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Gesundheit

So viel kostet das Chaos in den Haehner-Praxen den Kanton

Der Konkurs der Praxisketten von Arzt Thomas Haehner sorgte für Fragen – auch aus der Politik. Der Regierungsrat liefert nun erste Antworten zu den Geschehnissen.

Thomas Haehner hat das Ärztezentrum Turbenthal in den Ruin getrieben. Eine Lösung ist nicht in Sicht.

Foto: Sibylle Meier/Noah Salvetti

So viel kostet das Chaos in den Haehner-Praxen den Kanton

Ärztezentrum in Turbenthal

Seit Juni hat Turbenthal eine Arztpraxis weniger. Zum Konkurs der Firmen von Thomas Haehner nimmt nun die Kantonsregierung Stellung – und nennt dabei auch erstmals Zahlen.

Es war ein Aushang an der Praxistür, der das Ende vom Ärztezentrum Turbenthal von Arzt Thomas Haehner einläutete: «Wir müssen Ihnen leider mitteilen, dass wir zurzeit in der Praxis nicht arbeiten», stand am 12. Juni auf einem Zettel. Unterzeichnet wurde er vom Praxisteam.

Die Praxis öffnete nicht mehr regulär, bis Mitte Juli konnten Patientinnen und Patienten jeweils noch an zwei Nachmittagen Rezepte beziehen. Die Gemeinde half zudem bei der Organisation der Aktenabgabe an Patientinnen und Patienten.

Ende Juli war dann endgültig Schluss. Das Konkursamt versiegelte die Praxis, die Haehner erst letzten Herbst von Peter Flachsmann übernommen hatte. Es läuft ein Konkursverfahren gegen die zwei Firmen von Praxisinhaber Haehner.

Gewinnorientiert ist erlaubt

Betroffen vom Konkurs war im Kanton Zürich nicht nur das Ärztezentrum Turbenthal, sondern auch vier weitere Praxen im Zürcher Unterland.

Diese Geschehnisse haben zu einer Anfrage von AL-Kantonsrätin Nicole Wyss aus Zürich geführt. Diese reichte sie bereits im Juli ein. Sie wollte mehr wissen über die Geschehnisse in den Haehner-Praxen sowie die Auswirkung des Konkurses auf die regionale Grundversorgung. Die Antworten liegen nun vor.

Der Regierungsrat weist dabei die Verantwortung von sich. «Die Steuerung des Angebots in der freiberuflichen Gesundheitsversorgung ist nicht Aufgabe der öffentlichen Hand», hält er fest.

Der Kanton ist jedoch für die Zulassung zur Berufsausübung und die Aufsicht verantwortlich, so, wie es das Gesundheitsgesetz vorschreibt. Dass Praxen oder Praxisverbünde durch gewinnorientierte Unternehmen wie jene von Haehner geführt werden, ist zudem nicht verboten.

Laut dem Regierungsrat ist es trotz dem Konkurs der Haehner-Praxen aber zu keinem generellen Engpass bei der Gesundheitsversorgung gekommen. «Im Kanton Zürich sind über 6000 Ärztinnen und Ärzte zur selbständigen eigenverantwortlichen Berufsausübung zugelassen», schreibt er.

Dabei kommt es immer wieder zu Schliessungen einzelner Arztpraxen, beispielsweise wegen eines Todesfalls oder aus Altersgründen. «Gesamtkantonal ist die ambulante Grundversorgung beim Wegfall einzelner Praxen nicht gefährdet», hält er fest.

Vereinbarung mit Personal

Wie aus der Anfrage hervorgeht, hatte das Amt für Gesundheit schon vor dem Konkurs Kenntnis von den Problemen der Haehner-Praxen. Es wurden auch mehrere Praxen inspiziert. Damals traten allerdings keine Sachverhalte zutage, welche die Eröffnung eines aufsichtsrechtlichen Verfahrens gerechtfertigt hätten.

Tätig wurde das Amt aber unter anderem, nachdem die Praxen geschlossen waren. Denn bei einer plötzlichen Praxisschliessung ist der Zugang zur Patientenakte für die betroffenen Patientinnen und Patienten oft problematisch.

In den Haehner-Praxen schloss das Amt für Gesundheit deshalb mit dem Personal von Mitte Juni bis Ende Juli Leistungsvereinbarungen ab – auch in Turbenthal. So konnte der Zugang zu den Dossiers sichergestellt werden. Die nicht abgeholten Akten sind nun beim Amt für Gesundheit. Dort können sich betroffene Patientinnen und Patienten melden.

Aufwand für Gemeinde

Die Vereinbarungen mit dem Personal in allen betroffenen Praxen kosten voraussichtlich 91’000 Franken. Mit weiteren externen Dienstleistungen belaufen sich die Ausgaben für den Kanton für die Koordination rund um die Praxisschliessungen auf 143’000 Franken.

Darin nicht eingeschlossen ist der personelle Aufwand der Gesundheitsdirektion. Dieser lässt sich gemäss der Anfrage nicht genau beziffern.

Ähnlich klingt es auch bei der Gemeinde Turbenthal. «Die Gemeindeverwaltung hat grossen Aufwand betrieben, um die Abgabe der Dossiers zu koordinieren», erklärt Gemeindepräsident René Gubler (FDP). Hunderte E-Mails und Telefonate haben die Mitarbeitenden bearbeitet.

Vom Kanton gab es dafür keine Unterstützung. Aber Gubler hält fest: «Es war uns einfach wichtig, dass die Patienten zu ihren Dossiers kommen.»

Hoffen auf Lösung

Eine Neueröffnung der Praxis an der Tösstalstrasse ist weiterhin nicht in Sicht. «Es ist immer noch der Status quo», sagt der Gemeindepräsident. «Wir hoffen aber weiterhin darauf, dass es eine Lösung gibt.»

Doch die steht und fällt mit dem Personal: «Wir können keinen Hausarzt respektive keine Hausärztin aus dem Hut zaubern.»

Gubler war kürzlich am 6. Zürcher Hausärztetag. «Auch dort hört man dasselbe: Es fehlen die Fachkräfte, die eine Hausarztpraxis führen können und wollen.» Dies nicht nur in Turbenthal.

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