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Pendelnd zwischen politischen Interessen und dem kulturellen «Sumpf» 

Der ehemalige Journalist und Drehbuchautor Jürg Brändli aus Wald leidet in seinem neusten Buch mit dem Protagonisten mit.

Der Autor Jürg Brändli wurde in Wald geboren, wohnte lange Zeit in Zürich, bis es ihn schliesslich doch wieder in die Heimat zog.

Foto: Luca Da Rugna

Pendelnd zwischen politischen Interessen und dem kulturellen «Sumpf» 

Neuer Roman von «Grounding»-Autor

Vom glanzvollen Leben in Kalifornien zurück nach Zürich. Auch der Walder Autor Jürg Brändli erlebte in seinem Leben Höhen und Tiefen und leidet mit dem Protagonisten in seinem neuesten Buch mit.

Wer die ersten Zeilen dieses Buchs liest, will weiterlesen. Es ist keines dieser Bücher, in die man als Leser einmal für zwei Kapitel hineinschnuppert und dann wieder zur Seite legt. Der 52-jährige Drehbuch- und Romanautor Jürg Brändli aus Wald versteht sein Handwerk und weiss, was eine gute Geschichte braucht. Den Beweis dafür hat er spätestens 2006 mit dem Drehbuch des Films «Grounding – Die letzten Tage der Swissair» geliefert. Vor allem Authentizität und eine gehörige Portion Gesellschaftskritik liegen ihm am Herzen.

Sein neuster Roman «Jenseits von Hollywood» zieht den Leser in eine glanzvolle und doch kalte Welt, in der die Realitäten des Lebens aufgezeigt werden, von denen selbst vermeintliche Stars nicht gefeit sind.

Denn Brändlis privilegierte Romanfigur, ein nach Hollywood ausgewanderter Oberländer Regisseur, gerät in ihrer Wahlheimat Amerika in Ungnade und muss schweren Herzens in die Schweiz zurück. Hier versucht der junge und erfolgreiche Filmregisseur, erneut Fuss zu fassen, und fällt in einen Graben zwischen Politikern und Kulturförderern. Ein Konflikt, der zu innerer Zerrissenheit führt.

Eine lang gehegte Idee

Die Idee für sein neustes Buch hatte Jürg Brändli seit rund 20 Jahren im Kopf. «Als die Dixie Chicks 2003 an einem Konzert in London den Irakkrieg der Amerikaner kritisierten und sie daraufhin im eigenen Land boykottiert wurden, hat mich das ziemlich schockiert», sagt Brändli. Lange habe er die Idee verfolgt, eine fiktive Geschichte zu schreiben, die eine vergleichbare Situation beschreibt. Allerdings wäre dieses Mal ein Schweizer Staatsbürger in der Rolle des Kritikers.

In seinem Roman kritisiert seine Hauptfigur als erfolgreicher Filmregisseur am Filmfestival in Cannes die amerikanische Regierung hinsichtlich des Afghanistankriegs. Nur kurz darauf wird er noch während seiner Rückreise nach Kalifornien des Landes verwiesen und erhält ein dauerhaftes Einreiseverbot, was seiner Karriere beinahe ein Ende bereitet. «Wer hoch steigt, kann bekanntlich tief fallen», sagt Brändli.

Selbstverständlich versucht der Protagonist des Romans, der übrigens in Wetzikon aufwuchs, sich seine Rolle als bekannter Regisseur zurückzuerobern. Und von diesem Zeitpunkt an nimmt die Geschichte so richtig Fahrt auf.

Etwas länger dauert es jeweils, wenn ein Roman von Jürg Brändli entsteht. Dies passiert zunächst im Kopf und dann auf unzähligen Seiten an Notizen. «Es ist ein längerer Prozess, bis alle Figuren erschaffen sind und ich weiss, was mit ihnen bis zum Schluss der Geschichte passiert.» Schon im Vorfeld ein passendes Ende zu finden, sei der eigentliche Beginn für einen Roman. Das Schreiben selbst sei dann keine allzu grosse Sache mehr. «Diesen Roman habe ich in drei Monaten während des letzten Lockdowns zu Papier gebracht.»

«Endlich frei»

Wie die Hauptfigur seines aktuellen Romans blickt auch der Autor auf eine Karriere mit vielen Höhen und Tiefen zurück. Ein Glücksfall sei für ihn die in den 90er Jahren entstandene Freundschaft mit dem Schweizer Filmemacher Michael Steiner («Early Birds», «Wolkenbruch», «Sennentuntschi») gewesen. Mit ihm produzierte er 1996 mit «Nacht der Gaukler» dann auch seinen ersten Film. Das Drehbuch dazu schrieb er während seiner Ferien, als er noch für das «Tagblatt der Stadt Zürich» schrieb.

Auch der Film «Grounding – Die letzten Tage der Swissair», auf dessen Drehbuch Brändli noch heute besonders stolz ist, entstand in Zusammenarbeit mit Michael Steiner. Wie Brändli genau ins Filmgeschäft kam, weiss er heute nicht mehr. «Ich bin da irgendwie reingerutscht.»

Jahre später war Jürg Brändli ausgebrannt, musste sich aus gesundheitlichen Gründen zurückziehen und stellte fest, dass ihm die Filmwelt und die hiesige Kulturszene plötzlich fremd war. «Irgendwann wurde mir politisch alles zu korrekt.» Als liberal-konservativ eingestellter Mensch sei man in der Filmbranche praktisch allein und werde kaum geduldet.

Zudem sei es immer schwieriger, ein Drehbuch nach den eigenen Vorstellungen zu schreiben. Zwar sei die Filmbranche mit viel Renommee verbunden, doch zugleich werde man von ihr auch politisch beeinflusst. «Es wird einem viel hineingeredet, und letztlich liegt die Macht in den Händen des Regisseurs», sagt Brändli. Er wolle die Zeit nicht missen, doch ist er auch froh, nun frei von Anweisungen schreiben zu können. «Ich war schon immer ein verhinderter Schriftsteller und eigentlich kein Drehbuchautor.»

Jürg Brändli (1971) aus Wald ist ehemaliger Journalist und Drehbuchautor von «Grounding – Die letzten Tage der Swissair». Nach vielen Jahren im Filmgeschäft zog er sich aus der Branche zurück und schreibt nun Romane und Kurzgeschichten. Sein neuster Roman «Jenseits von Hollywood» ist im September 2023 im Verlag Edition Königstuhl erschienen. Das Buch ist in den meisten Schweizer Buchläden erhältlich.

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