Kinder, kommt, es ist wieder Versli-Zeit
Saminigginäggi …
Eine Adventszeit ohne Bärtige in roten Mänteln ist unvorstellbar. Auch wenn sich die Tradition über die Zeit verändert hat. Ein moderner Chlaus erzählt von seinem schönsten Erlebnis.
Schwer klopfte der Samichlaus an die Tür, als er einer Familie einen Hausbesuch abstattete. Ein Mädchen in rotem Kleid und langem Wattebart öffnet ihm die Tür. Ihre Augen leuchteten.
«Es war unglaublich. Die Wohnung war komplett mit Samichläusen dekoriert: Mobiles, Kerzen, Samichläuse auf dem Motorrad, auf Flugzeugen und sogar am Surfen. Das berührt extrem», erklärt Michel Fasciati. Er ist seit ein paar Jahren Teil der Chlausgruppe in Wetzikon. Dies war eine seiner schönsten Erinnerungen.
Ich wurde als Figur gefeiert. Das berührt extrem.
Michel Fasciati, Samichlaus in Wetzikon
Die Mutter hätte bereits angekündigt: «Achtung, unsere Mädchen glauben wirklich an den Samichlaus.» Der 55-Jährige hätte sich keinen schöneren Empfang vorstellen können. «Sie werden als Figur gefeiert, und dieses Gefühl ist unbeschreiblich.» Ein solches Zuhause sei ein Heimspiel – man könne eigentlich nichts falsch machen.
Der moderne Chlaus
Diese weihnächtliche Tradition ist stets im Wandel. Früher sei der Samichlaus sehr nahe am Knecht Ruprecht gewesen, beginnt der Chlaus zu erläutern. Das heisst, er hätte sich ein Urteil über das Verhalten der Kinder geschaffen und sie unter Umständen sogar bestraft. «Er war nicht nur eine positive Figur», sagt Fasciati. Für die bösen Kinder hätte er ja auch die Fitze dabei gehabt oder sogar den Sack, um sie mitzunehmen. Mit der Zeit habe sich dies aber geändert. Eine pädagogische Funktion ist jedoch geblieben.
Kinder wollen wissen, was der Samichlaus im Sommer macht.
Michel Fasciati, Samichlaus in Wetzikon
Heutzutage wolle man Kinder fördern, unterstützen und wohlwollende Tipps geben, statt sie zu belehren. «Reines Tadeln hat auf Kinder sowieso keine Wirkung», meint Fasciati. Die Stärken der Kleinen werden heute vielmehr herausgehoben. Bei den Schwächen bespreche man, was die Kinder besser tun könnten.
Dabei begegne man ihnen auf Augenhöhe, was die Dynamik verändere. Die Kinder sind zutraulicher und werden neugierig: «Sie wollen alles über den Samichlaus wissen: Wo kommt er her, wo wohnt er und vor allem, was macht er im Sommer.» Auf solche Fragen muss der moderne Chlaus gewappnet sein.
Fasciati hat mit seinen Kollegen vorgesorgt und einen eigenen Mythos kreiert. «Im Sommer geht der Samichlaus in die Berge. Dort setzt er sich mit dem Schmutzli an den Rand eines Bergsees und schaut zu, wie die Sonnenstrahlen auf dem Wasser glitzern.»
Ironie für Erwachsene
Die Vorbereitung im Vorfeld sei wichtig. Bei Kindern wie auch bei Erwachsenen. Fasciati erklärt, dass er sich an sein Publikum anpassen muss: «Ironie ist dabei sehr wichtig. Sie verbindet und bringt zum Lachen.»
Egal, ob bei Reitervereine, bei einem Konvent von Lehrerinnen und Lehrern oder im Altersheim: aktuelle Bezüge müssen heruntergebrochen und in einen weihnächtlichen Kontext gestellt werden. «Als ich einmal als Schmutzli im Altersheim dabei war, hat mein Chlaus-Kollege über die Wetziker Weihnachtsbeleuchtung gesprochen. Das war damals ein grosses Thema», erinnert sich Fasciati. Und mit politischen Hieben nach links oder rechts hätte er die Menschen für sich gewonnen.
Nüssli, Mandarinli und Versli in der Region
Es gibt in der Region verschiedene Varianten, wie man auf den Samichlaus treffen kann: am Umzug, im Zauberwald oder beim Würstchen bräteln. Die Attraktionen haben keine Grenzen.
In Illnau mit dem Samichlaus grillieren
Wer mit dem Samichlaus am Lagerfeuer grillieren will, muss nach Illnau. Am Samstag, 2. Dezember, um 17.15 Uhr geht es beim roten Sportplatz beim Oberstufenschulhaus Hagen los: Gemeinsam geht es zum Samichlaus und zum Schmutzli und dann zum Festplatz in der alten Kiesgrube Punt. Inmitten von flackernden Finnenkerzen werden Versli und Lieder vorgetragen. Aufgewärmt wird mit Punsch, und ein Chlaussäckli darf natürlich nicht fehlen.
Ab zum Chlausmärt in Dübendorf
Der Samichlaus und der Schmutzli warten mit Einscheller, Zwergli und Eseli am Samstag, 2. Dezember, um 16 Uhr am Bahnhof Dübendorf. Mit dem Chlauseinzug wird in Richtung Chlausmärt spaziert, der gleich beim Stadthausplatz liegt.
Durch die Wetziker Abenddämmerung
Die Weihnachtszeit beginnt in Wetzikon mit dem feierlichen Samichlaus-Einzug. Am Sonntag, 3. Dezember, geht es beim Schulhaus Guldisloo um 16.45 Uhr los. Die Chläuse tragen ihre edlen Gewänder und sind schon von weitem an ihren Glocken zu erkennen. Begleitet werden sie von den Schmutzlis und dem Esel. Beim Eindunkeln geht der Umzug mit Fackeln und bunten Laternen los.
Mit Esel, Pferd und Zwergli durch Uster
Beim Umzug in Uster sind alle mit dabei: der Samichlaus, der Schmutzli, das Zwergli, Lichtchläuse, Trychler samt Esel und Pferd. Am Sonntag, 3. Dezember, startet der Umzug um 16.45 Uhr beim Feuerwehrgebäude Uster und führt via Dammstrasse, Bankstrasse, am Bahnhof entlang auf den Stadthausplatz in Uster. Kinder können ihre Versli aufsagen und erhalten ihr Säckli. Ausserdem gibt es Grillwürste und Glühwein. Danach gehen die Helferinnen und Helfer Richtung Spital und Altersheim und verteilen dort Grittibänze.
Im Zauberwald in Pfäffikon
Der Samichlaus kommt in Pfäffikon dieses Jahr nicht nur mit dem Schmutzli und dem Eseli, sondern hat auch seinen ganzen Zauberwald dabei. Am Mittwoch, 6. Dezember, empfängt der Mann im roten Mänteli um 16 Uhr die Kinder beim Chesselhuus mit Spitzbuben-Guetsli und freut sich auf Versli und Lieder.
Mobil mit dem Chlaus
Ob im Bus oder in der Dampflok: Das Samichlaus-Erlebnis gibt es auch mobil. Mit dem Samichlaus-Bus der VZO fahren die Kinder mit dem Chlaus bis zu ihm nach Hause: in den Wald. Dort können sie dann alle seine Geschichten zu seinen Tierchen und Helferlein hören. Oder man macht sich mit dem Dampfzug des Samichlaus-Express ab Bahnhof Bauma auf eine ganz besondere Reise, um den Mann im roten Mantel zu suchen.
