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Kultur

Vom Schulzimmer in Hinwil auf die grosse Bühne in Los Angeles

Er ist Musiker, Schauspieler und Reality-Star. Doch Elia Berthoud kehrt auch regelmässig in seinen Heimatort Hinwil zurück. Hier erinnert er sich an prägende Momente und an die Anfänge seiner Karriere.

Gute Erinnerungen an die Schulzeit in Hinwil: Elia Berthoud ging an der Sekundarschule Breite in den Unterricht.

Foto: Fabienne Würth

Vom Schulzimmer in Hinwil auf die grosse Bühne in Los Angeles

Auf Heimatbesuch im Oberland

Er ist Musiker, Schauspieler und Reality-TV-Star. Doch Elia Berthoud kehrt auch regelmässig in seinen Heimatort Hinwil zurück. Hier erinnert er sich an prägende Momente und an die Anfänge seiner Karriere.

Zum Interviewtermin in seinem alten Oberstufenschulhaus Breite in Hinwil erscheint Elia Berthoud leicht verspätet. «Das ist wie früher», sagt er scherzhaft. Er wohnte schon damals nahe beim Schulhaus. «Ich war aber immer knapp dran», so der 32-Jährige, der heute als Musiker, Schauspieler und Reality-TV-Star tätig ist.

Fast 20 Jahre ist es her, dass er die Sekundarschule besuchte. «Ich habe nur gute Erinnerungen an meine Zeit hier. Die Lehrpersonen haben uns sehr gut gefördert.» Neben den kreativen hätten ihn besonders die praktischen Fächer wie Werken und Kochen weitergebracht. «Davon erzähle ich oft meinen Kollegen in den USA. Sie staunen immer, wie gut das Schweizer Schulsystem funktioniert.»

Wusste er bereits damals, dass er einmal im TV zu sehen sein würde? Berthoud winkt ab. «Aber ich war schon als Kind kreativ und wusste, dass ich einen musischen Beruf ergreifen würde.» Er sei ein guter Schüler gewesen und habe – ausser in Französisch – gute Noten geschrieben. Mittlerweile spricht er die Sprache fliessend – genauso wie Deutsch und Englisch. Für ihn ist klar: «Hinwil war für mich der ideale Ort, um als kunst- und unterhaltungsbegeistertes Kind aufzuwachsen.»

Heute lebt Berthoud in Los Angeles. Dort treibt er seine Karriere als Musiker und Schauspieler voran. In der Weihnachtszeit besucht er aber jedes Jahr seine Familie, die noch in jenem Haus in Hinwil lebt, in dem er aufgewachsen ist.

Auftritte in Reality-TV-Shows

Der Besuch in diesem Jahr ist besonders aufregend, weil er bis vor Kurzem in seiner Heimat im Fernsehen zu sehen war: Er hat in der Reality-TV-Show «The Real Life Züri» teilgenommen. Die letzte Folge lief Anfang Januar auf der Streamingplattform OnePlus.

Ein Mann mit nacktem Oberkörper.
Mit vollem Körpereinsatz: Elia Berthoud nahm schon an verschiedenen Reality-TV-Formaten teil.

Berthoud war einer von neun Schweizer Reality-TV-Stars, die ein Fernsehteam seit Juli 2024 begleitete und Einblicke in deren Partys und deren Leben zeigte.

Dabei liess sich der gebürtige Hinwiler auch bei einem Fotoshooting auf Ibiza und einem Musikvideodreh in Los Angeles filmen. Erfahrungen im Reality-TV gesammelt hat er bereits zuvor. Im Jahr 2022 war er bei «Reality Shore» und 2023 in Deutschland bei «Are You the One? – Reality Stars in Love» zu sehen.

In Hinwil hat ihn bis heute noch niemand auf seine Reality-TV-Auftritte angesprochen. «Ich fände es aber nicht ‹cringe›, wenn jemand in der Migros deswegen auf mich zukommen würde», sagt Berthoud. Und er betont: «Es ist nicht peinlich, wenn man im TV authentisch ist. Viel peinlicher ist es, wenn man im richtigen Leben ein Arschloch ist.»

Inkognito in Hinwil, bekannt in Berlin

Wenn er in Berlin ist, wird er hingegen regelmässig auf seine TV-Auftritte angesprochen. Darum besucht er vornehmlich Partys, an denen Handys am Eingang abgegeben werden müssen. «Wenn ich im Reality-TV auftrete, weiss ich, dass die Kameras laufen. In meiner Freizeit brauche ich das nicht.»

Mit diesem Wissen geht er auch mit Schlagzeilen um. So titelte etwa der «Blick» im Januar 2023: «Reality-Shore-Kandidat Elia Berthoud machte Sex-Diät.» Für den Hinwiler ist klar: «Natürlich lesen so etwas auch meine Eltern oder meine beiden älteren Schwestern.» Er habe aber ein gutes Verhältnis zu ihnen, und sie könnten damit umgehen. «Sie wissen, dass ich eine andere Seite habe.»

Warum aber nahm er an diesen TV-Formaten teil? In seiner typisch offenen Art sagt Elia Berthoud: «Ich bin oft auf unregelmässige Einkommen angewiesen.» Als er nach der Pandemie die Anfrage für «Reality Shore» erhalten habe, habe er gerade zwei Jahre ohne Einnahmen hinter sich gehabt.

Damals war er eben erst von New York nach Los Angeles gezogen. «Da kam das Angebot, bei der Show mitzumachen, wie gerufen.» Er würde aber nicht alles für Geld machen. Doch das Angebot habe gepasst.

Ein Stück Hinwiler Zirkus in Los Angeles

Zurück nach Hinwil: Einige Meter vom Schulhaus entfernt befindet sich eine Grünfläche. Sie erinnert Berthoud an seine Kindheit. «Wir haben sehr viel Zeit in der Natur verbracht.» Darum lebt er, der in Mailand, New York und Berlin zu Hause war, heute gerne in Los Angeles.

Ein Mann lehnt sich an einen Baum an.
Ob in Hinwil oder in Los Angeles: Elia Berthoud fühlt sich von der Natur angezogen.

In Los Angeles ist das Wetter fast immer schön, und man kann das ganze Jahr draussen Sport machen. «Für mich bedeutet das Lebensqualität, an einem Nachmittag im Dezember draussen in Tanktop und Shorts Tennis zu spielen.»

Vom Horror in Hinwil zum roten Teppich in Cannes

Berthoud spaziert im schneebedeckten Hinwil über einen schmalen Weg, der nur wenige Meter an einem leer stehenden Haus vorbei verläuft. Er erinnert sich und lacht: «Hier habe ich abends mit einem Kollegen Horrorfilme geschaut und hatte danach wenig Freude, am Friedhof vorbei nach Hause zu gehen.»

Ein Mann läuft auf einem Weg.
Schwelgen in alten Erinnerungen: Auf einem Rundgang durch Hinwil fallen Elia Berthoud immer wieder Anekdoten aus der Vergangenheit ein.

Heute ist Berthoud selbst in einem Horrorstreifen zu sehen. Der Hinwiler spielt darin die Hauptrolle. Premiere feierte «The Final Party» am Filmfestival in Cannes.

«Mitspielen ist etwas anderes, als die Filme zu sehen», bilanziert er und ergänzt mit einem Augenzwinkern: «Wenn ich mich heute daran erinnere, dass ich als Teenager Horrorfilme gemieden habe und jetzt selbst in einem mitspiele, muss ich lachen.» Es zeige, wie weit man kommen könne, wenn man seine Ängste überwinde und Neues wage.

Kontakt zu ehemaligen Kollegen

Wenn er in der Schweiz ist, trifft er Kollegen aus Hinwil, geht mit ihnen Skifahren oder in den Ausgang. Dass viele von ihnen ein ganz anderes Leben führen als er, teilweise schon verheiratet sind und Kinder haben, stört weder Elia Berthoud noch seine Kollegen. «Selber will ich erst Kinder haben, wenn ich finanziell abgesichert bin.»

Auch der Umstand, dass er immer wieder prominente Persönlichkeiten in den USA treffe, wecke keine Eifersucht in seinem Umfeld. Dafür hat er manchmal Anekdoten zu erzählen. So hat er schon Madonna getroffen – die in echt viel jugendlicher aussehe als auf den Bildern – oder Chaka Khan, die für ihren Hit «Ain’t Nobody» weltberühmt ist.

Von ihr erhielt er für seinen neuen Song «Untouchable When You’re Around», den er Anfang des Jahrs veröffentlicht hat, sogar einen Tipp: «Keep it simple, Baby!» Den Rat hat er aber nicht ganz umgesetzt: «Mein Sound ist komplexer und vielseitiger geworden.»

Bald fliegt er zurück nach Los Angeles, um weiter an seiner Karriere zu feilen. Am Ende des Gesprächs ist klar: Elia Berthoud ist ein Weltbürger, der nie den Bezug zu seinen Wurzeln verloren hat. «Zu Hause fühle ich mich heute auf der ganzen Welt, aber Hinwil wird immer ein besonderer Ort für mich bleiben.»

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