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Kultur

Das Therapiebad in Wila wird zum Raum für Ideen

Musik statt Babyschwimmen: Das haben die neuen Betreiber mit dem «Wellentanz» in Wila vor.

Jean-Pierre Kousz und Barbara Münch haben viele Ideen für ihre Villa Wellentanz. Nur ein Bad wollen die beiden nicht betreiben.

Foto: Bettina Schnider

Das Therapiebad in Wila wird zum Raum für Ideen

Wellentanz geht weiter

Barbara Münch und Jean-Pierre Kousz haben das Wohnhaus mit dem früheren Therapiebad Wellentanz in Wila gekauft. Sie sind keine Wasserratten – und setzen deshalb auf ein anderes Programm.

Wer dieses Wohnhaus in Wila betritt, dem stechen Wellen sofort ins Auge. Sie zieren schon die Eingangstür. Doch mit Wasser hat das Haus nichts zu tun – oder besser gesagt nichts mehr.

Über 20 Jahre lang befand sich im Wohnhaus das Therapiebad Wellentanz. Es gab therapeutische Angebote wie Wassershiatsu – aber auch Babyschwimmen. Seit März ist dieses Angebot Geschichte.

Vor drei Jahren hat sich die Eigentümerin entschieden, das Haus samt Bad zu verkaufen. Fündig geworden ist sie diesen Sommer bei Jean-Pierre Kousz und Barbara Münch. «Wir sind überhaupt keine Wasserratten», erklärt Münch. Die beiden haben andere Pläne.

«Teure Badewanne»

«Wir sind beide sehr kulturinteressiert und waren auf der Suche nach einem Ort, wo wir kleinere Veranstaltungen durchführen können», sagt Jean-Pierre Kousz. Eigentlich hatten sie zunächst ein anderes Projekt in ihrer ehemaligen Wohngemeinde Volketswil im Auge.

Doch als sie das Haus zum ersten Mal besichtigt hatten, waren die beiden sofort angetan. «Wir haben uns gedacht: ‹Boah, das ist ja wie Ferien hier.›» Die Lage am Ortsrand gefällt den beiden gut.

Etwas war für die beiden aber sofort klar: Das Bad können sie nicht weiterbetreiben. «Das wäre viel zu teuer gewesen», erklärt Kousz. Die Anlage war veraltet und hätte dringend renoviert werden müssen. Und der Betrieb würde im Jahr über 20’000 Franken kosten. «Das ist dann eine sehr teure Badewanne», fügt Münch an.

Schliesslich waren sie auf der Suche nach einem Haus mit einem Raum für kleinere Veranstaltungen und nicht zum Schwimmen. Das ehemalige Bad haben die beiden im Sommer umbauen lassen.

Stauraum statt Becken

Wo früher der Zugang zum Becken war, befindet sich jetzt ein Raum mit Holzboden und einer kleinen Bühne. Doch das Becken ist nicht ganz verschwunden. «Wir nutzen es jetzt einfach als Stauraum», sagt Münch.

Denn die beiden wollen im neu gestalteten Raum kleinere kulturelle Veranstaltungen durchführen. Ein erstes kleines Konzert ist für nächstes Wochenende bereits geplant: Zwei Streicher und eine Pianistin haben sie dazu eingeladen.

Gross sind weder der Saal noch die Bühne. «Es haben maximal drei Musiker Platz», betont Münch. Diese können vor gut 40 Gästen im Raum auftreten. «Wir machen hier Hauskonzerte.»

Ihnen ist es ein Anliegen, dass der Wellentanz weiterhin zugänglich bleibt für die Bevölkerung. «Wir haben gespürt, dass viele das Ende des Therapiebads bedauern», sagt Kousz. Es sei ein emotionales Thema.

Ein Herzensprojekt

Im Schnitt wollen die beiden eine Veranstaltung pro Monat durchführen. Der Eintritt ist frei, es gibt lediglich eine Kollekte. Geld verdienen wollen die beiden nicht. «Der Wellentanz ist unser Herzensprojekt», sagt Münch.

Die 61-Jährige arbeitet immer noch Vollzeit als Audiologin, also als Hörspezialistin. «Das hat ja auch etwas mit Wellen und Akustik zu tun», meint sie. Sie malt aber auch sehr gerne. So zieren ihre Bilder nicht nur die Wände der Villa, sie hat auch das neue Logo gestaltet.

«Das ist nicht etwa auf dem Computer entstanden», betont sie, «sondern gemalt.» Auch dasjenige, das nun die Aussenseite des Hauses ziert – dort, wo früher das Schild des Therapiebads hing.

Haus von aussen mit Logo
Das Haus stand fast drei Jahre lang zum Verkauf. Nun ziert ein neues Logo das Gebäude.

Ihr Partner ist vor allem für das Technische zuständig. Kousz führte eine eigene Elektrotechnik- und Informatikfirma, die er nun an einen Nachfolger übergeben hat. Sein technisches Know-how kann er jetzt in der Villa Wellentanz nutzen.

Trotzdem ist auch er begeistert von Kunst und Musik, obwohl ihm als Kind der Instrumentalunterricht verwehrt blieb. «Ich war ein ‹Schulversager›», erinnert er sich. «Und als Strafe durfte ich kein Instrument lernen.»

Später nahm er trotzdem noch Klavierstunden. «Aber ab einem gewissen Alter ist es einfach schwieriger, ein Instrument zu lernen.»

Livestreams oder Yoga

Münch und Kousz wollen sich aber nicht nur auf kulturelle Anlässe konzentrieren. «Wir sprechen hier wirklich von einem ‹Raum für Ideen›», sagt der 66-Jährige. «Wir sind schliesslich dazu gekommen wie die Jungfrau zum Kind.» Es gebe unzählige Möglichkeiten.

Kousz betreibt nebenher noch eine Firma, die Livestreams von Veranstaltungen durchführt. «Dafür könnte man den Raum ebenfalls nutzen», meint er. Oder auch für Vereinsanlässe oder Kurse.

Und auch Barbara Münch hat Ideen. «Ich bin gerade dabei, die Ausbildung zur Yoga-Lehrerin zu absolvieren», verrät sie. Dereinst könnte sie in der Villa Stunden anbieten. «Ich bin vermutlich die erste Yoga-Lehrerin, die einen Raum dazu hat, bevor sie Lektionen geben kann.»

Am Samstag, 14. Oktober, findet um 18.30 Uhr ein Konzert von Yulia Miloslavskaya (Piano), Tanja Sonc (Violine) und Ribal Molaeb (Viola) in der Villa Wellentanz an der Gassackerstrasse 9 in Wila statt. Sie spielen Werke aus dem Repertoire von Frédéric Chopin, César Franck, Robert Schumann, Max Bruch und Jules Massenet.
Der Eintritt ist frei, es gibt eine Kollekte. Ein Ticket buchen kann man unter www.wellentanz.ch.

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