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Wie ein Fischenthaler Heimwebersohn zum Schriftsteller wurde

Eine gute Schulbildung wurde ihm verwehrt, und trotzdem wurde Jakob Senn zum Schriftsteller. Ein Einblick in das bewegte Leben des Fischenthalers.

Jakob Senn, hier auf der einzigen Fotografie von ihm von 1862, wuchs in einem Flarzhaus in Fischenthal auf. Er schaffte es aber bis nach Südamerika.

Fotos: PD

Wie ein Fischenthaler Heimwebersohn zum Schriftsteller wurde

Das Leben von Jakob Senn

Heuer vor 200 Jahren kam der Fischenthaler Autor und Dichter Jakob Senn zur Welt. Ein Einblick in sein bewegtes Leben und Schaffen, das nicht nur von Erfolg gekrönt war.

  • Jakob Senn kommt am 20. März 1824 im Weiler Enner-Lenzen in der Gemeinde Fischenthal zur Welt. Er ist das dritte von fünf Kindern eines Heimweberpaars.

    1824

  • Senn würde gerne die neue gegründete Sekundarschule in Fischenthal besuchen. Doch das bleibt ihm verwehrt. Er muss seinen Hang zum Lesen neben der täglichen Arbeit am Webstuhl und im kleinbäuerlichen Betrieb der Eltern befriedigen.

    1838

  • Ab 1840 versucht Jakob Senn wiederholt, in einem anderen Beruf unterzukommen – ohne Erfolg. Doch durch die Bekanntschaft mit dem Fischenthaler Apotheker Heinrich Jucker kommt er nun an neuen Lesestoff.

    1840

  • Jakob Senn erwirbt erstmals ein Buch bei Apotheker Jucker, ein Kräuterbuch aus dem Jahr 1580. Die Bücherauswahl des Apothekers entspricht aber nicht mehr seinem Geschmack, er wird erstmals Abonnent einer Leihbibliothek aus Zürich.

    1843

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  • Bei Heinrich Jucker kann Jakob Senn einige Bände der Lebensgeschichte von Johann Heinrich Jung-Stilling erwerben. Unter dem Eindruck der Lektüre wagt Senn die ersten dichterischen Versuche. Er wird mit dem Verfassen der Grabinschrift seiner Stiefgrossmutter beauftragt.

    1844

  • Senn kann seine erste Sammlung von Gedichten vorweisen.

    1845

  • Ein Jahr nachdem Heinrich Jucker Fischenthal verlassen hat, macht Jakob Senn Bekanntschaft mit dem Volksdichter Jakob Stutz. Dieser hat sich 1841 in Sternenberg niedergelassen. Stutz wird zum Mentor und ermutigt den Fischenthaler, auch Prosatexte zu schreiben.

    1847

  • Um Stutz bildet sich eine Art Zürcher Oberländer Dichterschule. Seinen Zöglingen bietet Stutz ab 1850 mit der Monatsschrift «Bilder aus dem Leben unsers Volkes» eine Plattform. Stutz fordert Senn auf, Beiträge für die Monatsschrift zu liefern. Dieser schreibt Gedichte, Elegien, Balladen, Fabeln, Sagen, Erzählungen, Abhandlungen und Dialoge und zeigt damit, wie schnell sich seine schriftstellerische Arbeit und Stutz’ Einfluss ausweiten konnte.

    1850

  • Jakob Senn zieht Ende Januar 1856 in die Stadt Zürich. Hier arbeitet er sechs Jahre in einer Buchhandlung.

    1856

  • Jakob Senn veröffentlicht mit dem Gedichtband «Bilder und Asichte vo Züri» sein erstes Buch.

    1858

  • Ab 1861 wird Jakob Senn verlegerisch aktiv. Er gibt zusammen mit dem Publizisten Robert Weber die Zeitschrift «Grüne Wälder» heraus. Senn fühlt sich in seinem Element und will nicht mehr in der Buchhandlung arbeiten.

    1861

  • Jakob Senn gibt «Grüne Wälder» nach dem Zerwürfnis mit Weber nun alleine heraus. Ebenso arbeitet er an einer Vervollständigung des «Adressbuches der Schweiz über den Handels- und Handwerksstand» und bringt ein «Kleines Ortslexikon der Schweiz» heraus. Er verdient damit offenbar genug, um im März 1862 seine Stelle zu kündigen. Kurz zuvor ist sein unehelicher Sohn zur Welt gekommen. Ihn hält Jakob Senn bis 1868 von seiner Familie geheim.

    1862

  • Jakob Senn arbeitet an seinem Roman «Hans Grünauer». Im Mai 1863 schickt er einen Teil des Manuskripts an Gottfried Keller. Ob Keller je geantwortet hat, ist nicht bekannt. Der Roman bleibt ungedruckt. Dafür erscheint Ende Jahr eine Sammlung von Kurzprosa in Mundart. Gleichzeitig eröffnet er eine eigene Buchhandlung.

    1862/1863

  • Das Geschäft ist nicht erfolgreich. Im Oktober 1864 übersiedelt Jakob Senn nach St. Gallen zu seiner früheren Geliebten Anna Brandenberger, der Mutter seines Sohns. Das Paar heiratet im November. Bis 1867 führen die beiden ein Gasthaus.

    1864

  • Senn widmet sich nebenbei der schriftstellerischen Arbeit. 1865 erscheinen drei umfangreiche Werke, darunter – der Zeit weit voraus – «Kriminalgeschichten», mit 41 haarsträubenden Fällen auf 600 Seiten.

    1865

  • Senn beginnt zu spekulieren und kommt in finanzielle Schwierigkeiten. Im November 1868 verlässt er mit seiner Frau St. Gallen und wandert nach Uruguay aus. Er betätigt sich fortan als Buchhalter, Gärtner, Koch, Buchbinder, Plätter und Maler.

    1868

  • Auch in der neuen Heimat widmet sich Senn wieder dem Dichten. 1875 übersendet er ein Manuskript «Vom Silberstrome – Poetisches Bilderbüchlein» in die Schweiz, das allerdings zuerst ungedruckt bleibt.

    1875

  • Jakob Senn kehrt im August wieder in die Schweiz zurück. Im Auftrag der Regierung von Uruguay soll er in Zürich ein Auswanderungsbüro eröffnen. Doch Senn wartet vergebens auf das versprochene Geld. Da hilft auch die Veröffentlichung des Werks «Vom Silberstrome» wenig.

    1878

  • Seine Frau bittet ihn, nach Uruguay zurückzukehren, und Senn schliesst mit einem Auswanderungsagenten einen Vertrag ab. Doch zur Überfahrt kommt es nicht. Am 2. März kommt er von einem Spaziergang nicht zurück. Sein Leichnam wird am 5. März in der Limmat gefunden. In seinem Tagebuch finden sich dazu folgende Verse: "Innere Zerrissenheit / Sonder Friede / Machte, ach! mich vor der Zeit / Müde, müde."

    1879


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