Immer noch so viele Sängerinnen wie vor 150 Jahren
Frauenchor Rüti-Tann feiert Jubiläum
Am Samstag, 30. September, feiert der Frauenchor Rüti-Tann mit einem Jubiläumskonzert das 150-jährige Bestehen. Auch heute singen im Chor noch genauso viele Sängerinnen wie bei der Gründung.
Sie sind eingespielt, haben unzählige Konzerte hinter sich und proben jeden Dienstag über eineinhalb Stunden. 14 aktive Sängerinnen zählt der Frauenchor Rüti-Tann. Das sind noch genauso viele, wie es 1873 bei der Gründung des Chors waren. Und ebendiese 14 Frauen im Alter von 31 bis 83 Jahren feiern am Samstag, 30. September, in der reformierten Kirche Rüti mit einem grossen Konzert dessen 150-jähriges Bestehen.
Es ist mit Abstand der älteste Frauenchor in der Region. Und obwohl viele ältere Frauen altersbedingt aus dem Chor austreten, werden immer wieder neue talentierte Sängerinnen gefunden, die nachrücken.
Bruder von Joseph Haydn im Zentrum
Im Mittelpunkt des Jubiläumskonzerts steht eine Messe von Johann Michael Haydn (1737–1806), dem Bruder des berühmten Komponisten Joseph Haydn, unter der Leitung von Dirigentin Marilena Brazzola. Es ist die «Missa sub titulo Sancti Leopoldi», eine Messe für Frauenchor, Soli, Streicher, Hörner und Orgel. Komponiert wurde sie im Jahr 1805 als letztes vollendetes Werk Haydns für die Salzburger Kapellknaben. Aber auch Stücke von Komponisten wie Johannes Brahms (1833–1897), Wolfgang Amadeus Mozart (1756–1791) oder Franz Schubert (1797–1828) werden vorgetragen.
Das Spektrum erweitern
Die Tessiner Dirigentin Marilena Brazzola aus Kaltbrunn SG ist der Musik seit ihrer Kindheit eng verbunden. Sie studierte Alte Musik in Zürich und dirigierte bereits viele Chöre. Im Frauenchor Rüti-Tann ist sie noch bis Ende Jahr aktiv, bevor es sie als Organistin und Chorleiterin in ihre Heimatregion zieht. Es ist ihr letztes Konzert mit dem Frauenchor Rüti-Tann.
«In den Sommerferien haben wir intensiv gesucht und wohl bereits eine passende Nachfolgerin gefunden», sagt Katharina Liechti, die langjährige Präsidentin des Frauenchors. Noch stehe jedoch ein Probedirigat mit der potenziellen Nachfolgerin aus, bevor der Chor seine definitive Wahl treffe.

In der Vergangenheit habe sich der Chor hauptsächlich auf Kirchenmusik fokussiert. Nun wollen die Sängerinnen den Fächer öffnen. «Künftig möchten wir auch populäre Stücke, wie beispielsweise aus dem Bereich der Filmmusik, singen, ohne dass wir die klassische Musik vernachlässigen», betont Liechti. Der Chor soll nicht auf die ultramoderne Schiene geraten, aber in der Vielseitigkeit vielleicht etwas beschwingter werden.
Eine bewegte Geschichte
14 singfreudige Frauen gründeten mit vier Passivmitgliedern im Jahr 1873 den Frauenchor Rüti. 1877 erfolgte der Beitritt zum Bezirksgesangsverein Hinwil (bereits 1842 gegründet). 1883 wurde der Frauenchor zwischenzeitlich in «Töchterchor» umbenannt. Offenbar war der Chor damals nur ledigen Frauen zugänglich, denn nach der Heirat mussten sie den Chor verlassen.
1923, nach 50 Jahren, sah es anders aus: 60 Frauen sangen im Frauenchor. 1928 erfolgte eine weitere Umbenennung zu Frauen- und Töchterchor. 1948 brachte der wirtschaftliche Aufschwung nach dem Zweiten Weltkrieg jedoch einen starken Rückgang der Mitgliederzahlen. 1961 hatte der Chor schliesslich keinen Dirigenten mehr und sang beim Gemischten Chor Rüti mit.
1972 wurde gar über die vollständige Auflösung diskutiert. Doch darauf erfolgte der Zusammenschluss mit dem Frauenchor Tann. 1983 schloss man sich der Chorgemeinschaft am Bachtel an. 1988 wurden die Sängerinnen wieder eigenständig und nannten sich fortan Frauenchor Rüti-Tann.
Das Konzert findet am Samstag, 30. September, um 19 Uhr in der reformierten Kirche Rüti statt. Der Eintritt ist frei. Es gibt eine Kollekte. Das Programm dauert ungefähr eine Stunde. Für das Konzert hat die 94-jährige Rütner Künstlerin Gertrud Müller eigens ein Bild angefertigt, das sie am Samstag vor Ort zu einem festen Preis verkaufen wird. Auch ihr Bild «Dona nobis pacem» (Gib uns Frieden) wird am Konzert zu sehen sein.
