der Dorf-DNA.

Die Theatergruppe Pirg in «Mordsmässigdureknallt». Geschrieben hat das Stück Yvonne Meier (links).

Foto: Simon Grässle

Weshalb die Theatergruppe Pirg in der Schmidrüti immer vor vollen Rängen spielt

Vereinsleben im Tösstal

Seit 35 Jahren bringt die Theatergruppe Pirg mit Leidenschaft und Humor Leben auf die Bühne. Deshalb ist der Verein ein fester Bestandteil der Dorfkultur in der Schmidrüti.

Die altehrwürdige Familie von Schlossburg hat Geldnöte, und ein 100-jähriger Käse, der sie aus der Misere retten könnte, liegt auf einmal angeschnitten im Kühlschrank. Hinzu kommen eine (vorgetäuschte) Entführung und ein Kamerateam aus Zürich, das auf der Suche nach dem grossen Reality-Drama ist.

Klingt kompliziert? Ist es aber nicht. Denn im neuen Stück der Theatergruppe Pirg ist passend zum Titel einfach alles mordsmässig «dureknallt».

Die Hobbyschauspielerinnen und -schauspieler haben am Wochenende ihr Theater zum ersten Mal in der kleinen Turnhalle des Schulhauses Schmidrüti aufgeführt – vor vollen Rängen, wie üblich. Denn die Gruppe ist im abgelegenen Gebiet von Turbenthal bestens verankert und hat weit darüber hinaus ein treues Publikum.

Knapp 70 Personen haben in der kleinen Turnhalle des Schulhauses Platz, das schreiben heute die Regeln vor. «Früher haben wir sicher über 100 Leute hier gehabt», erinnert sich Renate König.

Die Hauptprobe der Theatergruppe Pirg aus Schmidrüti.
Renate König ist seit 1989 Teil der Theatergruppe – heute ist sie die Souffleuse.

Sie ist Mitglied der ersten Stunde und stand bis vor einigen Jahren noch selber auf der Bühne. Nun nimmt sie daneben auf einem Stuhl Platz – und übernimmt die wichtige Aufgabe der Souffleuse. Sie hilft ihren Kolleginnen und Kollegen auf der Bühne bei einem «Hänger» mit dem Text weiter.

«Auch wenn ich in der Regel nicht viel zu tun habe», wie sie stolz betont. In der Hauptprobe am Freitag musste sie ihren Kolleginnen und Kollegen trotzdem noch ein paarmal auf die Sprünge helfen.

Vom Chor zum Theaterverein

«Entstanden ist die Theatergruppe ja eigentlich aus dem gemischten Chor», erzählt sie. Dort haben ihre Eltern noch mitgesungen. Und zum aktiven Chorleben gehörte auch die Abendunterhaltung samt Theaterstück.

Als der Chor dann 1983 mangels genügend Sängerinnen und Sängern aufgelöst wurde, blieben die Theaterfreunde beisammen – und gründeten im Dezember 1989 ihren eigenen Verein, die Theatergruppe Pirg. Kürzlich feierte der Verein damit sein 35-jähriges Bestehen.

In dieser Zeit gab es viele Höhen und Tiefen: «Es gab Zeiten, da hatten wir kaum genügend Spieler», erinnert sich König. Vor einigen Jahren kamen dann aber wieder neue Theaterinteressierte dazu.

Die Hauptprobe der Theatergruppe Pirg aus Schmidrüti.
Yvonne Meier hat das Stück nicht nur geschrieben, sondern steht auch selber auf der Bühne.

Eine davon ist Yvonne Meier. Sie ist seit gut zehn Jahren Teil der Theatergruppe – und kam dazu wie die meisten anderen auch. «Eine Kollegin hat mich angefragt, ob ich nicht auch mitspielen will.» Sie liess sich überzeugen. «Und ich habe es auf Anhieb sehr cool gefunden.»

So cool, dass sie in der Zwischenzeit nicht nur auf der Bühne steht, sondern auch die Stücke schreibt. Vor zwei Jahren hatte sie bereits «La Cucaracha im Gmeindrat» auf die Bühne gebracht, das sich um eine Klausur des Gemeinderats Pirg drehte. «Mordsmässigdureknallt» ist das zweite Stück aus ihrer Feder.

«Ich würde sagen, ich bin ein sehr phantasievoller Mensch», sagt Meier. Sie habe auch schon viele Theaterstücke gelesen – und so habe sie sich gedacht: «Das kann ich auch.»

Bevor sie diese Aufgabe übernahm, führten die Schauspielerinnen und Schauspieler bereits existierende Stücke auf. Ganz einfach war das jeweils nicht: «Wir haben nur eine kleine Bühne mit zwei Ausgängen.» Oftmals mussten die Regieanweisungen angepasst werden, damit das Theater im Schulhaus Schmidrüti aufgeführt werden konnte.

Eine eingespielte Truppe

Das ist nun anders: Meier schreibt nicht nur passend für die Platzverhältnisse, sondern sie schreibt auch den Mitschauspielerinnen und -schauspielern Rollen auf den Leib.

Mit der Arbeit an «Mordsmässigdureknallt» hat sie im Sommer 2023 begonnen. «Es dauert einfach etwas, bis man alle Ideen zusammenhat», sagt sie. Ihr Anspruch: Das Stück soll lustig sein. «Und nicht nur für mich, sondern auch für andere.»

Bei den einen oder anderen Gags lässt sie sich auch von bestehendem Material inspirieren – woher genau, das verrät sie nicht. «Aber vielleicht finden es die einen oder anderen heraus.»

Im Mai des letzten Jahrs fand die erste Lesung mit der Theatergruppe statt, im Herbst haben dann die regelmässigen Proben begonnen. Meier spielt ebenfalls mit – sie verkörpert Aphroditi von Schlossburg, die geldverliebte Schwester aus dem Schlossburg-Clan, die immer noch auf der Suche nach ihrem Traummann ist. «Zum Glück habe ich so gute Schauspielerinnen und Schauspieler neben mir, dann tanze ich nicht so aus der Reihe.»

Die Hauptprobe der Theatergruppe Pirg aus Schmidrüti.
Yvonne Meier in ihrer Rolle als Aphroditi von Schlossburg.

Wäre sie lieber nur die Regisseurin? Meier verneint. Die Gruppenmitglieder erarbeiten das Stück gemeinsam. «Sie dürfen zwar schon mitreden, aber nicht einfach alles abändern», stellt sie klar.

Auch wenn sie ihre eigenen Vorstellungen hat: Am Schluss sollen sich alle beim Spielen wohlfühlen. «Wir sind alles Laien, die uns für das Theater Zeit nehmen», betont sie. «Und wir haben es auch immer lustig zusammen.»

Die Theatergruppe Pirg spielt «Mordsmässigdureknallt» noch am Mittwoch, 26. März, Freitag, 28. März, und Samstag, 29. März. Für die Vorstellung am Mittwoch hat es noch Plätze. Reservation bei Caro Wild (079 399 43 57) über Whatsapp oder Telefon (zwischen 18 und 20 Uhr).

Ausserdem gibt die Theatergruppe am 2. und 3. April ein Gastspiel mit «Mordsmässigdureknallt» im «Landhaus» in Bichelsee.

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