Gemeinde Turbenthal angeblich zu knausrig für Rettung der Arztpraxis
Happige Vorwürfe
Thomas Haehner sagt, er habe einen Arzt für die Praxis in Turbenthal, aber kein Geld von der Gemeinde. Der Gemeinderat ist von dieser Forderung überrascht.
Seit vier Wochen ist das Ärztezentrum in Turbenthal geschlossen. Die Gemeinde hilft, die Herausgabe der Patientenakten zu koordinieren. Bezahlt werden die Angestellten vom Kanton. Zudem können die Patienten an zwei Nachmittagen pro Woche Rezepte abholen.
Viele von ihnen sind nun auf der Suche nach einem neuen Hausarzt – das ist im Tösstal kein einfaches Unterfangen. Doch wenn man Praxisinhaber Thomas Haehner glaubt, würde der Rettung der Praxis nur noch fehlendes Geld im Weg steht.
Für die Praxis, so sagt Haehner, habe er eigentlich einen Nachfolger gefunden, der das Ärztezentrum weiterführen wolle. In einem SMS-Austausch mit dem «Blick» schreibt er: «Das kann er aber nur, wenn er 50'000 Franken erhalten würde.» Und zwar als Zuschuss von der öffentlichen Hand.
Keine Verhandlungen mit Gemeinde
«Es hat sich bislang keine einzige Gemeinde bereit erklärt, ganz konkret finanziell bei einer Übernahme zu helfen», klagt Haehner. Niemand wolle die Verantwortung übernehmen. «Beim Thema Geld hören die guten Wünsche und Sorgen um Patienten meist auf.»
Herr Haehner hat sich bisher nicht bei der Gemeinde gemeldet.
René Gubler (FDP), Gemeindepräsident von Turbenthal
Scheitert die Weiterführung der Praxis in Turbenthal also an der knausrigen Gemeinde? Gemeindepräsident René Gubler (FDP) hat erst durch die Berichterstattung im «Blick» von Haehners Forderung erfahren.
«Herr Haehner hat sich bisher nicht bei der Gemeinde gemeldet», betont er. Auch vom Arzt, den Haehner angeblich gefunden hat, weiss Gubler nichts.
Es haben deshalb auch noch keine Verhandlungen stattgefunden. «Die Gemeinde ist aber weiterhin daran interessiert, für die Praxis eine gute Nachfolgelösung zu finden.» Sie steht deshalb im engen Austausch mit dem verbliebenen Personal und der Gesundheitsdirektion.
Kryptische Botschaft
Haehner gehört nicht nur die Praxis in Turbenthal. Er hat mit seiner Kette 18 Zentren in der Deutschschweiz betrieben und ist gescheitert. Fast alle Praxen sind geschlossen, erst zwei konnten bereits durch eine Übernahme gerettet werden.
«Ich möchte mich bei all unseren lieben Patienten aufrichtig entschuldigen und hoffe, dass wir schnell weitere gute Lösungen finden», schreibt Haehner gegenüber dem «Blick».
In Sachen Weiterführung des Betriebs geschieht gerade viel, und es wird in Kürze mehr bekannt gegeben.
Thomas Haehner, Hausarzt und Praxisketten-Inhaber
Wieso er mit seiner Praxiskette gescheitert ist, zu dieser Frage bleibt Haehner kryptisch. «Es spielen leider auch andere Faktoren eine Rolle, die ich aus rechtlichen Gründen derzeit leider nicht erläutern kann. Die Wirklichkeit ist eben oft komplexer, als es aussieht.»
Er werde alles dafür tun, einen weiteren Betrieb der Praxen zu ermöglichen. «In Sachen qualifizierter Weiterführung des Betriebs geschieht gerade viel, und es wird in Kürze mehr bekannt gegeben», verspricht er.
Es ist nicht das erste Versprechen von Haehner. Viele davon hat er bisher nicht eingehalten. Für eine Stellungnahme war der Mediziner am Montag nicht erreichbar.
