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Kultur

Die Operettenbühne steht vor einer ungewissen Zukunft

Grosse Kunst bringt nicht zwingend viel Geld – diese Erfahrung musste auch die Operettenbühne mit ihrer letzten Inszenierung machen.

Bisher hat sich die Operettenbühne vor allem auf Ticketverkäufe gestützt. Künftig sollen aber auch vermehrt Sponsoren und Partnerschaften zum Tragen kommen. (Archiv)

Foto: PD

Die Operettenbühne steht vor einer ungewissen Zukunft

Nach Pandemie und teurem Stück

Um der finanziellen Schieflage zu entkommen, sucht die Operettenbühne Hombrechtikon frische Perspektiven. Engagierte Köpfe sollen als Taskforce die Zukunft der OHO retten.

Manuela Bär

«‹Operettenbühne Hombrechtikon› klingt weder jung noch aufregend», sagt Dieter Werner mit einem Schmunzeln. Laut dem Präsidenten der Operettenbühne Hombrechtikon (OHO) muss sich diese neu erfinden, denn «um langfristig bestehen zu können, müssen wir die personelle und die finanzielle Basis wesentlich verbreitern». Der Kulturverein steht nämlich vor finanziellen Problemen.

Die Operettenbühne stemmt jährlich hohe Produktionskosten von mehreren hunderttausend Franken. Dies kommt daher, dass an den Produktionen nicht nur Laien, sondern vor allem Professionelle mitwirken. Denn nur die administrativen Aufgaben werden von Laien erledigt.

«Alles Künstlerische auf und hinter der Bühne machen internationale Professionelle.» Das wiegt auch finanziell schwer, und die Gagen machen einen wesentlichen Teil des Produktionsbudgets aus.

Mann steht in einer Bühnenlandschaft.
Dieter Werner, Präsident der Operettenbühne Hombrechtikon, hofft auf Ideen einer Taskforce, um die OHO auf sichere Beine zu stellen.

Den Hauptgrund für die finanzielle Schieflage der Operettenbühne sieht Werner in der Pandemie: «Während Covid generierten wir keine Einnahmen, doch blieben unsere Fixkosten bestehen.» So miete die OHO beispielsweise Lagerräume, die kosten würden – ob man nun spiele oder nicht.

Auch das Publikumsverhalten habe sich seit der Pandemie verändert, denn «es ist schwierig, die Zuschauerzahlen wieder auf das Niveau von vor Covid anzuheben». So kämen weniger Zuschauerinnen und Zuschauer, und jene, die kämen, würden sich kurzfristiger für den Theaterbesuch entscheiden. Dies ist besonders einschneidend, da sich die Operettenbühne zu 95 Prozent durch Billettverkäufe finanziert.

Weiter hat sich auch die letztjährige Stückwahl negativ auf den Finanzhaushalt der OHO ausgewirkt. Die letztjährige Produktion «Orpheus in der Unterwelt» von Jacques Offenbach habe die Produktionskosten nicht gedeckt und zusätzlich an den Reserven der Operettenbühne genagt.

«Aus künstlerischer Sicht war ‹Orpheus› fantastisch», schwärmt der Präsident. Doch sei es kein massentaugliches Stück, was zu weniger Ticketverkäufen geführt habe. Für Werner ist klar: «Noch eine Saison wie letztes Jahr würde der Verein nicht verkraften.»

Taskforce soll Zukunft sichern

Dem Vereinspräsidenten schweben jedoch auch Lösungsansätze vor. So rührt der Vereinsvorstand aktuell kräftig die Werbetrommel für einen Informationsabend am 16. Mai. «Wer plant mit uns die Zukunft der Operettenbühne?», steht gross auf dem Flyer.

Denn der Verein hofft auf Hilfe von Externen, um die personelle Basis zu verbreitern und damit den Kurs der OHO zu stabilisieren. Den dafür notwendigen Effort soll eine Taskforce bringen.

Für die Taskforce sucht der Verein laut dem Flyer «kreative Köpfe, die bereit sind, sich für ein halbes Jahr unentgeltlich einzusetzen und die Zukunft der OHO auf sichere Beine zu stellen». Werner hofft auch auf die Strahlkraft eines solchen Events: «Es muss in den Köpfen des Vereins und des Publikums ankommen, dass die Operettenbühne nicht einfach so besteht, sondern dass es dazu sehr viel Engagement benötigt.»

Man sieht Schauspieler auf der Operettenbühne.
Die Operettenbühne spielt dank den Profis auf und hinter der Bühne auf hohem Niveau und darf sich regelmässig über gute Kritiken aus der Kulturszene freuen. (Archiv)

Während Covid hat die OHO die Transformationsgelder des Bunds an Vereine dazu verwendet, ein externes Gutachten über die Situation der Operettenbühne erstellen zu lassen.

Die Ergebnisse dieser Studie liegen vor und wurden bereits an Innovage herangetragen, ein Netzwerk pensionierter Fachkräfte, die mit ihrem Wissen gemeinnützige Organisationen unterstützen. Die Taskforce solle sich dann aus drei Innovage-Mitgliedern und drei Freiwilligen zusammensetzen.

Finanzierung überdenken

Werner sieht konkrete Lösungsansätze, um die Operettenbühne zu retten. «Wir müssen die finanzielle Basis verbreitern», sagt der Präsident. Bisher habe sich die OHO vor allem auf Ticketverkäufe gestützt, «doch künftig werden wir vermehrt auch Sponsoren und Partnerschaften benötigen». Zudem müsse sich die OHO selbst breiter aufstellen, um in der Öffentlichkeit präsenter zu werden.

Auch müsse an der Marke der OHO geschliffen werden. «Wer die Operettenbühne Hombrechtikon nicht kennt, erwartet höchstens ein Dorfchränzli», sagt Werner. Von welcher Qualität die produzierten Stücke jeweils seien, sei dabei kaum zu erahnen.

Die Operettenbühne spielt dank den Profis auf und hinter der Bühne jedoch auf hohem Niveau und darf sich regelmässig über gute Kritiken aus der Kulturszene freuen.

So habe die Operettenbühne Hombrechtikon einen guten Ruf in der Musikszene. «Deshalb spielen auch die professionellen Sängerinnen und Sänger sowie die Orchestermitglieder gerne in unserem Ensemble», erklärt Werner. Diesen guten Ruf in der Theaterszene gelte es jetzt auf die breite Masse zu übertragen.

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