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Wenn Arno Camenisch vorliest, dann hören die Leute zu

Bei seiner Lesung in Turbenthal zog der Bündner Autor das Publikum in seinen Bann.

Alles, was er erzählt, ist genau so, wie er es erzählt. Das sagt Arno Camenisch über seine Werke.

Foto: André Gutzwiller

Wenn Arno Camenisch vorliest, dann hören die Leute zu

Bündner Schriftsteller in Turbenthal

Arno Camenisch hat aus seinem Roman «Die Welt» in Turbenthal vorgelesen. Er zeigte, dass er nicht nur ein guter Schreiber ist.

Am Mittwochabend waren in der Bibliothek Turbenthal die Blicke nur auf ihn gerichtet: Arno Camenisch. Der Bündner Schrifsteller las aus seinem neusten Roman «Die Welt» vor, der letzten Sommer erschienen ist.

Dort, wo normalerweise die Spielecke steht, stand der 45-Jährige am Mikrofon. Mit Jeans, schwarzem Hemd und schwarzen Converse-Schuhen. Er nahm die rund 50 Anwesenden mit auf eine Reise zurück in die Nullerjahre.

«Das muss schiefgehen»

Der Ich-Erzähler bricht vom Bündnerland auf und zieht über die Kontinente: von Hongkong über Australien bis nach Südamerika. Es ist die Geschichte einer Emanzipation – und der Befreiung.

«Wenn man schlief, dann schlief man, wenn man ass, dann ass man, und wenn man ausging, ging man aus.» Nach einem Jahr kehrte der Erzähler pleite zurück.

Ein Auszug aus dem Hörbuch. Gelesen vom Autor. Quelle: Youtube/lismio

Doch das Leben in der Schweiz war nicht mehr dasselbe: «Man kann nicht das Leben in den Schrank hängen und es sich ein Jahr später wieder überhängen, das geht nicht, das musste schiefgehen», las Camenisch vor. So zog es den Erzähler wieder in die Ferne.

Kein Volllabern

Das Publikum schien es nicht zu stören, dass dieser Roman von vielen Kritikern bisher nicht mit Lob überhäuft wurde. «Uninteressant, weil unspezifisch», schrieb beispielsweise Martin Ebel im «Tages-Anzeiger».

«Camenisch tritt hier als Schwafler auf, wie einer jener Globetrotter, die einen irgendwo auf der Welt in einer Bar volllabern mit ihren Fünf-Rappen-Weisheiten», kritisierte er.

Volllabern, das kann man Camenisch in Turbenthal sicherlich nicht vorwerfen. Rund eine Stunde lang las er ausgewählte Episoden aus dem Roman vor. Für die musikalische Begleitung sorgte Bassist Wolfgang Zwiauer.

Sprachkünstler Camenisch bewies dabei, dass er Texte nicht nur schreiben, sondern auch vortragen kann. Das Publikum hing an seinen Lippen. Wenn er las, waren die Blicke der – vor allem weiblichen – Anwesenden unablässig nach vorne gerichtet.

Camenisch sprach selbst vom «Zauber des Live-Moments». Als er nach den Auszügen aus dem Roman «Die Welt» einige kürzere Texte und Gedichte vorlas, ermahnte er das Publikum, keine Aufnahmen zu machen. «Diese Texte gibt es nur, solange ich lebe.»

Selbst aus dem Aargau

Wie gut dem Publikum die Lesung gefallen hat, bewies es anschliessend am Büchertisch. Es bildete sich eine Schlange. Geduldig signierte Camenisch die erworbenen Exemplare.

Dabei zeigte sich, dass er eine treue Fangemeinde hat. «Ich lese generell gerne und habe schon einige Bücher von ihm gelesen», erzählte eine Besucherin aus Kollbrunn. Sie habe sich sehr gefreut, ihn nun in Turbenthal live zu sehen.

Man sieht Personen, die an einem Büchertisch warten. Ein Mann signiert ein Buch.
Viele der Zuhörerinnen und Zuhörer nutzten die Gelegenheit, ihr Buch von Arno Camenisch signieren zu lassen.

Für den Bündner Autor nahmen andere aber auch einen längeren Weg auf sich. «Ich bin aus dem Aargau an die Lesung angereist», sagte Zuhörerin Nina Trost.

Erst kürzlich hatte sie in einer Bibliothek «Die Welt» entdeckt und das Buch am vergangenen Wochenende gelesen. Spontan habe sie dann auf Camenischs Website nachgeschaut und die Lesung in Turbenthal entdeckt.

«Letzte Woche war er in Italien, und jetzt geht er wieder nach Deutschland», erzählte sie. Gut für Trost, dass er zwischendurch noch einen Abstecher ins Tösstal gemacht hat.

Arno Camenisch: «Die Welt». Roman. Diogenes-Verlag, Zürich 2022. 137 Seiten. Der Roman ist im Buchhandel erhältlich.

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