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Tösstaler Pflegezentren und Spitex erweitern ihre Aufgaben

Auch bei Pflege und Betreuung ändern die Bedürfnisse. Das bedeutet das für den Zweckverband Pflege und Betreuung Mittleres Tösstal.

Bruno Vollmer (links), Präsident der Betriebskommission, mit Rolf Tannò, dem neuen Geschäftsleiter. Zu Tannòs Aufgabengebiet gehören zwei Pflegezentren und die Spitex.

Fotos: Annabarbara Gysel und Bettina Schnider

Tösstaler Pflegezentren und Spitex erweitern ihre Aufgaben

Neue Leitung im Zweckverband

Rolf Tannò ist seit einem Jahr Geschäftsführer des Zweckverbands Pflege und Betreuung Mittleres Tösstal. Er leitet einen grossen Betrieb, der sich stetig weiterentwickeln muss.

Wenn der Zweckverband Pflege und Betreuung Mittleres Tösstal ein normales Unternehmen wäre, würde er nur noch knapp als KMU gelten. Ganze 230 Mitarbeitende beschäftigt der Zweckverband – ab 250 spricht man von einem grossen Unternehmen.

Seit letztem Jahr steht dem Zweckverband ein neuer Geschäftsleiter vor: Rolf Tannò. Das Wort «Big Player» mag er zwar nicht, doch auch er weiss: «Wir sind ein wichtiger Betrieb und Arbeitgeber in der Region.» Der Zweckverband betreibt die beiden Pflegezentren Im Spiegel in Rikon und Lindehus in Turbenthal und auch die Spitex Mittleres Tösstal. Zu den Verbandsgemeinden gehören Wildberg, Wila, Zell und Turbenthal.

Nur noch ein Hut

Der Weinländer hat vor einem Jahr die Geschäftsleitung von Yvonne Fehlmann übernommen. Fehlmann trug stets zwei Hüte: Sie war nicht nur Geschäftsleiterin, sondern auch Leiterin Pflege und Betreuung. Eine Aufgabe, die sie weiterhin wahrnimmt.

«Als Yvonne Fehlmann uns mitgeteilt hat, dass sie sich kurz vor Erreichen des Pensionsalters auf diese Tätigkeit konzentrieren will, standen wir vor einer Herausforderung», erinnert sich Bruno Vollmer. Der ehemalige FDP-Gemeinderat von Zell ist Präsident der Betriebskommission des Zweckverbands, die für die strategische Leitung zuständig ist.

Fehlmann hatte nämlich gut drei Jahrzehnte Erfahrung. «Wir wussten, dass wir einen Profi dazuholen müssen, um sie zu ersetzen», sagt Vollmer. Diesen Profi hat die Betriebskommission mit Tannò gefunden.

So war er bereits Geschäftsführer des Seniorenzentrums Vivale Neuhegi in Winterthur und leitete die Geschicke des Alterszentrums Senevita Limmatfeld in Dietikon.

Er kann sich im Gegensatz zu seiner Vorgängerin voll auf die Funktion in der Geschäftsführung konzentrieren und ist vor allem für die operativen Entscheide verantwortlich. «Das entlastet auch die Betriebskommission», sagt Vollmer. «Wir sind weniger in Projekte involviert und können uns auf strategische Entscheidungen konzentrieren.»

Das heisst nicht, dass es vorher nicht funktioniert hat. «Im Gegenteil», betont Tannò. «Als ich hierhergekommen bin, habe ich eine Organisation angetroffen, die in jeder Hinsicht gut unterwegs ist.»

Neue Angebote sind gefragt

Darauf ausruhen kann sich der Zweckverband jedoch nicht. «Wir müssen unsere Leistungen und Angebote ständig anpassen und weiterentwickeln», hält Tannò fest. «Die Ansprüche werden grösser» – auch beeinflusst von Entscheiden in der Gesundheitspolitik und gesellschaftlichen Entwicklungen.

Er nennt gleich ein Beispiel: «Heute will man die Spitalaufenthalte so kurz wie möglich halten.» Auch Aufenthalte in einer Reha-Klinik werden seltener verordnet. «Das heisst, wir sind in der sogenannten akuten Übergangspflege gefordert», erläutert der Geschäftsleiter. «Wir müssen in die Bresche springen.»

In vielen Fällen reichen die Betreuung und die Pflege durch die Spitex zu Hause noch aus. Wenn nicht, dann kommt es oft zu einem kurzen Aufenthalt in einem Pflegezentrum. «Manchmal sind es vielleicht 14 Tage», sagt Tannò. In anderen Fällen kristallisiert sich heraus, dass eine Rückkehr nach Hause aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr möglich ist.

Für die meisten kommt ein Umzug aber erst infrage, wenn er schon fast unausweichlich ist. «Die Leute wollen so lange wie möglich zu Hause bleiben, das ist ein gesellschaftliches Bedürfnis.» So steigt die Nachfrage nach Angeboten wie dem Mahlzeitendienst, der Menüs vor die Haustür liefert, stetig an. «Die Spitex ist heute nicht mehr nur für pflegerische Leistungen da», betont Tannò.

Gefragter denn je sind auch Tagesstrukturen in den Pflegezentren. Personen, die nicht dort wohnen, können ebenfalls die Angebote nutzen. «Damit können wir Angehörige entlasten, die sich sonst um die Pflege und Betreuung kümmern», erklärt Tannò.

Hemmschwellen abbauen

Bald wird der Aufgabenbereich des Zweckverbands noch erweitert. Denn gleich vor dem Lindehus in Turbenthal baut die Domum Wohnbaugenossenschaft zwei Blöcke mit altersgerechten Wohnungen. Die neuen Bewohnerinnen und Bewohner der Überbauung können dereinst auch Leistungen aus dem Pflegezentrum beziehen. Beispielsweise in der Gastronomie – oder wenn sie Hilfe bei der Wäsche brauchen.

Die Visualisierung zeigt, wie die beiden Domum-Gebäude aussehen werden.
So wird die Domum-Überbauung dereinst aussehen.

Das Ziel für Tannò ist dabei stets klar: «Wir haben einen Auftrag, den wir für die Einwohnerinnen und Einwohner erfüllen müssen.» Der Zweckverband sieht sich als Kompetenzzentrum für stationäre und ambulante Pflege-, Betreuungs- und Wohndienstleistungen. «Wir richten unsere Angebote nach den Bedürfnissen aus.»

Der Geschäftsführer hat sich etwas Weiteres vorgenommen. Er beschreibt es so: «Ich will die Aussenwelt mit der Innenwelt verbinden.» Die Pflegezentren sollen keine geheimnisvollen Orte sein. Deshalb soll es vermehrt Anlässe geben, zu denen auch die Bevölkerung eingeladen ist.

Die Infrastruktur, vom Saal bis zur Gastronomie, steht zudem auch Auswärtigen für Veranstaltungen zur Verfügung. «Nicht, um lokale Restaurants zu konkurrenzieren», betont Tannò, «sondern um deren Angebot zu ergänzen.»

Damit will er auch Hemmschwellen abbauen. Er nennt als Beispiel drei Schüler, die im Rahmen der Sozialwoche im Pflegezentrum geholfen haben. «Wenn bei ihren Grosseltern ein Heimaufenthalt ansteht, wissen die Jungs schon, wie schön es hier ist.»

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