Gesellschaft

In Rüti kämpft ein Verein gegen Armut und Food-Waste

Statt in die Tonne auf den Tisch: In Rüti gibt es einmal pro Woche Früchte und Gemüse zu Sonderpreisen zu kaufen.

Helfen beim Verein Uuftischt mit (von links): Silvana Graf, Kim Graf, Marcel Graf, Malaika Stegmüller, Rolf Schenkel und Nadine Schenkel.

Foto: Luc Müller

In Rüti kämpft ein Verein gegen Armut und Food-Waste

Uuftischt – Retten statt Wegwerfen

Noch gut geniessbare Lebensmittel, die sonst im Abfall landen würden, zu kleinem Preis: Das bietet der Verein Uuftischt. Jeweils am Donnerstag von 18 bis 18.30 Uhr kann man bis März die Waren in der Chile im Sidehof kaufen, ab April dann nur noch am neuen Ort an der Falkenstrasse 16.

Nadine Schenkel öffnet den Kofferraum ihres Autos. Zum Vorschein kommen mehrere Kisten mit Lebensmitteln. In knapp einer Stunde werden diese zu kleinem Preis in der Chile im Sidehof in Rüti unter die Leute gebracht. Wer Waren holt, zahlt nur einen kleinen Beitrag, um die Betriebskosten des Vereins zu decken. Ab April ändert der Abgabeort: Dann läuft der Verkauf an der Falkenstrasse 16 direkt aus einer gemieteten Garage heraus, die auch als Warenlager dient.

Hinter der Aktion steckt der Verein Uuftischt, den Nadine Schenkel im Dezember 2023 ins Leben gerufen hat. Die Idee dahinter: Lebensmittel, die sonst im Abfall landen würden, gibt sie an Kunden weiter, die nur über einen schmalen Geldbeutel verfügen. «Auch in der Schweiz gibt es Armut. Zudem machen wir gleichzeitig etwas gegen Lebensmittelverschwendung», erklärt Nadine Schenkel. Die 52-Jährige amtet als Präsidentin des Vereins Uuftischt.

«Wir arbeiten alle ehrenamtlich», sagt Schenkel, die seit über 20 Jahren in Rüti wohnt. Zum Helferteam gehören auch ihr Mann Rolf Schenkel, Tochter Malaika Stegmüller, die sich um die Finanzen kümmert, sowie Kim Graf und Silvia Landolt.

Frau bei Rampe
Die Waren bezieht Nadine Schenkel unter anderem vom Aldi in Rüti.

Zweimal pro Woche holt Nadine Schenkel mit ihrem Privatauto mehrere Paletten an Lebensmitteln direkt beim Aldi in Rüti ab, der die Waren kostenlos zur Verfügung stellt. Der Detailhändler darf diese Sachen nicht mehr verkaufen: Sei es, weil die Verpackung defekt ist oder das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten ist, wobei die Lebensmittel noch problemlos zu geniessen sind. Manchmal stellt Aldi auch Blumen oder Kleider zur Verfügung.

«Wir bekommen viele Früchte und Gemüse. Die Waren sortieren wir direkt bei Aldi aus – wir können nicht immer alles mitnehmen. Gewisse Produkte, die nicht mehr in gutem Zustand sind, landen trotzdem im Abfall», berichtet Schenkel. Fleisch gibt es beim Verein Uuftischt nicht, weil man keine Kühlkette garantieren kann. Zudem kann der Verein einmal pro Woche Brot, Sandwiches oder Patisserie bei der Bäckerei Voland in Rüti abholen.

Mann trägt Kiste
Rolf Schenkel trägt Brotkisten von der Bäckerei Voland in Rüti.

Wer gehört zur Kundschaft, die jeweils am Donnerstag von 18 bis 18.30 Uhr in der Chile im Sidehof erscheint? «Das ist ganz gemischt. Das sind Rentner, Alleinerziehende und auch Migranten», berichtet Nadine Schenkel. Grundsätzlich seien alle willkommen – es werde nicht geprüft, ob jemand bedürftig sei. «Schön ist es aber, wenn jemand, der es vermag, mehr für die Waren zahlt – sozusagen als Spende.»

Sowieso ist der Verein froh um Spenden. «Toll wäre es, wenn uns jemand längerfristig kostenlos ein Warenlager zur Verfügung stellen würde», sagt Nadine Schenkel.

Angefangen mit Tierfutter

Vor über zehn Jahren hat die heutige Vereinspräsidentin von Uuftischt angefangen, Tierbesitzern mit wenig Geld durch Tierfutter, das sie von der Firma Qualipet erhalten hat, auszuhelfen. Nadine Schenkel lebt bis heute selber am Existenzminimum – für sie war es jeweils schwierig, das Geld für Tierfutter aufzubringen. «Die Aktion wurde rege genutzt, und es kam die Idee auf, das auch mit Lebensmitteln zu machen.»

Vor vier Jahren habe sie sich dann beim Verein re-serviert in Pfäffikon, der ebenfalls Lebensmittel vor dem Wegwerfen rette und unter die Leute bringe, engagiert.

Frauen verteilen was
Die Waren werden jeweils am Donnerstag von 18 bis 18.30 Uhr in der Chile im Sidehof in Rüti zu kleinem Preis abgegeben.

Sie habe das Angebot auch nach Rüti bringen wollen – denn viele kämen aus Uznach oder Eschenbach nach Rüti, um sich billig mit Lebensmitteln einzudecken. Kurzerhand habe sie deshalb den Verein Uuftischt gegründet.

Fahrer gesucht

Im vergangenen März hat der Verein in Rüti erstmals gerettete Waren verkauft. «Das Bedürfnis ist da. Durchschnittlich kommen wöchentlich 20 Personen vorbei, manchmal sind es auch mehr», erklärt Nadine Schenkel. Bis zu fünf Paletten mit Lebensmitteln gehen an einem Donnerstag weg. Bezahlen kann man mit Bargeld oder Twint.

Zum Schluss machen Nadine Schenkel und ihr Team noch einen Aufruf: Der Verein sucht freiwillige Fahrer, welche Lebensmittel mit ihrem eigenen Auto abholen.

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