Spital Wetzikon verzeichnet für 2022 einen Millionenverlust
Minus von 2,5 Millionen Franken
Nachdem das GZO-Spital Wetzikon für das Jahr 2021 noch einen Gewinn vermelden konnte, sieht der Geschäftsbericht 2022 nicht mehr so rosig aus. Das operative Betriebsergebnis ist dennoch positiv.
«Wirtschaftlich betrachtet war das Jahr trotz grossem Einsatz unserer Mitarbeitenden unbefriedigend», erklärte CEO Matthias Spielmann jüngst in einem Interview im hauseigenen «GZO-Magazin plus». Nun hat das GZO-Spital Wetzikon den Geschäftsbericht 2022 offiziell veröffentlicht.
Aufgrund der angespannten Personalsituation habe man Betten schliessen müssen. Hinzu seien stagnierende Fallzahlen gekommen. Diese Faktoren hätten zu unbefriedigenden Erträgen bei zugleich steigenden Kosten geführt. Hinzu komme, dass die Tarife trotz steigenden Krankenkassenprämien nicht kostendeckend seien.
Angespannte Situation
Die Kostensituation der Spitäler im Kanton Zürich sei und bleibe auch 2023 angespannt, schreibt das Spital in einer Mitteilung. Dies, weil die Inflation, der Kostendruck sowie die Sicherstellung und die Auslastung bestehender Leistungsaufträge bei gleichzeitigem Fachkräftemangel das Gesundheitswesen vor ausserordentliche Herausforderungen stellen würden. Daher sei das GZO-Spital auf Unterstützung angewiesen.
Das GZO-Spital biete umfangreiche, qualitativ hochwertige und wohnortnahe Gesundheitsleistungen für die Menschen im Zürcher Oberland. «Das soll auch zukünftig zur Verfügung stehen», betont Spielmann.
Solide Entwicklung trotz Kostendruck
Insgesamt belasten die gestiegenen Personal- und Sachkosten sowie die notwendigen Investitionen zur Zukunftssicherung in Bauten und Digitalisierung die Liquidität sowie die Erfolgsrechnung.
Wichtigste Zahlen:
- Der Betriebsertrag stieg gegenüber 2021 um insgesamt 2,9 Millionen auf 156,7 Millionen Franken.
- Nach Abzug des Betriebsaufwands von 141,9 Millionen Franken resultiert ein Betriebsergebnis (Ebitda) von 14,8 Millionen Franken (Vergleich 2021: 15,5 Millionen).
- Die Ebitda-Marge von 9,4 Prozent verfehlt damit das angestrebte Ziel von 12 Prozent.
- Damit sich das Spital langfristig aus eigenen Mitteln finanzieren kann, sind sowohl eine höhere Marge als auch ein straffes Kostenmanagement erforderlich.
- Nach Abzug der Abschreibungen und des Finanzierungsaufwands für die Bauprojekte beträgt das Betriebsergebnis minus 2,5 Millionen Franken.
- Das Eigenkapital der GZO-Gruppe, konsolidiert mit der Tochtergesellschaft GZO Partner AG, beträgt 33,8 Millionen Franken.
Stabiles Versorgungsniveau
2022 verzeichnete das GZO-Spital auf seiner Notfallstation mit 22’729 Patientinnen und Patienten einen neuen Höchststand. Im Vergleich zum Vorjahr waren die stationären Fälle mit 9937 (Vergleich 2021: 10’011) leicht rückläufig. Die ambulanten Fälle hingegen steigerten sich auf 55’991 (Vergleich 2021: 55’497).
Trotz den Bauaktivitäten und dem gestiegenen Kostendruck sei die Qualität in der Versorgung der Patientinnen und Patienten sichergestellt und weiterentwickelt worden. Die zum Ende des Jahrs geschaffene Stroke Unit verstärke das Leistungsangebot des Akutspitals und die Versorgung von Schlaganfallpatienten in der Region Zürcher Oberland.
Neues Arbeitszeitmodell wirkt
Das Arbeitszeitmodell, das 2022 für die Pflege im Dreischichtbetrieb eingeführt worden sei, sei unterdessen gut angelaufen. Dies habe jedoch zu höheren Kosten geführt, wobei sich die positiven Auswirkungen erst künftig zeigen würden. Künftig rechnet das Spital dank dem neuen Schichtbetrieb jedoch mit einer geringeren Personalfluktuation.
Der Anteil an temporären Mitarbeitenden sei derweil zwar rückläufig, aber immer noch zu hoch. Die Stabilität der Teams und die Situation bei den Bewerbungen hätten sich verbessert. Jedoch sei es in einigen Bereichen, wie beispielsweise im Notfall und im OP, nach wie vor sehr schwierig, Personal zu finden. Insgesamt beschäftigt das Spital 930 Mitarbeitende.
Der Neu- und Erweiterungsbau kommt voran
Im vergangenen Jahr tätigte das GZO-Spital Investitionen im Umfang von 24,9 Millionen Franken. Davon 18,9 Millionen Franken im Zusammenhang mit Bautätigkeiten.
Dabei stünden die Berücksichtigung nachhaltiger und flexibler Material- und Strukturkonzepte sowie eine ökologisch sinnvolle und kosteneffiziente Nutzung im Vordergrund. Darüber hinaus seien diverse Investitionsvorhaben und Projekte umgesetzt worden, um Kosten einzusparen und die Versorgungsqualität weiter zu erhöhen.
Bei der GZO-Kommunikationsabteilung nachgefragt:
Das GZO-Spital musste Abschreibungen verbuchen. In welchem Bereich?
Wir mussten keine Sonderabschreibung verbuchen. Jedoch müssen auch wir, wie alle Betriebe, jährlich Abschreibungen auf Sachanlagen vornehmen. Wenn beispielsweise eine Gerätschaft im letzten Jahr erworben wurde, belasten die Abschreibungen die Kostenseite auch im Folgejahr. Und das betrifft natürlich auch die Finanzanlagen. Hier wirkten sich die Zinssteigerungen negativ aus. In der Bilanz dürfen wir nur die aktuellen Wertstände verbuchen. Dieses Dilemma betrifft beispielsweise auch die Pensionskassen.
Sie fordern Unterstützung von Hausärzten in der Region. Was wünschen Sie sich von den Zuweisern?
Es gibt Zuweiser, die uns wohlgesinnt sind. Zugleich gibt es Zuweiser, die etwas verhaltener mit ihrem Geschäft umgehen. Vielfach erkennen wir dann, dass an uns Fälle «vorbeifahren». Zuweisungen müssen geordnet ablaufen. Wir können nur so gut sein, wie uns die Patientinnen und Patienten auch in Anspruch nehmen.
Hat der Verlust auch mit der Einführung des neuen Dreischichtbetriebs zu tun?
Nein, das hat damit nichts zu tun. Wir haben gute Erfahrungen damit gemacht. Im Mai führen wir eine Evaluationsphase durch, wo wir den neuen Schichtbetrieb nochmals genau unter die Lupe nehmen. Wir sind bestrebt, an allen Stellschrauben zu drehen, damit sich die Mitarbeitenden besser fühlen. Denn je mehr Fluktuation wir als Spital haben, desto höhere Kosten kommen auf uns zu, da wir neues Personal rekrutieren müssen. Insgesamt haben wir auch dank dem neuen Schichtbetrieb die Abwanderung von Personal stark entschleunigen können.
