Das Ärztezentrum Rosenthal meldet Konkurs an
«Knall» in der Gemeinde Wald
Die moderne Infrastruktur und das neue Geschäftsmodell haben nicht geholfen. Das Ärztezentrum Rosenthal in Wald schliesst per sofort. Elf Mitarbeitende verlieren ihre Stelle.
Hausärzte gibt es bekanntlich immer weniger. Der administrative Aufwand, allein eine gut frequentierte Hausarztpraxis selber zu führen, ist für viele Ärzte unattraktiv geworden. Vor allem im ländlichen Raum wie im Oberland. Umso erstaunlicher also, dass das Ärztezentrum Rosenthal in Wald per 22. Januar Konkurs anmelden musste. Dies teilte der Verwaltungsrat zu Beginn dieser Woche mit.
Trotz neuem Geschäftsmodell und moderner Infrastruktur war die Institution nicht ausgelastet. Auch fehlten offenbar die nötigen Ärzte. Der Verwaltungsrat und die Aktionäre hätten vergeblich versucht, das Zentrum auf eine neue finanzielle Basis zu stellen.
Unter einem Dach
Das Zentrum hatte Ärzte verschiedenster Fachrichtungen unter einem Dach vereint. Dazu gehörten beispielsweise die innere Medizin oder die Pädiatrie. Nun ist bekannt, dass lediglich die Frauenpraxis und die Dermatologie, zwei «Untermieterinnen» im Zentrum, weiterhin betrieben werden.
Organisiert ist das Zentrum als Aktiengesellschaft, wobei die Hauptaktionärin die Stiftung Drei Tannen ist. Diese beschäftigt in Wald rund 230 Mitarbeitende und sorgt für die Langzeitpflege von älteren Menschen.
Mit dem Zentrum sollte die Vision umgesetzt werden, die Bevölkerung von Wald und der Umgebung von jung bis alt an einem Ort medizinisch zu versorgen. Bis anhin waren drei Ärzte sowie acht medizinische Praxisassistentinnen dafür verantwortlich. Angedauert hat dieses Angebot gerade einmal knapp drei Jahre.
Zu wenige Ärzte, zu wenig Auslastung
Warum es so weit kommen konnte, erklärt Verwaltungsratspräsident Andreas Odermatt: «Trotz zukunftsgerichtetem Konzept nach neusten Erkenntnissen der Digitalisierung und grossen Anstrengungen seitens der Geschäftsleitung und des Verwaltungsrats fehlen Ärztinnen und Ärzte, die am ländlichen Standort im Oberland tätig sein möchten.» Dies schränke das Angebot an medizinischen Leistungen stark ein.
«Es ist schon länger zu beobachten, dass Ärzte lieber im urbanen Raum arbeiten, denn in ländlichen Regionen ist das Lohnniveau tiefer», führt er aus. Der Verwaltungsrat müsse sich eingestehen, dass das Entwicklungspotenzial überschätzt worden sei.
«Wir hätten mehr Hausärzte anstellen müssen, um rentabel zu sein. Doch wir fanden keine», resümiert er tief betroffen. Für ihn und das gesamte Team ist der Konkurs eine Katastrophe. Denn: Für elf Mitarbeitende bedeutet das Aus des Zentrums die Entlassung. Eine andere Lösung hat es laut Odermatt nicht gegeben. «Mir tut es enorm leid.»
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Nur für zwei Praxisassistentinnen gibt es bereits einen Lichtblick: Sie können in der Frauenpraxis und in der Dermatologie weiterarbeiten. Für den Rest wird nach einer Folgelösung gesucht.
Die Auslastung des Ärztezentrums Rosenthal ist gemäss dem Verwaltungsratspräsidenten in den vergangenen Jahren deutlich unter den Erwartungen geblieben. Dadurch habe sich die finanzielle Situation des Unternehmens rapide verschlechtert, betont er.
Im vergangenen Jahr haben die Geschäftsleitung, das Aktionariat und der Verwaltungsrat intensiv an einer Sanierung gearbeitet. Diese ist trotz Bemühungen nicht gelungen. Stattdessen ist eine Überschuldung eingetreten.
Langzeitpflege bleibt bestehen
Die Stiftung Drei Tannen erleidet als Hauptaktionärin des Ärztezentrums einen Verlust von rund einer Million Franken. Durch frühzeitig getätigte Abschreibungen könne der Schaden begrenzt werden, damit die übrigen Geschäftsfelder nicht vom Konkurs betroffen seien.
Auch deshalb kann die Stiftung den Versorgungsauftrag der Gemeinde Wald zur Langzeitpflege von älteren Menschen und für die Spitex-Dienstleistungen unverändert wahrnehmen. Für das Alterszentrum wird also auch weiterhin eine Heimärztin zur Verfügung stehen.
Angebot und Nachfrage
Was die Schliessung für die medizinische Grundversorgung in der Gemeinde bedeutet, ist laut Gemeindeschreiber Martin Süss noch nicht absehbar. Man könne den betroffenen Patientenkreis noch zu wenig abschätzen.
Allerdings betont er: «Wald hat über 10'000 Einwohner, und wir haben noch nie Kenntnis davon nehmen müssen, dass es zu wenige Ärzte gibt.» Aus seiner Sicht ist es dennoch sehr bedauerlich, wenn Ärzte wegfallen.