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Wetzikon feiert seinen Pionier mit einem Gesangsfest

In diesem Jahr wäre er 250 Jahre alt geworden - Hans Georg Nägeli wird in Wetzikon mit einem Gesangsfest gefeiert.

In diesem Jahr wäre der wohl berühmteste Sohn der Stadt Wetzikon 250 Jahre alt geworden.

Bild: Wetzipedia

Wetzikon feiert seinen Pionier mit einem Gesangsfest

«Hans Georg Nägeli»-Jubiläum

Mit Konzerten, Chören und Singworkshops zelebriert die Stadt Wetzikon ihren berühmtesten Komponisten zu seinem 250-Jahr-Jubiläum.

Ende Woche ist es so weit. Die Stadt Wetzikon huldigt gemeinsam mit dem Verein HGN250 den Komponisten und Pädagogen Hans Georg Nägeli anlässlich des 250-Jahr-Jubiläums seines Geburtsjahrs mit einem dreitägigen Gesangsfest.

«Nägeli war ein Vereinsmensch, und die Vereine bieten eine einzigartige Struktur, in der jede Person mit ihrer Teilnahme etwas bewirken kann», sagt Carole Bruderer-Blanchard vom Verein HGN250. Sie wohnt seit 20 Jahren in Wetzikon und singt im katholischen Kirchenchor der Stadt. Dazu ist sie dessen Präsidentin.

Der Wetziker «Rebell»

Nägelis Werte und Ideen galten zu seinen Lebzeiten schon als modern und sind es heute noch. Der am 26. Mai 1773 Geborene war Jungstar, Pionier, Pädagoge, Komponist, Chorleiter und Verleger. Dazu war er weit über die Region hinaus vernetzt und engagierte sich politisch.

Im 19. Jahrhundert begannen die Gesangsvereine zu wachsen. Nägeli war jener, der sich fokussiert für deren Anzahl und Vielfältigkeit einsetzte. «Er machte sich einige Feinde, da es damals fast nur Volksmusik gab», sagt Bruderer. 

Zu jener Zeit habe es grosse Spannungen zwischen den konservativen und liberalen Kräften gegeben. Die Art der Musik war damals eine Angelegenheit der sozialen Klasse und des Bildungsniveaus. Die Vertreter der klassischen Musik waren nicht begeistert von Nägelis Ideen.

Zur Person:

Am 26. Mai 1773 wird Hans Georg Nägeli als 4. Sohn des Wetziker Pfarrers Hans Jakob Nägeli und Emerentinia Witz geboren.

Er singt früh in der Wetziker Singgesellschaft mit, die sein Vater seinem Vorgänger Pfarrer Johannes Schmidlin übernommen hatte.

Ab 1790 nimmt Nägeli Klavierunterricht beim deutschen Pianisten Johann David Brüning in Zürich.

1791 eröffnet Nägeli eine Musikalienhandlung samt Leihbibliothek in Zürich.

1805 die Heirat mit der Buchbinderstochter Anna Elisabeth Rahn (1784–1862) und Gründung des Zürcher Singinstituts.

1807 geht Nägeli bankrott und muss die Musikalienhandlung an seinen Freund und Kreditgeber, dem Wetziker Pfarrer Christoph Hug, übergeben. (Heute noch als Musik Hug bekannt)

1809/1810 Veröffentlichung der «Gesangsbildungslehre nach Pestalozzischen Grundsätzen».

1811 Nägeli wird Präsident der Schweizerischen Musikgesellschaft.

1823 entsteht in Wetzikon der erste Sängerverein nach Nägelis Vorbild.

1826 Gründung und Leitung des Männerchors Zürich.

1828 Gründung des «Musikalischen Frauenvereins» in Zürich.

1831 Nägeli wird in den Erziehungsrat gewählt, 1835 in den Grossen Rat.

Am 26. Dezember 1836 stirbt Nägeli in Zürich, die Stadt würdigt ihn am 1. Juni 1837 mit einer Trauerfeier in der Fraumünsterkirche.

Als Sohn eines Pfarrers mochte Nägeli die vorherrschenden Konventionen nicht. Am liebsten habe er sie alle sprengen wollen. Denn was für die Politik galt, galt auch für die Religion. Katholiken und Reformierte sprachen kaum miteinander. «Nägeli organisierte die ersten gemischten Laienchöre in der Schweiz und versuchte nach und nach, auch Frauen zu integrieren, die damals nicht singen durften», sagt Bruderer. Musik sei schon damals ein Bindeglied für alle gewesen.

Ein Schriftdokument.
Hans Georg Nägeli war einer der ersten, der die Teilhabe der Frauen am kulturellen Leben förderte.

In exakt diesem Zeichen stehen die anstehenden Gesangsfeste. Singen und kulturell am öffentlichen Leben von Wetzikon teilhaben. «In dieser Stadt leben 130 verschiedene Nationalitäten, vielleicht schaffen wir es ja mit Gesängen, alle ein wenig näherzubringen.»

Unabhängig von Alter, Geschlecht oder gesellschaftlichem Stand könne man die Welt ein wenig besser machen. «Singen ist nicht nur eine gute Übung für Körper und Geist, sondern macht uns zu besseren Menschen», sagt Bruderer.

Bitte keine Hemmungen

Ist die Mitgliedschaft in einem Chor, sind Chorgesänge überhaupt noch zeitgemäss? Mit dieser Frage hat sich Carole Bruderer ernsthaft auseinandergesetzt. Sie kam zum Schluss: Ja. Auch wenn die Zahl an Vereinsmitgliedern tendenziell eher sinkt als steigt.

«Ich glaube, dass viele Menschen sehr gerne und auch gut singen würden.» Bruderer machte die Erfahrung, dass vielen Leuten die eigenen Ängste vor einem möglichen falschen Ton in einer Gruppe im Weg stehen. Dabei sei man in einer Gruppe wie einem Chor eben gerade nicht so exponiert, wie man es allein auf einer Bühne wäre.

Ohnehin könne ein Chor akustisch hin und wieder ganz gut einen individuellen Fehler auffangen. «Natürlich gibt es Etablierte und Anfänger, doch mit unseren Workshops vom Wochenende möchten wir allen die Möglichkeit bieten, einmal in einen Chor hineinzuschnuppern und gleich mitzusingen», sagt Bruderer.

An verschiedenen Standorten rund um das Schulhaus Lendenbach und die reformierte Kirche gibt es Singchöre wie auch Sprechchöre, um ganz grundsätzliche Dinge wie die richtige Atmung und das Aussprechen der Texte zu üben. Das Potenzial stehe im Vordergrund, nicht die Qualität.

«Die kommt mit der Zeit ganz von selbst.» In ihrem Kirchenchor seien seit kurzer Zeit vier Neuankömmlinge mit von der Partie. Dank den Noten und dem Zuhören sei ein sanfter Einstieg einfach geglückt. «Ein Chor soll gesellig und solidarisch sein, Konkurrenzdenken ist fehl am Platz.»

Was das Programm zu bieten hat

Neben dem Eröffnungskonzert vom Freitagabend, an dem mitunter der Madrigalchor Wetzikon sowie der Kammerchor vom Konservatorium Winterthur auftritt, finden die für das Publikum partizipativen Teile alle am Samstag statt.

Nach der Begrüssung durch den Stadtpräsidenten Pascal Bassu (SP) und einer Fahnenzeremonie mit Chorauftritten sowie einem «Einsingen um 9» für alle, gibt es während des Tages zwei verschiedene Workshops. Jener für die eher erfahrenen Sängerinnen und Sänger erfordert einen Tagespass zum Preis von 30 Franken. Dabei werden beispielsweise die Fähigkeiten im Mithören verfeinert oder Jodellieder und Chorimprovisationen geübt.

Ein Frauenchor auf einer Bühne. Ein Mann dirigiert.
Sie waren bereits in der Tonhalle zu sehen: Der Bubiker Frauenchor singt auch in Wetzikon für Hans Georg Nägeli.

Im Workshop für die «Amateure» liegt der Fokus darauf, die Freude am Singen in der Gruppe zu erleben. Dabei können die Teilnehmerinnen und Teilnehmer (auch Kinder) mit Stimmakrobatikübungen ihre Stimme testen, an einem Sprechchor teilnehmen oder ihre Fähigkeiten im Lachen und Gähnen üben. All die Übungen werden durch Sängerinnen und Sänger unterstützt. Der Eintritt für diesen Workshop für alle ist frei.

Am Gesangsfest vom Samstag, 23. September, sind mit von der Partie: der Singkreis Hittnau, der Frauenchor Bubikon, der Sängerbund Wetzikon, der Männerchor Gossau-Ottikon, die Flausenkids, der Jugendchor Brüll, der Kinderchor Perespiv, die Jungen Stimmen Zürich, der Jodler-Club Seerösli Wetzikon, der Chor Wangen-Brüttisellen, das Vokalensemble Cantapè, der Männerchor Kempten, der Frauenchor Hombrechtikon, der Gospelchor Wetzikon, der Männerchor Wald-Laupen, der Sofa Chor, Alpha-Cappella und der Seefelder Kammerchor. Alle genauen Angaben zum genauen Ablauf des Gesangswochenendes und zu den Tickets finden Sie unter www.hgn250.ch.

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