Gesundheit

Gesamter Verwaltungsrat des GZO Spitals Wetzikon bietet seinen Rücktritt an

Der Schritt scheint mit den Aktionärsgemeinden abgesprochen zu sein. Unerwartet kommt er für Aussenstehende gleichwohl.

Der Verwaltungsrat des schlingernden Spitals Wetzikon tritt ab. (Symbolbild)

Foto: Simon Grässle

Gesamter Verwaltungsrat des GZO Spitals Wetzikon bietet seinen Rücktritt an

Überraschender Entscheid

Der Schritt scheint mit den Aktionärsgemeinden abgesprochen zu sein. Unerwartet kommt er für Aussenstehende gleichwohl.

Knall beim Spital Wetzikon: Der fünfköpfige Verwaltungsrat der GZO AG Spital Wetzikon unter der Leitung von Jörg Kündig (FDP) bietet seinen Rücktritt an*.

Jörg Kündig hatte noch vor einem halben Jahr gesagt: «Ich bleibe im Amt, solange es mich braucht, und setze mich mit aller Kraft für eine gute Lösung ein.»


> > Lesen Sie hier, was bisher in der Wetziker Spitalkrise passiert ist.


Und auch die zwölf Aktionärsgemeinden sicherten damals im April dem Verwaltungsratspräsidenten ihren Rückhalt zu. So sagte Pascal Bassu, Wetziker Stadtpräsident (SP) und Vorsteher des Ausschusses der Aktionärsgemeinden: «Wir bereiten momentan keinen Wechsel an der Spitze vor, schliesslich stehen wir nach wie vor hinter dem Spital.»

Das hat sich jetzt offenbar geändert. Denn die zwölf Aktionärsgemeinden, die zusätzliches Kapital einschiessen sollen, begrüssen den Entscheid des Verwaltungsrats und seines Präsidenten.

Der Vorschlag komme zum richtigen Zeitpunkt, teilten die zwölf Gemeinden mit. Dadurch werde der Weg für das «Spital Wetzikon der Zukunft» geebnet. Die Gemeinden bilden nun eine Findungskommission, um geeignete Nachfolgerinnen und Nachfolger zu rekrutieren. Dieser Prozess soll zeitlich gestaffelt ablaufen, mithilfe eines Personalvermittlers.

Mann vor zwei Mikrofonen.
Der fünfköpfige Verwaltungsrat unter der Leitung von Jörg Kündig tritt geschlossen zurück. Die Aktionärsgemeinden begrüssen das. (Archiv)

Wichtig sei, dass diese Personen das Vertrauen der Bevölkerung gewinnen könnten, betonen die Aktionärsgemeinden.

Gemeinden sollen bis 55 Millionen einschiessen

Diese müssen dem Spital helfen, denn es braucht dringend Geld: Es stellte bei den zwölf Aktionärsgemeinden deshalb Antrag auf eine Kapitalerhöhung im Umfang von 45 bis 55 Millionen Franken. Ob dieser Betrag überhaupt plausibel ist, überprüfen die Gemeinden derzeit.

Anschliessend muss jede der zwölf Gemeindeexekutiven für sich einen Grundsatzentscheid fällen, ob sie das Spital Wetzikon vor dem Untergang retten will. Falls ja, werden bis im Frühling 2025 die entsprechenden Anträge an die Stimmberechtigten ausgearbeitet.

Ende 2025 oder Anfang 2026 soll die Bevölkerung über die Beiträge abstimmen. Die Gemeinden können die Unterstützung dabei einzeln ablehnen oder gutheissen. Wie viel Geld von den Gemeinden zusammenkommt, weiss das Spital also erst nach allen Abstimmungen.

Im März 2026 kommt es dann zur grossen Gläubigerversammlung, bei der definitiv über die Zukunft des Spitals entschieden wird. Die Gemeinden betonten in einer früheren Mitteilung, dass ihre Steuergelder keinesfalls dafür eingesetzt werden dürfen, den Schuldenschnitt für die Gläubiger zu reduzieren.

Gemäss dem Sanierungsplan, der vom Spital ausgearbeitet wurde, müssten sich die Anleihengläubiger 65 bis 70 Prozent der ausstehenden 170 Millionen ans Bein streichen. Diese Aussichten sorgten wiederum bei diesen für Unmut. Sie kritisierten, dass das Spital auf ihrem Buckel saniert werden soll.

Neubau bleibt eine Baustelle

Aktuell befindet sich das Spital noch bis Ende Jahr in provisorischer Nachlassstundung, Schulden können derzeit also nicht eingetrieben werden. Ist das zuständige Gericht der Ansicht, dass das Sanierungskonzept des Spitals besser ist als ein Konkurs, wird es über das Spital die definitive Nachlassstundung verhängen. Damit erhielte es zwei Jahre Zeit für die finanzielle Sanierung.

Der Spitalbetrieb läuft derweil normal weiter, wenn auch unter dem Motto «Sparen, wo immer möglich». Der Neubau, der Hauptauslöser für die Finanzprobleme, bleibt weiterhin eine Baustelle. Bis auf Weiteres wird daran nicht weitergearbeitet.

Sollte das Spital dereinst finanziell saniert sein, soll es voraussichtlich Teil eines Regionalverbunds werden. Dann wird gemeinsam mit den Partnern geklärt, was aus dem Rohbau werden soll. (sda/erh)


* In einer früheren Version dieses Textes hiess es, dass der Verwaltungsrat geschlossen zurücktritt. Dies ist nicht der Fall. Er ist nach wie vor im Amt, bietet aber Hand für eine Nachfolgelösung. Das weitere Vorgehen soll deshalb in Absprache mit den Eigentümern, den Aktionärsgemeinden des GZO, erfolgen.

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