Oberländer sind Impfmuffel
Erstmals hat die Zürcher Gesundheitsdirektion die Zahlen zu den Corona-Geimpften hinuntergebrochen auf die Bezirke und die Altersklassen publiziert. Und ein Blick auf die Karte zeigt: In den beiden Oberländer Bezirken Hinwil und Pfäffikon haben erst 39 respektive 40 Prozent der Gesamtbevölkerung einen ersten Piks erhalten. Niedriger ist dieser Anteil mit 38 Prozent nur noch im Bezirk Dietikon. Von den drei Oberländer Bezirken ist nur Uster mit 44 Prozent nahe beim Kantonsmittel von 46 Prozent Erstimpfungen. Dies ist der Stand am 15. Juni.
Klar an der Spitze liegen die Stadt Zürich und der Bezirk Meilen, wo schon 51 Prozent der Bevölkerung die erste Impfung erhalten haben. In den vergangenen sieben Tagen sind kantonsweit jeweils durchschnittlich 7000 Impfungen pro Tag gesetzt worden. Bis Mitte Juni haben kantonsweit 714‘678 Leute die erste Spritze erhalten und 415‘842 bereits die zweite.
Niedrigste Quoten im Kanton
Bei einer Analyse der Erstimpfungen nach Alter und Bezirk wird deutlich, dass im Bezirk Hinwil fast durchs Band die grösste Zurückhaltung in der ganzen Region herrscht – und in den Alterskategorien 30 bis 39, 60 bis 69 und 80+ sogar die niedrigsten Quoten im Kanton. Bei den Leuten in den Dreissigern liegt sie sogar volle 13 Prozentpunkte hinter dem Kantonsdurchschnitt.
Eine Erklärung für diese tiefe Quote gibt es nicht. Fakt ist lediglich, dass der Bezirk Hinwil während der zweiten Welle kantonsweit zu den am stärksten betroffenen Regionen im Kanton gehörte und über Wochen sehr hohe Corona-Fallzahlen aufwies. Somit könnten hier entsprechend viele Einwohner schon als immun gelten und keine Impfungen mehr benötigen. Oder liegt die niedrige Rate darin begründet, dass hier besonders viele Corona-Skeptiker wohnen?
Bezirk Uster spritzfreudiger
Nahe an den Zahlen im Bezirk Hinwil sind jene im Bezirk Pfäffikon, wobei in den Altersklassen ab 60 Jahren fast der Kantonsdurchschnitt erreicht wird. Im Bezirk Uster liegen die Quoten nur bei den jüngeren und mittleren Altersklassen unter dem Schnitt, während sie bei den über 50jährigen immer über den Kantonszahlen liegen.
Auch bei den Zweitimpfungen hinken die Bezirke Hinwil und Pfäffikon deutlich hintennach. Die Abweichung vom Kantonsdurchschnitt ist dort allerdings etwas weniger frappant.
Impfzentren voll ausgelastet
In den beiden Oberländer Impfzentren in Uster und Wetzikon ist von Impfmüdigkeit kaum etwas zu spüren. « Das Impfzentrum Uster ist momentan noch immer voll ausgelastet und arbeitet aufgrund der grossen Nachfrage durchgehend von 7.30 bis 22 Uhr auch am Samstag » , erklärt Michael Rechsteiner vom Impfzentrum.
Pro Tag würden fünf bis zehn Personen ihre Impftermine nicht wahrnehmen. « Dies geht durch alle Altersgruppen hindurch. Als Grund wird dabei meist genannt, dass bereits an einem anderen Ort – zum Beispiel im Ausland oder am Arbeitsplatz – eine Impfung vorgenommen wurde. Explizit aufgrund des verwendeten Impfstoffes werden solche Absagen sehr selten getroffen oder zumindest nicht explizit genannt » , meint der HR-Zuständige.
Wetziker Impfzentrum schafft ersten Meilenstein
16.06.2021

50'000 Impfung gespritzt Beitrag in Merkliste speichern
Auch im Impfzentrum Wetzikon hält der Andrang an. So konnte es am Mittwoch, zehn Wochen nach Eröffnung, die 50‘000. Impfung registrieren. Jörg Kündig, Verwaltungsratspräsident des Spitals GZO und Mitinitiant des Impfzentrums, setzt sich denn auch schon seit Wochen für das Durchimpfen der Bevölkerung ein. Der Präsident des Zürcher Gemeindepräsidentenverbandes wirbt vor allem auf Twitter intensiv und konterte vor wenigen Tagen, als die millionste Impfung im Kanton verkündet wurde, an die Adresse von Kritikern: « Wie war das gleich mit dem belächelten ‹ Schneggenkanton › Zürich? Das Konzept stimmt und die Impfzentren funktionieren hervorragend. Die gute Vorarbeit zahlt sich aus. »
Und wie tönt die Erklärung des Gossauer Gemeindepräsidenten für den Umstand, dass «sein Bezirk» bei den Impfraten zu den Schlusslichtern gehört? «Auf der Landschaft, wo es mehr Abstand zwischeneinander gibt als in der Stadt, ist man punkto Impfungen wohl zurückhaltender. Dies vor allem, weil ein unmittelbarer Nutzen für diesen Schritt nicht gleich offensichtlich ist.»
