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Rückte Ärztezentrum Rosenthal in Wald Patientenakten nicht heraus?

Ein Paradebeispiel dafür, dass die Digitalisierung nicht nur Vorteile bringt. Obwohl, lag es wirklich nur daran?

Wurde die E-Mail-Nachricht nie versendet, oder landete sie im Spam-Ordner?

Foto: Pixabay

Rückte Ärztezentrum Rosenthal in Wald Patientenakten nicht heraus?

Nach Konkurs

Nachdem das Ärztezentrum zu Jahresbeginn in Konkurs gegangen war, hatte eine Familie keinen Zugriff auf dringend benötigte Patientenakten. Grund dafür war eine E-Mail, die niemals ankam.

Der im Januar bekannt gewordene Konkurs des Ärztezentrums Rosenthal liess ratlose Patienten zurück. Am 28. Februar erhielten sie eine nüchtern verfasste E-Mail. Darin konnten sie lesen: «Wir verstehen natürlich Ihren Unmut darüber, dass Sie noch keinen Zugang zu Ihren Dossiers erhalten haben, und dies bedauern wir sehr.» Grund für die Verzögerung sei der grosse administrative Aufwand, den ein Konkurs mit sich bringe.

Laut dem Schreiben hatten sich die Geschäftsleitung und das Aktionariat zur Archivierung und zur Herausgabe der Patientenakten viele Gedanken gemacht. So hätten sie verschiedene Möglichkeiten geprüft, die Daten für die Patienten leicht zugänglich archivieren zu lassen, und zwar «sicher und datenschutzkonform». Die Herausgabe besagter Akten sollte zudem kostenfrei sein.

Keine E-Mail, keine Akten

Klingt nicht schlecht, ist aber anders herausgekommen. Zumindest im Fall der in Wald wohnhaften Familie Fernandez. Die E-Mail des Ärztezentrums hat sie nie erreicht. Und als sich die Familie der Sache genauer annahm, war die Website des Zentrums bereits nicht mehr aktiv.

Denn auch sie wartete auf die Herausgabe der Patientenakten und musste gleichzeitig einen neuen Hausarzt suchen – heutzutage oft keine leichte Aufgabe. «Genau zu dieser Zeit gab es bei unserer Tochter einen gesundheitlichen Notfall, der einen Aufenthalt im Kinderspital nach sich zog, und wir hatten keinerlei Zugriff auf ihre Akten», erzählt Oscar Fernandez.

Er schrieb bereits am 20. Februar an den Verwaltungsratspräsidenten Andreas Odermatt: «Leider haben wir bezüglich der dringend erforderlichen Patientendossiers unserer Kinder noch nichts gehört. Uns wurde mitgeteilt, dass wir uns direkt an Sie richten sollen.» Weiter wies Fernandez darauf hin, dass er rechtliche Schritte einleiten werde, falls er keine Reaktion erhalte.

Parallel liess er eine Kopie des Aufforderungsschreibens auch der Gemeindeverwaltung Wald zukommen, um seinem Anliegen Nachdruck zu verleihen.

Gemeinde bittet um Verständnis

Die Gemeinde meldete sich umgehend und erklärte, dass man den Ärger und die missliche Lage verstehen könne. Dazu versicherte sie der Familie, dass das Ärztezentrum alles unternehme, um den Patienten mit ihren Akten zu helfen. Sie betonte aber auch, dass sich das Konkursverfahren schwierig gestalte. Deswegen würden weder eine gesetzte Frist zur Herausgabe der Akten noch das Einleiten rechtlicher Schritte etwas bewirken.

Fernandez folgte dem Rat: «Das Verfahren hätte wohl grössere Kosten für uns verursacht, weshalb wir bewusst darauf verzichteten.»

Die Gemeinde tat derweil so viel, wie es ihr in dieser Situation möglich war, und liess dem Familienvater jene Informationen zukommen, die er eigentlich schon vom Ärztezentrum direkt hätte erhalten müssen.

Ärztezentrum Rosenthal Wald
Das Ärztezentrum gibt es nicht mehr, das Pflegezentrum sowie die im Gebäude integrierten Alterswohnungen hingegen schon.

Die Gemeinde richtete folgende Informationen an die Familie: Für die Archivierung der Daten sei eine externe Partnerfirma zuständig. Die Daten könnten zurzeit noch nicht herausgegeben werden, weil sie zuerst vom derzeitigen Software-Betreiber des Ärztezentrums auf das neue System übertragen werden müssten. Ansonsten seien sie nicht mehr vorhanden und könnten folglich nicht archiviert werden. Anschliessend hiess es: «Sobald die Daten zugänglich sind, wird wieder informiert.»

Dazu kam die Information, dass die Konkursverwaltung bereits eingegangene Anfragen ans Ärztezentrum weiterleite. Künftige Anfragen seien direkt per E-Mail an dieses zu richten.

Fernandez sollte also zu gegebener Zeit automatisch informiert werden, da er die Patientendaten bereits angefordert hatte. So die Haltung der Gemeinde.

Sechs Monate später 

Nicht schlecht staunte Oscar Fernandez, als er Ende August eine Antwort vom Ärztezentrum erhielt. Diese bestand lediglich aus Informationen, die er eigentlich bereits Ende Februar hätte erhalten sollen. Die erneute Aufforderung seinerseits, die Daten an die Familie zu übermitteln, war bereits im Mai erfolgt.

Das Ärztezentrum bestätigte die Archivierung der Patientendaten – und dass diese während der vorgeschriebenen Aufbewahrungsfrist von zehn Jahren sicher verwahrt würden. Während dieser Zeit seien die Daten jederzeit über die Plattform docarchive.online ersichtlich.

Die Einsicht sei nicht aufwendig und kostenfrei, hiess es weiter. Es bedürfe lediglich einiger Schritte, die unter anderem eine schriftliche Bitte um die Herausgabe beinhalte.

Bedauernswerter Einzelfall?

Ob auch andere Patienten Probleme damit hatten, in angemessener Zeit an ihre Akten zu gelangen, ist der Redaktion derweil nicht bekannt. Der Walder Sicherheits- und Gesundheitsvorsteher Andreas Odermatt (SVP) bedauert in seiner Funktion als Verwaltungsratspräsident des Ärztezentrums den Vorfall und relativiert: «Ich gehe von einem Einzelfall aus. Zumindest habe ich nur von einem Fall Kenntnis.»

Laut ihm sind die E-Mails mit den Wegleitungen über den Zugang zu den Patientenakten an alle bekannten Adressen versendet worden. Ausgenommen war nur, wer sich explizit von der Mailingliste abgemeldet hatte.

«Es kann natürlich sein, dass eine solche E-Mail im Spam-Ordner landet, was sich leider nicht immer verhindern lässt», führt er aus. Der Weg zur Herausgabe der Patientenakten sei auch auf der Website des Ärztezentrums ersichtlich gewesen. Allerdings nur so lange, bis die Website als Folge des Konkurses offline ging.

Wann genau die Website nicht mehr aktiv war, entzieht sich der Kenntnis des Verwaltungsratspräsidenten. «Dies war Sache des Konkursamts.»

Dass Odermatt erst im August auf die nochmalige Aufforderung der Familie Fernandez antwortete, liegt aus seiner Sicht daran, dass ihn die Nachricht erst im August erreicht hat. «Warum die Familie vom Monat Mai schrieb, doch ich die Nachricht erst im August erhielt, kann ich nicht beurteilen», betont er. Er habe jedenfalls innert Tagesfrist auf die E-Mail geantwortet.

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