Amapoli Creative Place – neue Kunst in verwinkelten Ateliers
Kunstdorf in Bertschikon
Im Bertschiker Kunstdorf Amapoli steht zum vierten Mal die Vernissage zum Sommerausklang an. Die bei Künstlerinnen und Künstlern begehrte Ausstellungsstätte entwickelt sich von Jahr zu Jahr weiter.
Patricia Ouboter ist mittlerweile routiniert und doch noch etwas aufgeregt. Sie mag es, organisatorisch alle Fäden in den eigenen Händen zu halten.
Am Freitag steht die vierte Vernissage in dem von ihr ins Leben gerufenen Kunstdorf Amapoli in Bertschikon bei Gossau bevor. Einem kulturellen Ort, den es so wohl kaum wo sonst zu finden gibt. «Ich habe diesen idealen Ort ganz zufällig während eines Spaziergangs gefunden.»
Seit dem Frühling steckt die Liegenschaftsverwalterin und Freizeitkünstlerin in den Vorbereitungen für die neue Ausstellung von insgesamt elf Künstlerinnen und Künstlern, die alle über ein beträchtliches Potenzial verfügen.
Darunter Ouboter selbst. Sie malt mit Pinsel oder Bleistift, kreiert Gipsskulpturen oder übt sich in der Kunst als Steinmetzin. Es ist ihre kreative Flucht vom manchmal eher «trockenen» Büroalltag.
Regelmässiger Turnus
Damit die Ausstellungen, die teils in einer alten Schreinerwerkstatt, einer ehemaligen Scheune und in Wohnhäusern stattfinden, keine jährlich stets im September wiederholten Anlässe, sondern Präsentationen sind, die immer wieder neue kreative Elemente in sich bergen, wechselt die Kunstbegeisterte von den elf Künstlern jeweils vier pro Jahr aus.
Die restlichen sieben sind dauerhaft in insgesamt sieben Ateliers eingemietet und garantieren, für jede Ausstellung wieder neue Werke zu zeigen.
Auch Sauberkeit und Ordnung – zwei Dinge, die Menschen mit Hang zur Kreativität oft etwas abgehen – scheinen in den Ateliers von Bedeutung zu sein. Und ebenfalls die Beleuchtung und die verschiedensten Ausstellungsmöglichkeiten wie Sockelsäulen für Skulpturen zeugen davon, dass die Professionalität im einem Labyrinth ähnlichen Kunstdorf möglichst hochgehalten wird.
Dies bestätigt sich auch deshalb, da sich die pro Vernissage vier neuen Künstlerinnen und Künstler bei Patricia Ouboter mit einem Portfolio bewerben müssen. «Mittlerweile geniessen wir bereits ein gewisses Renommee, was sich auch in der Anzahl an Bewerbern niederschlägt», sagt Ouboter.
Viele Kunstschaffende seien selbst an vergangenen Vernissagen erschienen und hätten sie gleich darauf angesprochen, ob auch sie Teil des Kunstdorfs werden dürften. Sie könne leider längst nicht allen Interessenten einen Raum zur Verfügung stellen.
Und jene «Auserwählten», die für eine gewisse Zeit ein Atelier bekommen, müssen nach der Finissage ihren Platz schon bald wieder räumen. «Ich glaube, dass dieser regelmässige Turnus enorm wichtig ist, um die Lebendigkeit unseres Kunstdorfs aufrechtzuerhalten», sagt Ouboter. Für Konstanz sorgen die anderen sieben Künstlerinnen und Künstler, die dauerhaft eingemietet sind. Dazu gehören Paola Ciot, Claudine Hotz, Katharina Jörimann, Kurt Walter, Martha Graf, Patricia Ouboter sowie deren Mutter, Trudy Ouboter.
Die neuen Objekte
Wie üblich haben sich sowohl die bisherigen als auch die neuen Künstlerinnen und Künstler viel für die bevorstehende Vernissage einfallen lassen. Viele Objekte vom letzten Jahr sind neuen gewichen.
Dieses Jahr sind Bilder und Skulpturen von Eveline Piazzi dazugekommen.
Jürg Treichler wird die Besucher mit wunderbaren Gemälden, meist Sujets im Zusammenhang mit der Stadt Zürich, verzücken.
Marianne Spörri wiederum schafft mit ihren Glasmosaik-Werken einen Kontrast zu den unzähligen Bildern im Kunstdorf.
Die Bilder von Künstler PEO sind mit Worten nur schwer zu beschreiben – besser, man sieht sie sich an.
Breite Unterstützung
Um jährlich eine professionelle Ausstellung durchführen zu können, ist das Kunstdorf auf Sponsorenbeiträge angewiesen. Die Beiträge, die jede Künstlerin oder jeder Künstler bezahlt, würden nicht ausreichen. Doch Ouboter hat es mit viel Herzblut und Engagement geschafft, vor allem das kleine und mittlere Gewerbe für Sponsorenbeiträge zu gewinnen.
«Wir organisieren auch jährlich einen grösseren Sponsorenanlass, bei dem sogar der Gossauer Gemeindepräsident vor Ort ist und eine Rede hält.» Dieser habe selbst schon mehrere Kunstwerke an Vernissagen gekauft. «Die Gemeinde unterstützt uns grosszügig, und wir versuchen, mit 10 Prozent unserer Erlöse etwas zurückzugeben.» Im letzten Jahr ging ein Betrag an das Altersheim Grüneck.
Das Kunstdorf Amapoli Creative Place an der Usterstrasse 13 und 17 in Bertschikon bei Gossau führte 2020 erstmals eine Ausstellung durch. Seither gibt es jährlich eine Kunstausstellung, die jeweils im September stattfindet. Die Preise der Kunstwerke, Bilder, Skulpturen und des Schmucks variieren zwischen 200 und 4400 Franken. 10 Prozent der Verkaufserlöse gehen an gemeinnützige Zwecke in der Region Gossau. Die diesjährige Ausstellung läuft vom Freitag, 15., bis zum Sonntag, 24. September. Die Besucherinnen und Besucher können durch die verschiedenen Ateliers schlendern und einen Apéro geniessen. Am Samstagabend ab 20.30 Uhr wird die Band Lazy Blues Fellow in der Wood-Room-Bar, die eigentlich eine Schreinerei ist, nebenan für zusätzliche Unterhaltung sorgen. Zudem kümmert sich ein Grillmeister um das kulinarische Wohl der Gäste. (lda)